Neuzugang bei Werder

Ducksch und die 15-Tore-Garantie

Marvin Ducksch feiert am Sonntag sein Debüt bei Werder, dann gegen Rostock. Drei Jahre dauert sein Vertrag beim Verein an der Weser. Und für ihn ist klar: Werder muss zurück in die 1. Liga.
26.08.2021, 19:55
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Von Carsten Sander

Für Profis gehört es beim Umgang mit Medien zu den eisernen Leitlinien: Bloß nicht zu viel sagen! Schon gar nicht, wenn es darum geht, persönliche Ziele zu definieren. Der Mannschaft helfen wollen, sich selbst nicht so wichtig nehmen, immer nur von Spiel zu Spiel denken – die Floskeln kennt jeder. Marvin Ducksch könnte sie sicherlich auch runterbeten. Macht er aber nicht. Jedenfalls nicht ausschließlich. Der neue Mittelstürmer des SV Werder scheut sich zum Beispiel nicht, sich auf eine Mindestanzahl an eigenen Saisontoren festzulegen. 15 Treffer – alles darunter würde seinen Ansprüchen nicht genügen, sagt er. Und loslegen will er mit der Produktion auch nicht erst irgendwann, sondern am Sonntag im Heimspiel gegen Hansa Rostock, seiner Werder-Premiere. „Ich wäre bereit“, erklärt Ducksch.

Vor einer Woche hat er noch mit Hannover 96 gegen den 1. FC Heidenheim gespielt, hat 1:0 gewonnen. Am Donnerstag, sechs Tage später, trainierte Ducksch dann das erste Mal mit der Bremer Mannschaft. Auf dem Platz blieb alles unauffällig, zwischen Kabine und Trainingsgelände unterhielt sich der 27-Jährige angeregt mit seinem Kollegen und Mittelstürmer-Rivalen Niclas Füllkrug, machte sich gemeinsam mit ihm warm. Später dann redete Ducksch lange mit Co-Trainer Florian Junge. Es ist die Phase des Kennenlernens, die er jetzt durchläuft und von der er sagt, dass sie für ihn – und das sei eine Erfahrung aus früheren Vereinswechseln – schnell abgeschlossen sein wird. „Ich glaube, dass ich auf den Punkt da sein werde, wenn es drauf ankommt – und das ist jetzt Sonntag.“ Dann ist Showtime.

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Werder braucht dringend Tore von Ducksch, denn aus dem bestehenden Kader hat in der laufenden Saison bislang nur Niklas Schmidt getroffen. Zuletzt gab es beim Karlsruher SC trotz Überzahl, Überlegenheit und Chancenplus nur ein 0:0. Über Ducksch wird allerdings gesagt, dass er sich viele Chancen erarbeitet, aber auch viele davon vergibt. Doch die andere Wahrheit ist: Er schießt trotzdem immer noch viele Tore. Jeweils 15 waren es in den vergangenen beiden Spielzeiten für Hannover 96, zwei Jahre davor 18 für Holstein Kiel. Insgesamt sind es 50 Treffer in 109 Zweitliga-Spielen, was nahezu einen Schnitt von einem Tor alle zwei Spiele bedeutet. Bei Werder will er diese Quote halten – mindestens. Ducksch: „Ich habe in der Anfangszeit mal gesagt, ich garantiere 15 Tore pro Saison. Das habe ich mir als Marke gesetzt. Bisher hat es immer funktioniert, deswegen bleibt es dabei.“ Das sei auch „definitiv“ machbar, meint er.

Das mit der „Anfangszeit“ hat dabei eine schöne, wenngleich wohl unbeabsichtigte Doppeldeutigkeit. Denn für den gebürtigen Dortmunder ist gerade wieder „Anfangszeit“ – er ist zurück bei Markus Anfang, jenem Trainer, unter dem er im Trikot von Holstein Kiel Torschützenkönig der 2. Liga geworden ist. „Es ist schön, dass sich unsere Wege wieder kreuzen“, meint Ducksch, „wir waren auch immer in Kontakt.“ Der ausschlaggebende Grund für den Wechsel zu Werder sei der Coach aber nicht gewesen, meint der Angreifer. Nur „ein kleiner Teil“ der eigenen Überlegungen hätten mit Anfang zu tun gehabt, aber ja, „es hat mit ihm in den anderthalb Jahren in Kiel gut funktioniert. Ich hoffe, dass wir das in Bremen fortführen können“.

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Wenn es nicht der Coach war, was war es dann, was ihn nach Bremen gelockt hat? Es sei „der richtige Schritt“ in der Karriere gewesen, versucht Ducksch zu erklären. Doch was an Werder richtiger ist als an 96 – diese Erläuterung bleibt er schuldig. Bremen sei „eben ein Top-Verein, da überlegt man nicht lange“.

Wobei: Vom ersten Annäherungsversuch bis zum Transfer sind Wochen vergangen, zwischendrin galt der Deal schon als geplatzt, und Ducksch musste vielmehr überlegen, als ihm lieb war. Zwischendrin hatte er mit dem Thema sogar abgeschlossen: „Ich habe gedacht: Dann wird es eben nichts dieses Jahr.“ Doch dann legte Werder 3,2 Millionen Euro auf den Tisch, kaufte den Torjäger aus dem Vertrag. Es ist eine Summe mit Erstliga-Dimensionen. Dabei ist Ducksch kein Stürmer mit Erstliga-Format, das sagt er übrigens selbst über sich. Bei den damaligen Bundesliga-Aufsteigern Fortuna Düsseldorf und SC Paderborn konnte er sich jeweils nicht durchsetzen. 15 Tore? In diesen Spielzeiten fehlte die Fünf hinter der Eins. Wie es sein kann, dass ein Top-Stürmer der 2. Liga es eine Spielklasse höher nicht schafft, Fuß zu fassen, erklärt Ducksch offen und selbstkritisch: „Vielleicht fehlt mir da die Qualität. Ich habe alles versucht, aber es hat nicht funktioniert.“

Nun will er mit Werder Bremen in die 1. Liga. Aufstieg – auch das ist bei Marvin Ducksch „definitiv ein persönliches Ziel“, über das er öffentlich spricht: „Für mich ist Werder einfach ein Bundesligist, dieser Club muss in die 1. Liga.“ Ducksch hat für drei Jahre in Bremen unterschrieben, „aber ich hoffe nicht, dass es drei Jahre dauert bis zum Aufstieg.“

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