Reck, Rost, Ernst und Burdenski

Bremer Liebe und Schalker Leiden

In der Bundesliga-Historie haben schon einige Profis für Werder und auch Schalke gespielt. Oliver Reck, Frank Rost, Fabian Ernst und Dieter Burdenski schätzen die aktuelle Lage beider Vereine ein.
29.01.2021, 20:12
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Daniel Cottäus und Björn Knips
Bremer Liebe und Schalker Leiden

Beim letzten Duell war Werder überlegen - das wollen die Bremer auch dieses Mal sein.

nordphoto / Rauch

Werder Bremen gegen Schalke 04 – das ist längst ein Duell zweier großer Traditionsvereine, bei denen die Gegenwart alles andere als groß ist. Sportliche und finanzielle Sorgen prägen den Alltag sowohl an der Weser als auch in Gelsenkirchen – weshalb das heutige Duell zwischen dem Tabellen-13. Werder und dem Schlusslicht Schalke besonders richtungsweisend ist. Die Ex-Profis Oliver Reck, Frank Rost, Fabian Ernst und Dieter Burdenski haben in ihrer Karriere bewegte Zeiten in beiden Klubs erlebt – und gegenüber der Deichstube verraten, wie sie die aktuelle Lage in Bremen und auf Schalke einschätzen.

Lesen Sie auch

Frank Rost

Als Torwart hatte er schon immer einen besonderen Blick auf das Spiel – und so ist es auch jetzt, wenn Frank Rost auf die Probleme der Traditionsvereine – speziell des FC Schalke – angesprochen wird. „Die Tradition ist doch heutzutage fast nur noch ein Marketing-Tool. Nehmen wir Schalke: Da ist immer vom Malocherklub die Rede, doch davon sehen wir seit Jahren nichts“, findet der 47-Jährige: „Auch Traditionsvereine sind doch längst nur noch Wirtschaftsunternehmen. Die können ein gutes oder ein schlechtes Geschäft machen. Meine Ex-Clubs konnten da in den vergangenen Jahren wenig begeistern.“ Rosts letzter Bundesliga-Club, der Hamburger SV, spielt sogar nur noch in der Zweiten Liga.

Werder sieht er immerhin auf dem Weg, „sich irgendwie durchzuwurschteln“. Den Klassenerhalt traut er den Bremern zu. Beim Tabellenletzten Schalke hält er sich mit einer Prognose lieber zurück und sagt nur: „Vom Budget und den Namen der Spieler her ist das gewiss keine Zweitliga-Mannschaft. Und jetzt haben sie sogar noch namhafte Spieler dazugeholt. Aber Notkäufe helfen selten den Clubs, sondern meistens nur den Beratern.“

Lesen Sie auch

Dieter Burdenski

Beim Thema „namhafte Schalker Spieler“ muss der ehemalige Torhüter lachen. „Da hatten vielleicht mal einige Spieler einen großen Namen, aber jetzt?“, fragt Burdenski – und gibt sich die Antwort gleich selbst: „Jetzt zählt das alles nicht mehr, sondern nur noch der Ist-Zustand, und da sieht es finster für Schalke aus.“
Mit 444 Bundesliga-Spielen ist der 70-Jährige bis heute Werders Rekordspieler, seine Verbundenheit zu S04 und zu seiner Heimatstadt Gelsenkirchen ist aber nicht minder groß. „Ich bin zwar in Bremen geboren, aber meine prägende Zeit hatte ich im Ruhrgebiet“, sagt „Budde“, dessen Vater Herbert Burdenski eine Legende des FC Schalke ist, nach der sogar eine Straße in der Nähe des Stadions benannt ist. „Da ist es doch klar, dass mein Herz an Schalke hängt“, sagt Dieter Burdenski, der heute ausnahmsweise mal mit einem Bremer Unentschieden leben könnte.

Werders Auftritte in den vergangenen Wochen bezeichnete der Ex-Profi als „okay“. Viel mehr könne man von der aktuellen Mannschaft nicht erwarten. „Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass Werder die Klasse hält“, sagt er. Und Schalke? Genau festlegen möchte sich Burdenski da lieber nicht. Er betont aber: „Schalke wird niemals untergehen. Dafür ist die Strahlkraft des Vereins viel zu groß. Falls es in die Zweite Liga gehen sollte, kommt der Verein sofort wieder rauf.“

Lesen Sie auch

Fabian Ernst

Wenn es um Werder Bremen geht, liegen die Tage voller Sorgen und Befürchtungen hinter Fabian Ernst, „denn aus den Mitteln, die dem Club zur Verfügung stehen, holt er inzwischen das Beste heraus“. Das war in der vergangenen Saison lange nicht der Fall gewesen, was beinahe den Abstieg zur Folge gehabt hätte. Jetzt sieht Ernst, 2004 Double-Gewinner mit dem SVW, seinen alten Verein auf einem guten Weg: „Sie haben viele Spieler mit großem Potenzial für die Zukunft.“ Als das Gespräch dann auf Ernsts anderen Ex-Verein, den FC Schalke kommt, verfliegt die Zuversicht hörbar. „Auf Schalke ist eine dramatische Entwicklung zu beobachten, die das Produkt der vergangenen zwei Jahre ist“, sagt der 41-Jährige. „Es wurden die falschen Spieler geholt, das Mannschaftsgefüge passt vorne und hinten nicht.“

Für einen Ex-Schalker wie ihn – Ernst absolvierte zwischen 2005 und 2009 insgesamt 146 Pflichtspiele für Königsblau – sei das „traurig zu sehen. Ich weiß ja, wie viel Herzblut in diesen Verein fließt.“ Mit der Vorstellung eines Abstiegs kann sich Ernst deshalb noch nicht anfreunden, „das ist in meinem Kopf noch viel zu abstrakt“. Und ein Fünkchen Hoffnung sei eben auch noch da. „Auch wenn man es sich im Moment leider nur schwer vorstellen kann, wie das noch klappen soll.“

Lesen Sie auch

Oliver Reck

Beim Thema Schalke nennt Oliver Reck augenblicklich zwei Zahlen, „denn damit ist doch alles gesagt, oder?“ Es sind die Zahlen 34 und 1. „Wenn ich von den letzten 34 Ligaspielen nur eines gewonnen habe, wie soll ich da noch an den Klassenerhalt glauben?“ Für den Ex-Torhüter, der von 1998 bis 2004 auf Schalke im Tor stand, ist deshalb klar: „Die Mannschaft darf sich keinen Fehltritt mehr erlauben.“ Ein Sieg gegen Werder könne vielleicht noch einmal neue Euphorie entfachen, richtig überzeugend klingt Reck bei diesem Gedanken aber nicht. Schließlich stehen da ja auch zuletzt deutlich verbesserte Bremer auf dem Platz.

Von 1985 bis 1998 hütete der heute 55-Jährige das Werder-Tor, gewann mit dem Verein fünf Titel, darunter der Europapokal. Damit, dass der Bremer Fußball aus dem Jahr 2021 nicht mehr besonders attraktiv daherkommt, hat Reck übrigens kein Problem: „In Werders Situation zählen nur Punkte und die hat die Mannschaft zuletzt geholt.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+