Zetterer mit klarer Ansage

„Ich will ins Werder-Tor“

Nach seiner Leihe ist Michael Zetterer zurück bei Werder - und die Nummer zwei hinter Jiri Pavlenka. Doch dem 25-Jährigen reicht das nicht, er möchte bald selbst Stammkeeper der Bremer sein.
03.02.2021, 17:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Carsten Sander

Mitten im online geführten Gespräch wird Michael Zetterer kurz abgelenkt. Es klopft an der Tür seines Hotelzimmers, jemand schaut bei ihm nach dem Rechten. Vermutlich nur der Zimmerservice, aber Zetterer lacht und sagt: „Das war die Kontrolle, ob ich noch da bin.“ Natürlich ist er das, denn der 25-Jährige darf die wenigen mit Bett, Fernseher, Bad und einem von Werder Bremen gelieferten Spinning-Bike ausgerüsteten Quadratmeter nicht verlassen. Er sitzt noch bis Donnerstag eine fünftägige, vorsorgliche Quarantäne ab, ehe er bei Werder Bremen endlich loslegen kann. Zetterer wurde von PEC Zwolle zurückgeholt, um als neuer Ersatzmann hinter Stammtorwart Jiri Pavlenka zu fungieren. Aber das ist für den ehrgeizigen Keeper nur die kurzfristige Perspektive. Langfristig will er an Pavlenkas Stelle treten. „Ich will für Werder in der Bundesliga spielen, das ist nach wie vor mein Ziel“, sagt Zetterer, „daran hat sich nichts geändert.“

Schon 2015, als er von der Spvgg Unterhaching zum SV Werder gewechselt war, hatte er nur diesen Wunsch. Doch zwei Kahnbeinbrüche in den Jahren 2015 und 2016 sowie eine Folgeoperation 2017 verschleppten seine Entwicklung. Doch nach einem halben Jahr bei Austria Klagenfurt in Österreichs zweiter Liga und 18 Monaten in der niederländischen Eredivisie bei PEC Zwolle ist die Zeit reif für den nächsten Versuch in Bremen. Das sieht der Spieler so und der Verein auch. Ansonsten hätte Werder Zetterer nicht ein halbes Jahr vor Ablauf des Leihgeschäfts zurückgeholt – eine langfristige Verlängerung des bis 2022 laufenden Vertrages gab es noch dazu. Alles Zeichen, die Zetterer Mut machen: „Das Größte war, dass überhaupt der Anruf von Werder kam. Als das Transferfenster öffnete, hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich angerufen werde.“ Aber dann wollte Stefanos Kapino weg aus Bremen, seinen Platz vergab Werder an Zetterer. „Ich habe wieder das Vertrauen und einen neuen Vertrag bekommen, das freut mich riesig und ehrt mich. Jetzt liegt es an mir, was ich aus der Chance mache“, erklärt der gebürtige Münchner.

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Dass er sich erstmal hinter Pavlenka einreihen muss, ist völlig klar. Doch was im Sommer passieren wird, liegt wie ein Rätsel vor allen. Geht Pavlenka? Kommt dann Kapino zurück? Und soll sich Zetterer mit ihm duellieren? Welche Rolle spielt Luca Plogmann bei den Torhüter-Planungen des SV Werder? „Alles Zukunftsmusik“, meint Zetterer und sieht es so: „Werder hat mir bestimmt nicht einen langfristigen Vertrag gegeben, um mich dann irgendwo zu parken. Das würde für beide Seiten keinen Sinn machen.“ Tatsächlich darf er wohl berechtigte Hoffnungen hegen, bei einem Pavlenka-Wechsel um die Rolle als Nummer eins kämpfen zu können. Zetterer sagt, er nimmt es auch mit Pavlenka auf: „Ich haue mich hier voll rein. Bei Werder kennen mich alle lange genug, um zu wissen, was für ein Typ ich bin. Wie ehrgeizig ich bin und mit welcher Kämpfermentalität ich das Ganze angehe.“

Dass er ein Kämpfer ist, kann ihm bedenkenlos bescheinigt werden. Denn als die Karriere wegen der hartnäckigen Probleme mit dem linken Handgelenk früh zu enden drohte, hat Zetterer nie aufgegeben. Mittlerweile sei er „fast beschwerdefrei“, nach 32 Pflichtspielen für PEC Zwolle hat sich die Angst vor einem Rückfall aufgelöst: „Es hat schon ein bisschen gedauert, das volle Vertrauen wiederzubekommen. Aber jetzt habe ich keine Bedenken mehr. Ich habe in den Spielen nie etwas gemerkt. Das ist alles super gelaufen.“
Eine Konsequenz aus seiner ganz besonderen Laufbahn ist jedoch, dass der Torhüter vor anderthalb Jahren ein Sportmanagement-Fernstudium an der IST-Hochschule begonnen hat. Einfach aus Interesse und zur Sicherheit, so Zetterer: „Die Motivation dahinter ist, dass ich gesehen habe, wie schnell eine Karriere im Fußball auf der Kippe stehen kann.“ Noch in diesem Jahr will er eventuell seinen Abschluss machen. Die Quarantäne-Tage im Hotelzimmer in Bremen hat er jedenfalls zum Büffeln genutzt. Fällt der Corona-Test am Donnerstag negativ aus, wird Zetterer am Freitag erstmals mit der Mannschaft trainieren und am Sonntag gegen Arminia Bielefeld auf der Werder-Bank sitzen. „So ist es angedacht“, bestätigt er.

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