Taktik-Analyse Auch die Schaaf-Raute bringt keinen Erfolg

Die Rückkehr von Thomas Schaaf auf die Trainerbank bei Werder Bremen war auch die Rückkehr zur Raute. Doch die taktische Umstellung war schon kurz nach Spielbeginn hinfällig.
23.05.2021, 16:08
Lesedauer: 3 Min
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Von Constantin Eckner

Im vorerst letzten Bundesliga-Spiel von Werder Bremen brachte Thomas Schaaf die Rautenformation zurück. Werder nutzt die Vorteile im Gegenpressing gegen Borussia Mönchengladbach nicht entscheidend aus und ließ zugleich die Offensivkräfte der Fohlen zu oft entwischen.

An einem gewiss historischen Nachmittag in der Bremer Fußballgeschichte wollte Thomas Schaaf mit altbekannten Methoden den Abstieg verhindern. Der 60-Jährige veränderte das Spielsystem von Werder – im Vergleich zum 0:2 in Augsburg – von einem 4-3-3 zu einem 4-3-1-2. Damit war also die Rautenformation, mit der Schaaf einst berühmt wurde, zurück im Weserstadion. Der Trainerveteran versuchte mit der daraus resultierenden Mittelfeldkompaktheit, den Spielfluss von Mönchengladbach zu unterbrechen. Besonders wichtig im System waren die Halbspieler Mbom und Schmid sowie der auf der Zehnerposition agierende Leonardo Bittencourt.

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Auf dem Papier war der Ansatz von Schaaf gewiss nachvollziehbar, der Spielverlauf machte dem Interimscoach aber einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund des frühen Führungstors durch Lars Stindl war Werder sehr schnell in Zugzwang und brauchte einige Minuten, um sich zu erholen. Nach knapp einer Viertelstunde eroberte dann Bittencourt einmal den Ball gegen den Gladbacher Ankerspieler Dennis Zakaria und leitete auf subtile Weise eine Bremer Drangphase ein.

Die Raute macht Druck

Den Grün-Weißen gelang es danach bis zur Halbzeitpause immer besser, Balleroberungen gegen Gladbach zu erzwingen. Zumeist lief Werder in einer 4-3-3-Ordnung an, in der sich Bittencourt an Zakaria oder auch gelegentlich an Florian Neuhaus orientierte. Mbom und Schmid schoben entsprechend nach und verengten die Räume. Auch beim Einsammeln zweiter Bälle funktionierte die Raute dem Lehrbuch entsprechend.

Die Großchance durch Davie Selke, die infolge einer schnellen One-Touch-Kombination zustande kam, veranschaulichte eindrücklich, wie Bremen in der Lage war, das eigene Umschaltspiel anzukurbeln. Gladbach gab immer häufiger den Ball aus der Hand und selbst die Ballbesitzanteile glichen sich bis zur Halbzeitpause an, was zu Beginn der Partie nicht unbedingt zu erwarten war.

Werder bekommt Thuram nicht zu fassen

Allerdings zeigten die Fohlen bereits vorm Seitenwechsel vereinzelt, dass sie genau verstanden, wie eine Mittelfeldraute zu bespielen ist. Zum einen bewegte sich Stindl in gewohnter Manier zwischen den Linien und half etwa Zakaria gegen Bittencourt aus. Noch wichtiger war aber die Rolle von Marcus Thuram, der sich ständig in den Räumen zwischen den Bremer Achtern und Innenverteidigern bewegte. Der Franzose driftete vornehmlich nach rechts und attackierte damit Bremens linke Defensivseite, während er gleichzeitig Räume für die nachstoßenden Stindl und Hannes Wolf schuf. Die Abwehr von Werder bekam den 23-Jährigen selten zu fassen.

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Thuram war es dann auch der nach einem Klatschpass von Wolf den zweiten Treffer für die Gäste nach der Halbzeitpause besorgte. Spätestens nach dem 3:0 durch Ramy Bensebaini war die Sache durch. Schaaf hielt an der Grundausrichtung und dem 4-3-1-2 fest und versuchte mit frischem Personal – wie etwa dem umtriebigen Yuya Osako – noch Impulse zu setzen. Bittencourt wurde auf die rechte Halbposition zurückgezogen, um potenziell in den Rücken von Valentino Lazaro zu gelangen.

Zwischen dem 0:3 und der zehnminütigen Schlussoffensive von Werder gelang es den Fohlen jedoch, das Spiel weitestgehend zu kontrollieren, was sich etwa am steigenden Ballbesitzanteil ablesen ließ. Natürlich waren die Bremer bemüht, Balleroberungen zu erzielen, allerdings liefen ihre Versuche häufig ins Leere. Als Gladbach zum Schluss ein wenig unpräziser im Spielaufbau wurde, konnte Werder noch Ergebniskosmetik betreiben. Schaafs anfängliche Herangehensweise an diese Begegnung gegen einen individuell stärkeren Gegner war in Ordnung. Gerade die Mittelfeldkompaktheit zeigte positive Effekte. Allerdings wussten die Fohlen, wie sie eine Mittelfeldraute zu bespielen und gerade ihre flexiblen Spitzen einzusetzen hatten. Das wurde Bremen mit zunehmender Spielzeit zum Verhängnis. Eine Antwort hatte Schaaf in der zweiten Halbzeit nicht parat.

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