Werder verliert Generalprobe in Rotterdam

Sargents Treffer ist nicht genug

Eine Woche vor dem Start in die Zweitliga-Saison hat Werder die Generalprobe gegen Feyenoord Rotterdam verloren. In den Niederlanden gab es im zweiten Test des Tages ein 1:2 (1:1).
17.07.2021, 18:16
Lesedauer: 4 Min
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Von Daniel Cottäus, Carsten Sander und Marius Winkelmann

Das war's, der Testspiel-Sommer des SV Werder Bremen ist vorbei - und zum Abschluss hat es nach sechs ungeschlagenen Partien doch noch eine Niederlage gesetzt. Im letzten Spiel der Vorbereitung, das quasi die Generalprobe vor dem Zweitliga-Saisonstart gegen Hannover 96 war, kassierte die Mannschaft von Trainer Markus Anfang am Samstag ein 1:2 (1:1) beim niederländischen Spitzenteam Feyenoord Rotterdam. Werders Tor erzielte Josh Sargent (27.), für die Gastgeber trafen Jens Toornstra (7.) und Orkun Kökcü (59./Foulelfmeter). Insgesamt war es trotz Niederlage ein ordentlicher Auftritt der Bremer, die Feyenoord über weite Strecken Paroli bieten konnten, allerdings auch einige Schwächen offenbarten. "Wir haben in unserem Spiel schon viele Sachen drin, die wir sehen wollen", lautete Anfangs Resümee der Vorbereitung, "perfekt sind wir aber noch nicht".

Der Trainer hatte für das Testspiel im altehrwürdigen Stadion De Kuip eine Startelf aufgeboten, die in dieser oder leicht abgewandelter Form auch am kommenden Samstag während des Liga-Auftakts gegen Hannover zum Einsatz kommen könnte. Das Zentrum der Viererkette vor Torhüter Stefanos Kapino bestand aus Ömer Toprak und Neuzugang Lars Lukas Mai, auf den Außenbahnen verteidigten Manuel Mbom (rechts) und Felix Agu (links). Davor bildeten Christian Groß, Maximilian Eggestein und Yuya Osako das Mittelfeld. Auf den Flügeln agierten Leonardo Bittencourt (links) sowie Romano Schmid (rechts). Zentraler Stürmer war Josh Sargent, der in der ersten Hälfte einen großen Auftritt hatte - zunächst aber auch den Rotterdamern die Bühne überlassen musste.

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Die Gastgeber begannen nach einer Schweigeminute für die Opfer der Flut-Katastrophe enorm engagiert und stellten Werder mit ihrem hohen Pressing vor Probleme. "Es war ein schweres Spiel gegen eine richtig gute Mannschaft", sagte Anfang, "wir hatten weniger Ballbesitz als zuletzt und mussten viel in der Defensive arbeiten". Zudem mussten sich die Bremer an eine Rotterdamer Zweikampfführung gewöhnen, die laut Anfang "teilweise an der Grenze" war. Nachdem der auffällige Jens Toornstra in der vierten Minute noch vorbeigeschossen hatte, zielte er kurz darauf genauer und brachte Feyenoord mit 1:0 in Führung (7.). Vorausgegangen war eine punktgenaue Flanke von Marcos Senesi, in deren Folge Toprak Toornstra im Strafraum aus den Augen verlor. Ein Gegentreffer, der Wirkung zeigte, denn Werder wackelte in der Anfangsphase vor rund 7.000 (ausschließlich heimischen) Zuschauern gewaltig. Sowohl Marcus Pedersen (14.) als auch Bryan Linssen (21.) hätten für den letztjährigen Fünften der Eredivisie das schnelle 2:0 nachlegen können. Ersterer scheiterte allerdings an Kapino, Zweiterer per Außenrist an der Querlatte.

In einer Trinkpause stellte Anfang sein Team, das in den frisch präsentierten Auswärtstrikots spielte, neu ein, gestikulierte dabei ausladend und machte alles andere als einen zufriedenen Eindruck. Was genau der Coach seinen Spielern zu sagen hatte? Nicht überliefert. Es schienen aber genau die richtigen Worte gewesen zu sein, denn Werder war danach plötzlich da. Nachdem Rotterdams Leroy Fer weggerutscht war und deshalb den Ball verloren hatte, schaltete Bittencourt blitzschnell, bediente Sargent, der den Ball mit links humorlos ins kurze Eck drosch - 1:1 (27.). Und schon hatte Werder mit dem ersten eigenen Abschluss den Ausgleich erzielt. Vor der Pause geriet dieser aber noch mehrfach in Gefahr: Erst rettete Kapino spektakulär gegen Fer (29.), dann verzog Linssen nach Agu-Fehler aus guter Position (30.).

Durchgang zwei begann mit einer dicken Chance für Werder: Nach Zuspiel von Osako war Sargent plötzlich frei durch, der Heber des US-Amerikaners geriet vor Justin Bijlow aber viel zu lässig und war somit kein Problem für den Rotterdam-Keeper (46.). "Wenn wir da in Führung gehen, kann das Spiel ganz anders laufen", sagte Anfang. Wichtig sei aber vor allem, dass seine Mannschaft überhaupt in solche Abschluss-Situationen komme. 

Mitten hinein in eine Phase, in der Werder mehr und mehr die Kontrolle zu übernehmen schien, gab es dann einen herben Rückschlag - nämlich einen zweifelhaften Strafstoß für die Gäste: Manuel Mboms Einsteigen gegen Tyrell Malacia wertete Schiedsrichter Dennis Higler als Foul. Orkun Kökcü trat an und verwandelte sicher zum 2:1 für die Hausherren (59.).

Insgesamt kam die Partie nicht mehr an das Tempo und die Intensität aus dem ersten Durchgang heran, auch Rotterdam hatte nun Probleme, sich Chancen zu erarbeiten. Anfang verzichtete seinerseits bewusst darauf, frische Impulse von der Bank zu bringen, weil er Wert darauf legte, dass möglichst viele Spieler 90 Minuten lang auf dem Platz stehen: "Darauf lag unser Hauptaugenmerk." Bereits am Mittag waren sich Rotterdam und Werder in einem Testspiel der vermeintlichen B-Teams (3:3) begegnet, bei dem elf andere Bremer zum Einsatz gekommen waren.

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Für Bittencourt war die Partie trotzdem schon vorzeitig beendet, angeschlagen musste der 27-Jährige vom Platz und wurde durch Oscar Schönfelder ersetzt (73.). Kurz darauf hätte der neue Mann beinahe für den abermaligen Ausgleich gesorgt, scheiterte aber an Bijlow (77.). In der Nachspielzeit vereitelte der Keeper dann noch eine Großchance von Toprak (90.+4). Danach war Schluss. Werder bleiben nun noch sechs Tage, ehe es am Samstag im Weserstadion gegen Hannover wieder ernst wird und der raue Zweitliga-Alltag beginnt. "Wir werden jetzt erstmal regenerieren und uns dann auf dieses Spiel vorbereiten", sagte Anfang, der sich trotz der nach wie vor großen personellen Ungewissheit insgesamt zufrieden zeigte mit der Vorbereitung: "Ich glaube, dass wir schon weit sind und uns die ersten Meisterschaftsspiele den letzten Kick geben werden."

Werder Bremen: Kapino - Agu, Toprak, Mai, Mbom - Groß - M. Eggestein, Schmid - Osako, Sargent, Bittencourt (73. Schönfelder)

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