Werder-Coach redet sein Team stark

Anfang im Angriffsmodus

Nach dem Unentschieden zum Auftakt ist Werder am Sonnabend bei Fortuna Düsseldorf gefordert. Trainer Markus Anfang präsentiert sich im Vorfeld sehr angriffslustig.
29.07.2021, 18:53
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Von Björn Knips
Anfang im Angriffsmodus

Trainer Markus Anfang (r.) und Mittelfeldspieler Maximilian Eggestein.

Andreas Gumz

Die Rückkehr ins Rheinland – für Markus Anfang ist das eigentlich eine ganz schöne Geschichte, er bedient sie auch, aber nur ein bisschen. Denn der neue Trainer des SV Werder Bremen hat gerade ganz andere Sorgen, da ist wenig Zeit für Nostalgie vor dem Gastspiel am Samstag bei Fortuna Düsseldorf (20.30 Uhr/Sport1 live), einem Club, für den Anfang von 1995 bis 1997 und von 2006 bis 2008 gespielt hat. Der gebürtige Kölner soll dem SV Werder wieder auf die Beine helfen, was sich noch schwieriger gestaltet als schon angenommen. Dabei hat Anfang nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Hannover einen kleinen Kurswechsel vollzogen. Wirkte er vor dem Zweitliga-Auftakt noch eher nüchtern und zurückhaltend, schaltete der 47-Jährige in den Angriffsmodus – sicher noch nicht in die End-, aber zumindest in eine Vorstufe.

„Wir müssen uns verbessern, wir müssen mehr Abschlüsse ziehen, wir müssen konsequent bis zur letzten Minute verteidigen“, forderte Anfang mit ziemlich deutlichen Worten auf der Spieltags-Pressekonferenz. Und in dieser Klarheit ging es am Donnerstagmittag in den 30 Minuten im Medienraum des Wohninvest Weserstadions weiter. „Was man auch mal klarstellen muss“, meinte Anfang: „Wenn man sagt, man will einen Wiederaufbau betreiben, heißt das nicht, dass man keine Spiele gewinnen will. Ich hasse es, Spiele nicht zu gewinnen. Ich will jedes Spiel gewinnen. Ich gehe raus, um das Fußballspiel zu gewinnen!“

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Er fühlt sich damit bei seinem neuen Club aber keineswegs allein: „Am Ende des Tages wollen wir alle gewinnen – ob das unsere Fans sind, ob das im Verein die Mitarbeiter sind oder wir als Trainerteam oder die Mannschaft. Und das müssen wir verinnerlichen.“ Der letzte Satz deutete allerdings auch daraufhin, dass der Siegeswille dann doch noch nicht in jedem drin ist. Wie auch? Anfang betonte noch einmal, dass sich die Ausgangslage nach dem Abstieg grundlegend verändert habe. Im Abstiegskampf sei es in der Vergangenheit in erster Linie darum gegangen, nicht zu verlieren und erst dann irgendwie zu gewinnen. Von einem Favoriten, und das sei ein Absteiger immer, ob er es wolle oder nicht, würden dagegen stets Siege verlangt.

„Das ist ein Prozess“, wiederholte Anfang einen schon häufig von ihm benutzten Satz. Doch diesmal klang dieser nicht mehr so trübe, sondern zuversichtlicher. Dazu passte auch diese Anmerkung von Anfang: „Auch wenn ich gesagt habe, dass es die Mannschaft ist, die leider abgestiegen ist, dürfen wir nicht vergessen: Wir haben trotzdem Qualität in der Mannschaft. Und wir glauben an die Qualität. Wir glauben auch, dass jeder Spieler gut genug ist, um verschiedene Positionen zu bespielen. Das ist auch einer der wichtigsten Punkte, den Spielern das Gefühl wiederzugeben, dass sie es können.“

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Gegen Düsseldorf soll diese individuelle Stärke mehr zum Tragen kommen als gegen Hannover. Das wird auch notwendig sein. Die Fortuna ist Werder quasi ein Jahr voraus, kein angenehmes freilich. Denn der angestrebte direkte Wiederaufstieg missglückte. Dafür musste der Kader diesmal nicht wie nach dem Abstieg und jetzt bei Werder runderneuert werden, sondern blieb fast komplett zusammen. Anfang erwartet deshalb „gewisse Automatismen“ beim Gegner. Im eigenen Team seien die noch nicht so zu erwarten. Von den Neuzugängen wird zwar wahrscheinlich nur Lukas Mai spielen, aber der nach Tschechien zurückgekehrte Theodor Gebre Selassie wird schon schmerzlich vermisst. Und einen Milot Rashica (Norwich City) könnte Anfang als Außenstürmer in seinem 4-3-3-System sicher auch gut gebrauchen.

Doch mit all' diesen personellen Problemen und dieser extremen Ungewissheit, wer noch alles den Verein verlassen könnte, wollte sich Anfang nicht mehr so sehr beschäftigen, ohne sie ganz unter den Tisch fallen zu lassen. Der Coach warb dabei erneut für Verständnis und Geduld. Doch seine Maxime lautete: „Ich muss mich als Spieler und als Trainer nur auf das Wesentliche konzentrieren – das nächste Spiel und die Aufgaben, die dort auf mich warten. Die muss ich zu 100 Prozent angehen.“ Jedes Erfolgserlebnis auf dem Platz steigere das Selbstvertrauen. Rückblickend auf das Hannover-Spiel nannte Anfang dabei explizit Michael Zetterer und Niklas Schmidt, die gestärkt aus ihren Premieren herausgegangen seien. Zetterer hatte sein erstes Werder-Pflichtspiel absolviert, Schmidt zum ersten Mal in der Startelf gestanden. Das Positive wird bei Werder wieder mehr in den Vordergrund gestellt.

Das gilt auch für den Spieltermin. „Als Fußballer gibt es nichts Schöneres als ein Abendspiel zu haben, wenn das Flutlicht angeht und das Stadion wieder gefüllt ist. Noch besser ist es nur, wenn es noch leicht regnet und der Rasen schön nass ist und der Ball richtig schnell wird. Es geht hin und her und du gehst nach 90 Minuten als Sieger vom Feld“, geriet Anfang regelrecht ins Schwärmen, nachdem er sich vor seiner Weserstadion-Premiere eine Woche zuvor noch wesentlich reservierter geäußert hatte. Aber das liegt gewiss nicht an der Arena, denn die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte sei zwar schön, so Anfang: „Es gibt noch einige Mitarbeiter im Verein, die ich kenne. Aber ich bin Trainer von Werder Bremen und fahre dahin, um das Spiel zu gewinnen.“

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