Werder schlägt Oberneuland mit 12:0

Schützenfest mit Spezial-Debüt

Werder Bremen hat am Dienstagabend das XXL-Testspiel gegen den FC Oberneuland mit 12:0 gewonnen und konnte Selbstvertrauen tanken in der Vorbereitung auf die Zweitliga-Saison.
13.07.2021, 21:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Kurze Anreise, lange Spielzeit, hoher Sieg: Für den SV Werder Bremen hätte der Test beim FC Oberneuland eigentlich nicht besser laufen können. Der Zweitligist fegte den Regionalligisten mit 12:0 (7:0) vom Platz, tankte viel Selbstvertrauen vor der entscheidenden Phase der Vorbereitung auf die Zweitliga-Saison.

Allerdings hielt sich die Gegenwehr der Gastgeber arg in Grenzen, das Team aus dem Nordosten Bremens war vor 1000 Zuschauern in der Marko-Mock-Arena völlig überfordert. Und dann wurde in diesem XXL-Test auch noch über 2x60 Minuten gespielt. Die Werder-Profis fanden es gut, gaben ordentlich Gas. Josh Sargent und Leonardo Bittencourt durften jeweils drei Mal, Niclas Füllkrug und Kebba Badjie immerhin zwei Mal jubeln. Auch Romano Schmid und Ilia Gruev trugen sich in die Torschützenliste ein, während der erst 16-jährige Fabio Chiarodia sein Debüt bei den Profis feierte.

„Wir wollten gegen einen tief stehenden Gegner Möglichkeiten herausspielen. Es tut einfach gut, Tore zu erzielen – und zwölf musst du auch erst mal machen“, urteilte Werder-Coach Markus Anfang, wollte den Sieg angesichts des Gegners und dessen Situation aber nicht überbewerten: „Wir müssen Oberneuland erst mal Danke sagen, dass sie direkt bereit waren, so kurzfristig gegen uns zu spielen, obwohl sie zuletzt nicht trainiert haben. Für uns ging es vor allem um die Spielzeit, die haben alle bekommen.“

Es hatte schon auf dem Spielbericht für den FC Oberneuland schlecht begonnen, dort waren nämlich nur zehn Spieler aufgeführt worden. Auf dem Rasen standen dann zwar elf Akteure, die spielten allerdings wie zehn. Werder hatte total leichtes Spiel. Praktisch ohne Gegenwehr erzielte Josh Sargent nach Vorarbeit von Maximilian Eggestein das schnelle 1:0 (2.). Es dauerte immerhin bis zur 23. Minute, ehe Leonardo Bittencourt per Strafstoß das 2:0 besorgte. Felix Agu war vom ungestümen Jason Tomety-Hemazro zu Fall gebracht worden.

Dann wurde es fies: Der gerade von Yuya Osako getunnelte Serhat Yazgan trat dem Japaner absichtlich mit der Hacke in den Bauch. Da hätten es tatsächlich nur noch zehn Oberneuländer sein dürfen, aber Schiedsrichter Simon Rott beließ es bei einem Freistoß.
Auch in Vollbesetzung brach der Regionalligist nun völlig ein. Der wieder einmal sehr quirlige Romano Schmid markierte das 3:0 (29.) – und zwar per Kopf, was bei dem kleinen Österreicher alles andere als üblich ist.

Da dürfte auch sein ehemaliger Co-Trainer Tim Borowski auf der Tribüne gestaunt haben. Der Ex-Profi sah nach einer kleinen Trinkpause beider Mannschaften gleich den nächsten Kopfball von Schmid – diesmal als Vorlage zum 4:0 von Sargent (36.). Der US-Amerikaner ließ nach Pass von Osako umgehend das 5:0 folgen (37.). Es sollte nicht der einzige Hattrick bleiben, denn auch Bittencourt legte noch zwei Mal nach (39. und 46.).

Möhwald und Schmid durften sich als Vorbereiter feiern lassen, wenngleich sich der Jubel bei Spielern und Fans doch ziemlich in Grenzen hielt. Zu groß war einfach das Leistungsgefälle zwischen einem Bundesliga-Absteiger, der gerade auf die Zielgerade der Vorbereitung einbiegt, und einem Viertligisten, der zuletzt zwei Wochen lang die Beine hochgelegt hat und so gar nicht in die Gänge kam. 

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Bei den Bremern verdienten sich neben den Dreifach-Torschützen Sargent und Bittencourt auch Schmid und Lars Lukas Mai ein Sonderlob. Der Neuzugang hatte als rechter Innenverteidiger gleich drei Treffer mit einer guten Spieleröffnung eingeleitet.
Für die zweiten 60 Minuten schickte Werder-Coach Markus Anfang wie angekündigt ein komplett neues Team ins Rennen und musste dabei etwas improvisieren. Denn Nicolai Rapp, Eren Dinkci, Milos Veljkovic, Abdenego Nankishi (alle muskuläre Probleme) und Nick Woltemade (Rücken) fehlten ebenso wie Jiri Pavlenka (Aufbautraining). Immerhin stand Neuzugang Anthony Jung nach seinem grippalen Infekt wieder zur Verfügung, beließ es aber bei einem Einsatz von rund 30 Minuten.

Werder blieb klar überlegen. Niclas Füllkrug gelang schon bald das 8:0 (68.). Ilia Gruev ließ per Kopf nach feiner Flanke von Niklas Schmidt das 9:0 folgen (77.). Und Kebba Badjie machte das Ergebnis rasch zweistellig (82.), wieder hatte Schmidt vorbereitet. Werder war damit aber längst noch nicht satt. Der Favorit gab weiter Vollgas. Simon Straudi bediente Füllkrug, der locker zum 11:0 einschob (90.).

Noch-Aufsichtsratschef Marco Bode gefiel das offenbar so gut, dass er sich und Sportchef Frank Baumann auf der Tribüne gleich mal mit Bier versorgte. Es gab ja nicht nur die elf Tore zu feiern, sondern auch ein ganz besonderes Debüt: Fabio Chiarodia durfte zum ersten Mal bei den Profis ran. Der erst 16-jährige Italiener kam nach der zweiten Trinkpause für Jung, und der Innenverteidiger sah schon bald das 12:0 von Badjie (94.). Natürlich hatte auch der extrem spielfreudige Schmidt wieder seine Füße im Spiel.

Das Ergebnis hätte durchaus noch höher ausfallen können. Werder konnte aber auch so zufrieden sein, feierte den vierten Sieg im fünften Test und bleibt unter Coach Anfang weiter unbesiegt. So einfach dürfte es allerdings am Samstag beim Doppel-Test bei Feyenoord Rotterdam nicht werden.

++ Dieser Artikel wurde um 21.47 Uhr aktualisiert. ++

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