Bundesliga Trotz Fehlern: Darum ist Werder mit Anthony Jung sehr zufrieden

Beim SV Werder ist man mit Außenverteidiger Anthony Jung sehr zufrieden - trotz einiger Fehler zuletzt. Das könnte am Ende zu einer Vertragsverlängerung führen.
16.11.2022, 15:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Malte Bürger und Daniel Cottäus

Wenn es in der bisherigen Bundesliga-Saison um den SV Werder Bremen ging, dann wurde sehr häufig auch über die starken Schlussminuten der Mannschaft gesprochen. Eben jene Phase, in der es für den Wiederaufsteiger schon allerlei Tore und am Ende wertvolle Punkte gab. Eine Qualität, die für reichlich Respekt bei den gegnerischen Teams gesorgt hat. Und wenn es nach Anthony Jung geht, dann ist es vielleicht gar nicht so schlecht, wenn sich der Fokus weiter auf den Endspurt der Grün-Weißen richtet – denn dann geht womöglich ein wenig unter, dass die Anfangsphasen der jüngsten Spiele für ihn persönlich ein paar Unannehmlichkeiten bereithielten.

In München nahm das Unheil in der vergangenen Woche seinen Lauf. Werder startete eigentlich gut gegen den Rekordmeister, doch dann leistete sich Jung im Mittelfeld einen folgenschweren Ballverlust gegen Serge Gnabry. Die Bayern-Offensive schaltete blitzschnell um, nach gerade einmal sechs Minuten traf Jamal Musiala zur Führung. Die ohnehin schon schwierige Aufgabe war noch ein wenig schwieriger geworden. Zwar traf Jung daran nicht die alleinige Schuld, schließlich hätte die Situation später noch bereinigt werden können, doch sein Fehler war fraglos vermeidbar. Immerhin: Nur vier Minuten später war dem 31-Jährigen selbst der Ausgleich gelungen und Werder zurück im Spiel. Thema damit also abgehakt? Nicht ganz.

Werder-Niederlage gegen Leipzig: Jung-Fehler führt zu Konter

Nur vier Tage später mühten sich die Bremer nämlich noch keine Viertelstunde gegen RB Leipzig, als Jung erneut ungeschickt agierte. Der Linksverteidiger hatte den Vorwärtsgang eingelegt, sich dann aber festgelaufen. Anstatt die Situation kompromisslos zu entschärfen, entschied er sich für eine Ablage mit der Hacke – und sorgte so für einen Konter der Sachsen. Die Folge: Werders Hintermannschaft war unsortiert, Amos Pieper zu weit weg von André Silva, der wiederum ungehindert schon nach 13 Minuten traf. Wieder lag die Elf von Trainer Ole Werner früh hinten, wieder war die Entstehung vermeidbar. Der Coach fasste seine Kritik hinterher allgemein, und doch war unmissverständlich, an wen er unter anderem bei seinem Urteil dachte: „Wenn wir von Beginn an etwas anders auf dem Platz gestanden hätten und auch die ersten 25, 30 Minuten mit mehr Überzeugung und ohne den einen oder anderen Fehler wie vor dem 0:1 gespielt hätten, wäre mehr drin gewesen.“

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So war es das letztlich nicht, stattdessen gab es nach dem 1:6-Debakel in München auch noch eine 1:2-Heimpleite gegen Leipzig vor der WM-Pause. Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball, ist dennoch weit davon entfernt, jetzt den Stab über Anthony Jung zu brechen. „Die Szenen sollte man nicht überbewerten“, sagt er stattdessen im Gespräch mit der DeichStube. „Tony hat bis heute die Erwartungen erfüllt, die wir im vergangenen Jahr bei seiner Verpflichtung an ihn hatten." Für Jung ist die Liga in gewisser Hinsicht noch immer Neuland. Zwar hatte er in der Saison 2016/2017 schon für den FC Ingolstadt 16 Mal im deutschen Oberhaus auf dem Platz gestanden, doch lediglich in vier Fällen über die volle Distanz. Die damals gesammelten 699 Minuten hat er bei Werder in nur 15 Spielen schon locker übertroffen (1149). Anders als beim FCI ist der frühere U20-Nationalspieler an der Weser eine feste Größe. Auf dem Platz und auch innerhalb der Mannschaft. Fehler hin oder her. „Er ist ein guter Typ, vielseitig einsetzbar, und er gibt dem Team Stabilität“, lobt Fritz.

Wo derart viel Zufriedenheit vorhanden ist, da wird auch über eine weitere Zusammenarbeit nachgedacht. Ein Geheimnis ist das längst nicht mehr, womöglich wird die just begonnene Winterpause ziemlich zeitig genutzt, um Fakten zu schaffen. „Wir werden uns demnächst zusammensetzen und Gespräche führen“, kündigt Clemens Fritz an. Nichtsdestotrotz gehört es zum Geschäft, dass ein Proficlub auch immer zweigleisig fährt und den Markt im Blick hat.

Das Problem mit den Alternativen

Momentan haben die Bremer anderthalb Alternativen in ihren Reihen. Felix Agu kann bekanntlich auf beiden Außenbahnen eingesetzt werden, kuriert derzeit aber Probleme an der Patellasehne aus. Dann ist da noch Lee Buchanan, den die Grün-Weißen im Sommer von Derby County geholt haben. Der 21-Jährige hatte in dieser Saison schon einen ganz großen Auftritt beim berauschenden 3:2-Erfolg in Dortmund, als er mit seinem Treffer die späte Wende einleitete. Zuletzt ist es aber etwas ruhiger um den Engländer geworden, in den vergangenen vier Partien kam er – einmal auch krankheitsbedingt – nicht zum Einsatz. Die Entwicklung stimme laut Clemens Fritz dennoch. „Er ist gut angekommen und fühlt sich wohl bei uns“, erklärt der 41-Jährige. „Immer, wenn er reinkam, hat er seine Aufgaben gut gelöst. Ich sehe großes Potenzial in ihm. Die Vorbereitung im Winter wird ihm dabei helfen, den nächsten Schritt zu machen." Ob er dann auch mehr spielt, steht auf einem anderen Blatt. Anthony Jung jedenfalls dürfte etwas dagegen haben.

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