Kohfeldt-Team verliert Kellerduell

Nach 0:2 in Augsburg droht Werder der Abstieg

Werder Bremen droht wie schon in der vergangenen Saison der Bundesliga-Abstieg. Nach einem 0:2 (0:0) beim FC Augsburg steht das Team von Trainer Kohfeldt vor dem letzten Spieltag auf dem Relegationsplatz.
15.05.2021, 17:36
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Von Björn Knips und Daniel Cottäus
Nach 0:2 in Augsburg droht Werder der Abstieg

Die Spieler des FC Augsburg jubeln nach dem Elfmetertor, das die Niederlage von Werder in der Schlussphase des Spiels besiegelte.

nordphoto.GmbH / gumzmedia

Der erste Bundesliga-Abstieg des SV Werder Bremen nach 41 Jahren rückt immer näher. Durch eine extrem bittere 0:2 (0:0)-Niederlage beim direkten Konkurrenten FC Augsburg stürzten die Bremer auf den Relegationsplatz und haben einen Spieltag vor Schluss nur noch einen Zähler Vorsprung auf den 1. FC Köln direkt dahinter. Immerhin ist das rettende Ufer mit Arminia Bielefeld auch nur einen Punkt entfernt.

Somit kommt es am nächsten Samstag im Weserstadion gegen Borussia Mönchengladbach zum nächsten Krimi, nachdem schon die Partie in Augsburg ein Werder-Drama gewesen war. Augsburgs Ruben Vargas hatte schon früh Rot gesehen (12.). Werder vergab beste Chancen zur Führung. Dann aber sorgte Christian Groß mit seiner Ampelkarte (49.) für personellen Gleichstand – und Rani Khedira (57.) und Daniel Caligiuri (90., Foulelfmeter für einen 2:0-Sieg und die Augsburger Rettung. Werder liegt dagegen nach der achten Niederlage aus den letzten neun Spielen (nur ein Unentschieden) am Boden. Die Konkurrenten Bielefeld (1:1 gegen Hoffenheim) und Köln (0:0 gegen Hertha) erging es etwas besser und können mit einem besseren Gefühl in ihre letzten Spiele gegen Stuttgart (Bielefeld) und Schalke (Köln) gehen.

Der Nachmittag hatte mit einer guten Nachricht für Werder begonnen: Abwehrchef Ömer Toprak war nach seinem Muskelfaserriss in der Wade tatsächlich rechtzeitig fit geworden und konnte den Posten des verletzt fehlenden Milos Veljkovic in der Innenverteidigung übernehmen. Mehr Wechsel nahm Coach Florian Kohfeldt im Vergleich zum 0:0 vor einer Woche gegen Leverkusen nicht vor und schickte die älteste Bremer Startelf seit über vier Jahren ins Rennen. Das Durchschnittsalter betrug 28 Jahre und 328 Tage. Seine Erwartungshaltung war dabei klar: „Wir wollen unbedingt gewinnen. Heute darf sich keiner verstecken, und es wird sich auch keiner verstecken. “

Und so setzte Christian Groß gleich mal ein Zeichen – ein für Rani Khedira etwas schmerzhaftes. Fouls gehörten fortan genauso zu diesem Abstiegskrimi wie eine Sirene und klappernde Mülltonnen von Augsburger Mitarbeitern. Denen stockte aber schnell der Atem, als nach acht Minuten Niclas Füllkrug völlig frei vor dem FCA-Tor auftauchte, den Ball aber nicht richtig traf. Eine Riesenchance für Werder.

In der zwölften Minute wurde es dann richtig hektisch. Bei einem langen Ball der Gastgeber tobte plötzlich Werder-Coach Kohfeldt am Spielfeldrand. Und die Wiederholung im Fernsehen zeigte umgehend, warum: Ruben Vargas hatte nahe der Mittellinie fernab vom Ball nach einem Zweikampf mit Theodor Gebre Selassie nachgetreten. Zwar ohne zu treffen, aber deutlich genug, dass der Video-Schiedsrichter dem Unparteiischen einen Hinweis gab – und Robert Schröder zückte sofort Rot. Jetzt tobten die Augsburger. Schröder ging auf Nummer sicher, schaute auf einem Bildschirm am Spielfeldrand noch mal nach, blieb aber bei seiner richtigen Entscheidung.

Beide Teams brauchten etwas, sich auf die neuen Zahlenverhältnisse auf dem Platz einzustellen. Dann gab Werder aber Gas und hätte durch Josh Sargent (21.), Ludwig Augustinsson (28.) und Davie Selke (44.) in Führung gehen können oder sogar müssen. Auf der anderen Seite hatten die Bremer dann möglicherweise Glück, dass Schiedsrichter Schröder auf Abseits von Andre Hahn entschied und damit das Handspiel von Selke im Strafraum nicht mehr in die Wertung kam (38.). Durchatmen bei Werder – genauso wie nach dem Schuss von Marco Richter, den Keeper Jiri Pavlenka entschärfen konnte (45.).

GER, FC Augsburg vs SV Werder Bremen

Daniel Caligiuri verwandelte den Elfmeter für Augsburg.

Foto: nordphoto GmbH / Straubmeier

Trotz der Bremer Überzahl und leichten Überlegenheit war es eine enge Partie, die direkt nach der Pause noch enger werden sollte. Denn der bereits verwarnte Groß ging nach einem langen Ball viel zu robust gegen Florian Niederlechner zu Werke. Die Gelb-Rote Karte war eine vertretbare Entscheidung – und die Überzahl der Gäste nach 49 Minuten damit wieder Geschichte.

Auch Topraks Geschichte in diesem Spiel endete kurz darauf. Nach seiner Verletzungspause konnte der 31-Jährige offenbar noch nicht länger als 55 Minuten spielen, er wurde durch Marco Friedl ersetzt. Gleichzeitig kam Milot Rashica für Selke. Glückliche Wechsel waren das allerdings nicht. Denn Rashica verlor prompt am Strafraum ein folgenschweres Kopfballduell mit Robert Gumny – und im Zentrum fehlte einfach einer wie Toprak. So setzte sich Khedira gegen Theodor Gebre Selassie durch, und sein Kullerball prallte vom Innenpfosten zum 1:0 ins Tor (57.). Riesenjubel bei den Gastgebern, Entsetzen bei den Grün-Weißen. 

Der nächste Aufreger ließ nicht lange auf sich warten. Friedl traf Richter im Strafraum ganz leicht am Fuß, der Augsburger ließ sich fallen, bekam dafür aber keinen Elfmeter, sondern Gelb (65.). Eine knifflige Entscheidung.

Werder blieb im Spiel und kam nun endlich auch mal wieder selbst gefährlich vor das Tor. Leonardo Bittencourt donnerte die Kugel auf das Gehäuse – und nicht wenige Bremer hatten in der 72. Minute den Torschrei schon auf den Lippen. Doch der Ball prallte diesmal eben nicht vom Innenpfosten ins Tor. Kein 1:1. Was für ein Drama für Werder!

Und es kam noch schlimmer: Rashica foulte Hahn – Elfmeter, den Daniel Caligiuri sicher zum 2:0 verwandelte (90.). Davor hatten die Bremer allerdings auch zu wenig Druck gemacht, um den Ausgleich zu erzwingen. Bis auf Bittencourts Schuss kam da nicht viel. So wird es auch gegen Mönchengladbach schwer, zu punkten und den Klassenerhalt zu schaffen. 

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