Peinliche Pleite Werder geht gegen Paderborn im eigenen Stadion unter

Was er werden sollte? Der erste Heimsieg nach 170 Tagen Durststrecke. Und was es letztlich wurde? Ein Debakel, wie es der SV Werder Bremen in dieser Form schon lange nicht mehr erlebt hat!
15.08.2021, 15:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Im Zweitliga-Heimspiel gegen den SC Paderborn präsentierte sich die Mannschaft von Trainer Markus Anfang am Sonntagmittag erschreckend hilf- und wehrlos und kassierte eine auch in dieser Höhe verdiente 1:4 (0:3)-Niederlage, die einem sportlichen Offenbarungseid gleichkam. Bemerkenswert war dabei die Reaktion der Fans auf den Rängen, die überwiegend moderat ausfiel – wenngleich Pfiffe und „Baumann-raus-Rufe“ nicht zu überhören waren.

Nach dem Pokal-Aus in Osnabrück wollte Werder gegen Paderborn eigentlich zurück in die Erfolgsspur finden. Trainer Anfang hatte auf eine gewisse „Wut im Bauch“ seiner Spieler gehofft. Vergebens. Zwar begannen die Hausherren vor 19.000 Zuschauern schwungvoll und verzeichneten durch einen Kopfball von Kapitän Ömer Toprak die erste Chance der Partie (2.), danach fiel Werder aber regelrecht auseinander. Plötzlich ging nichts mehr, kam kein Querpass mehr an, sodass die Paderborner selbst davon überrascht gewesen sein dürften, wie einfach es ihnen der Gegner machte.

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Beispiel Nummer eins: Nach einer Flanke von Jamilu Collins gestattete Marco Friedl Felix Platte viel zu viel Platz im Strafraum, sodass der Mittelstürmer locker und leicht per Kopf zur Führung treffen konnte (9.). Beispiel Nummer zwei, nur acht Minuten später: Lars Lukas Mai ließ sich im Mittelkreis von Sven Michel düpieren, der wiederum Platte sah. Nach einem Ausrutscher von Friedl erhöhte der ehemalige Schützling von Werder-Trainer Anfang (beide haben in Darmstadt zusammengearbeitet) eiskalt auf 2:0 (17.). Unverdient war das nicht. Ganz im Gegenteil. Für Werder sollte es wenig später sogar noch schlimmer kommen.

In der 26. Minute musste Toprak, bis dato noch der Beste Bremer, verletzt vom Platz, was der ohnehin total verunsicherten Mannschaft weitere Stabilität nahm. Zunächst rettete der eingewechselte Milos Veljkovic zwar im letzten Moment gegen Dennis Srbeny (28.), kurz danach klingelte es aber erneut. Nach einem langen Ball verschätzen sich Manuel Mbom und der völlig indisponierte Mai, was Michel ein Eins-gegen-eins-Duell mit Werder-Keeper Zetterer bescherte. Im zweiten Anlauf entschied er es für sich – 3:0 (36.).

Wenig später war es aus der Ostkurve dann erstmals zu hören: „Baumann raus!“ Der Werder-Sportchef steht seit Wochen in der Kritik, weil er die dringend benötigten Verstärkungen für den Kader noch immer nicht nach Bremen gelotst hat. Bei einigen Fans scheint die Geduld inzwischen endgültig aufgebraucht, wozu so ein indiskutabler Auftritt wie gegen Paderborn natürlich seinen Teil beiträgt. Offensiv hatten die Bremer nach der Toprak-Chance vor der Pause nur noch einen verunglückten Schuss von Niclas Füllkrug zustande gebracht (31.). Zudem hatte Werder Glück, dass Friedl nach seinem harten Einsteigen gegen Ron Schallenberg nur die Gelbe Karte sah (37.).

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Anfang reagierte in der Pause, brachte Romano Schmid für Mai und Anthony Jung für Mbom in die Partie, was für die Ausgewechselten einer Erlösung gleichgekommen sein dürfte. Und einen (kurzzeitigen) Effekt hatte es auch: Werder kam verbessert aus der Kabine und nach einem schönen Angriff durch Niklas Schmidt sogar zum 1:3 (52.). Das Problem: Die Freunde darüber wehrte nur kurz, denn nur drei Minuten später hatte Schallenberg nach einer Ecke per Kopf den alten Abstand wiederhergestellt – 4:1 (55.). Kein einziger Bremer hatte sich für den defensiven Mittelfeldspieler im Strafraum verantwortlich gefühlt.

Auffällig: Auf der Tribüne war es danach fast schon unheimlich ruhig. Keine Pfiffe mehr, aber auch kaum noch Anfeuerung. Schockstarre dürfte wohl das Wort sein, das die Gemütslage der Fans in dieser Phase des Spiels am besten beschreibt. Weil Füllkrug (62.), Schmid (66.) und Rapp (67.) ihre Chancen nicht nutzten, änderte sich daran nichts. Es blieb dabei: Ganz egal, ob vorne oder hinten, Werders Fehlerquote war an diesem Tag in allen Bereichen viel zu hoch, um in der 2. Bundesliga Zählbares einfahren zu können. Es ging irgendwann nur noch um Schadensbegrenzung. Am dritten Spieltag. Zu Hause. Gegen Paderborn. In der Schlussphase meldeten sich die Werder-Fans dann doch noch einmal zu Wort. Sie sangen: „Oh, wie ist das schön.“ Und damit war wirklich alles gesagt.

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