Virologe kristisiert Fan-Rückkehr

8500 Zuschauer im Weserstadion erlaubt

Werder darf beim ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Hertha BSC wieder Zuschauer ins Weserstadion lassen. Der Senat erlaubt 8500 Besucher. Virologe Andreas Dotzauer sieht das kritisch.
14.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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8500 Zuschauer im Weserstadion erlaubt
Von Christoph Bähr

Nach sieben Monaten darf Werder Bremen erstmals wieder ein Heimspiel mit Zuschauern austragen. Der Senat teilte am Sonntag mit, dass zum Bundesliga-Auftakt gegen Hertha BSC am kommenden Sonnabend 8500 Fans ins Weserstadion dürfen. „Das ist eine sehr gute Nachricht für den SV Werder Bremen“, sagte Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald. Zuletzt hatte Werder am 22. Februar gegen Dortmund vor Zuschauern im Weserstadion gespielt. Seitdem waren aufgrund der Coronavirus-Pandemie nur Partien ohne Fans erlaubt.

Nun darf wieder ein Teil der Sitzplätze genutzt werden. 8500 Zuschauer entsprechen einer Auslastung von etwa 20 Prozent. Das Weserstadion fasst maximal 42.100 Besucher. Werden die Stehplätze in Sitzplätze umgewandelt, so wie es jetzt vorgeschrieben ist, liegt die Kapazität bei 37.400 Plätzen. Bürgermeister Andreas Bovenschulte erklärte: „Ich danke Werder für die guten und vertrauensvollen Gespräche. Werder hat ein exzellentes Hygienekonzept vorgelegt, auf dessen Grundlage ich es beim gegenwärtigen Infektionsgeschehen für vertretbar halte, Zuschauer ins Stadion zu lassen.“

Bundeseinheitliche Lösung immer noch im Fokus

Bei der Festlegung der Zuschauerzahl orientierte sich der Senat daran, was aktuell zwischen den Bundesländern diskutiert wird. Das Ziel dieser Gespräche sei weiterhin eine bundeseinheitliche Lösung, teilte der Senat mit. Schon in den kommenden Tagen könnte es zu einer Einigung kommen. Um Werder die Planung für das Hertha-Spiel zu erleichtern, wurde für Bremen rechtzeitig eine Entscheidung getroffen. „Wir freuen uns über dieses Ergebnis nach einem sehr konstruktiven Austausch mit der Bremer Politik und den Bremer Behörden und bedanken uns für die Weitsicht, uns die Vorbereitungszeit auf die Partie zu ermöglichen“, sagte Hess-Grunewald.

Großveranstaltungen sind in Deutschland wegen der Corona-Pandemie zwar bis Jahresende verboten, doch mit einem entsprechenden Hygienekonzept sind unter Berücksichtigung der lokalen Infektionslage Ausnahmen möglich. An den Bundesliga-Standorten gibt es aktuell ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Nach und nach erhielten immer mehr Vereine die Erlaubnis, mit Fans im Stadion zu spielen. RB Leipzig darf etwa mit rund 8500 Zuschauern planen, Hertha BSC mit 4000, Frankfurt mit 6500.

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Ohne Fans im Stadion hätte Werder einen Standortnachteil gehabt, pro Spiel ohne Zuschauer kalkuliert der Verein mit bis zu 1,5 Millionen Euro an Mindereinnahmen. Dazu kommt der fehlende Heimvorteil für die Mannschaft. „Die Fans haben gefehlt. Und auch wenn es erst ein Anfang ist, so ist es doch ein wichtiges Signal, dass wir uns trauen können, nach Wegen zu suchen, um mit der Pandemie zu leben", betonte Hess-Grunewald. "Wir sind hoch motiviert, dieses Vertrauen zu rechtfertigen und den Spieltag akribisch vorzubereiten und umzusetzen."

Bei aller Freude, die die Rückkehr der Zuschauer bei Werder und vielen Fans auslöste, sieht Andreas Dotzauer die Entscheidung des Senats kritisch. „Vor dem Hintergrund, dass wir insgesamt betrachtet steigende Infektionszahlen haben, ist das ein gewagtes Unternehmen“, sagte der Virologe und Leiter des Laboratoriums für Virusforschung an der Uni Bremen. 8500 Zuschauer seien eine „enorme Gesamtmasse“. „Dazu kommt die besondere Atmosphäre im Stadion. Es wird laut gerufen, vielleicht fallen sich Menschen in die Arme. Dadurch ist die Gefahr gegeben, dass die Regeln nicht immer eingehalten werden. Sollte jemand im Stadion sein, der infiziert ist, ist die Ansteckungsgefahr relativ groß“, gab Dotzauer zu bedenken und hielt fest: „Ich würde nicht hingehen.“

Tickets werden verlost

Dass sich mehr als genug Interessenten für die 8500 Plätze finden, davon ist trotzdem auszugehen. 25 000 Dauerkarten hat Werder für die neue Saison verkauft. Vorsorglich wurden alle Inhaber von Saisontickets bereits in der vergangenen Woche angeschrieben, um ihre grundsätzliche Bereitschaft für einen Stadionbesuch abzufragen. Unter den Dauerkartenbesitzern, die sich bis diesen Montag, 9 Uhr, gemeldet haben, werden die Karten für das Hertha-Spiel verlost. Die Dauerkarteninhaber, die leer ausgehen oder nicht zum Spiel möchten, können sich den Kartenpreis für das Hertha-Spiel anteilig erstatten lassen.

Diejenigen, die ins Stadion dürfen, haben einige Dinge zu beachten. Sie müssen etwa ihre Adressen angeben und bekommen einen Zeitkorridor mitgeteilt, in dem sie die Arena betreten müssen. Dort herrscht Maskenpflicht außer am Sitzplatz. Alkohol wird nicht ausgeschenkt. Gästefans gibt es ebenso wenig wie Stehplätze. Es wird also vieles anders sein als am 7. März, dem Tag, an dem Werder zum bislang letzten Mal ein Bundesliga-Spiel vor Zuschauern bestritt. Nur der Gegner bleibt unverändert: Damals spielten die Bremer bei Hertha BSC, am Sonnabend kommen die Berliner ins Weserstadion.

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