Zwischenfazit Werder-Leihspieler: So lief die Saison für Nawrocki, Goller und Co.

Insgesamt acht Talente hat der Zweitligist SV Werder Bremen in der Saison 2021/22 bei anderen Vereinen geparkt. Darunter sind ein Senkrechtstarter, drei Volltreffer und ein strauchelndes Quartett.
31.12.2021, 11:39
Lesedauer: 4 Min
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Von Maik Hanke und Marius Winkelmann

Maik Nawrocki (Legia Warschau)

Die Ausleihe von Maik Nawrocki zu Legia Warschau als turbulent zu bezeichnen, wäre eine absolute Untertreibung. Der Innenverteidiger, der zu den größten Talenten des SV Werder Bremen gezählt werden darf, hat sich beim polnischen Meister schnell zum Stammspieler gemausert, spielte international und schlug in der Europa League sogar den englischen Vertreter Leicester City. Legia denkt bereits darüber nach, Nawrockis Kaufoption zu ziehen, die etwa 1,5 Millionen Euro betragen soll. Heißt: Der Bremer hat sich toll entwickelt.

Doch: In der Ekstraklasa ist Warschau inzwischen heftig abgestürzt, steckt ganz tief im Abstiegskampf, das Chaos greift um sich. Negativer Höhepunkt: Nach einem verlorenen Auswärtsspiel lauerten Hooligans dem Mannschaftsbus bei der Rückkehr am Stadion auf und prügelten auf Spieler ein. Unter den Profis herrscht Angst. „Niemand von uns fühlt sich mehr sicher in Warschau“, wird in polnischen Medien ein Spieler zitiert, der anonym bleiben möchte. Ob das Auswirkungen auf Nawrocki und seine Zukunft hat, ist unklar.

Benjamin Goller (SV Darmstadt 98)

Im Sommer fahndete Werder händeringend nach einem Außenstürmer für das 4-3-3-System des damaligen Trainers Markus Anfang – Benjamin Goller wurde nach einjähriger Ausleihe an den Karlsruher SC aber trotzdem wieder weggeschickt. Zu schlecht waren seine Aussichten auf ein vernünftiges Maß an Spielzeit. Deshalb ging es für den 22-Jährigen per Leihe nach Darmstadt weiter. Beim Bremer Zweitliga-Konkurrenten gehörte Goller in dieser Saison lange zum Stammpersonal, kommt bisher auf zwölf Spiele, zwei Tore und eine Vorlage.

Nach einer Erkrankung ist der Rechtsaußen allerdings aus dem Tritt gekommen. In den letzten fünf Partien kam er nicht zum Einsatz, stand mehrfach nicht im Kader. Dennoch: Die „Lilien“ haben den Kurs Richtung Bundesliga eingeschlagen, sind zur Winterpause Tabellenzweiter. Im Kampf um den Aufstieg in der zweiten Saisonhälfte dürfte Goller noch wichtig werden.

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Luc Ihorst (Eintracht Braunschweig)

In dieser Saison sollte alles besser werden, und zunächst schien es auch so, als könnte das klappen. In der vergangenen Serie war Luc Ihorst beim Zweitliga-Absteiger VfL Osnabrück nach einer Leistenoperation monatelang ausgefallen, der Wechsel zum Drittligisten Eintracht Braunschweig sollte ein Neustart sein. Und der begann vielversprechend. Ihorst schoss an den ersten vier Spieltagen zwei Tore und traf außerdem im DFB-Pokal gegen den HSV.

Doch dann schlug wieder das Verletzungspech zu: Nach einem Muskelfaserriss verpasste der Mittelstürmer fünf Spiele. Besonders bitter: Bei seinem Kurz-Comeback zog er sich nach fünf Minuten dieselbe Verletzung erneut zu und verpasste anschließend noch einmal fünf Partien. Seitdem ist Ihorst nur noch Herausforderer.

Jan-Niklas Beste (SSV Jahn Regensburg)

Es ist eine kuriose Erfolgsgeschichte. Der gelernte Linksverteidiger kommt als Rechtsaußen zum Einsatz – und sorgt auf der neuen Position plötzlich für reichlich Furore. Beim Zweitliga-Überraschungsteam SSV Jahn Regensburg gehört Jan-Niklas Beste in seinem zweiten Leihjahr zu den Leistungsträgern.

Der 22-Jährige kommt auf drei Tore und vier Assists in 14 Liga-Spielen sowie auf zwei DFB-Pokal-Partien mit einem Tor und einer Vorlage. Auch dank seiner starken Schusstechnik ist Beste richtig torgefährlich geworden. Wenn Beste diese Form hält, dürfte sich Werder auf seine Rückkehr 2022 freuen. „Wir sind wirklich sehr zufrieden mit seinem Weg“, erklärte kürzlich Werders Leiter Profi-Fußball Clemens Fritz.

Eduardo Dos Santos Haesler (FC Nordsjaelland) 

Es sollte der nächste, logische Schritt sein in der Laufbahn des 22 Jahren jungen Torhüters. Doch was anfangs wie ein Volltreffer wirkte, hat sich für Eduardo dos Santos Haesler inzwischen zum großen Missverständnis entwickelt. Beim FC Nordsjaelland in der ersten dänischen Liga stand die Bremer Leihgabe an fünf der ersten sechs Liga-Spiele zwischen den Pfosten, dann verlor der Keeper jedoch seinen Stammplatz und gehörte zuletzt nicht einmal mehr dem Kader an.

„Dudu hat die Erwartungen nicht erfüllt“, sagte Trainer Flemming Pedersen im Oktober. „Er hat es nicht geschafft, sich so zu entwickeln, wie wir es erwartet haben.“ Nach einem guten Debüt hatte Nordsjaelland mit Dos Santos Haesler im Tor vier Niederlagen und elf Gegentore kassiert. Der Club ist Drittletzter.

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Kebba Badjie (Hallescher FC)

Aus der U23 ist er herausgewachsen, den Profi-Vertrag hat er schon unterschrieben, für Werders erste Mannschaft reichte es allerdings noch nicht. Also: Zeit für eine Leihe. Kebba Badjies Ziel wurde der Hallesche FC in der 3. Liga. Zwischenfazit zur Winterpause: Es läuft ziemlich durchwachsen.

Der 22-jährige Angreifer kommt nach seiner Oberschenkelverletzung zu Beginn der Saison nun zwar regelmäßig zum Einsatz, wird aber meistens ein- oder ausgewechselt. Die Konstanz fehlt, die Erfolgserlebnisse auch. In 13 Spielen legte er erst ein Tor auf und schoss noch keines selbst. Eine enttäuschende Bilanz für den pfeilschnellen Stürmer. In der Liga kämpft Halle gegen den Abstieg, liegt aktuell auf Platz 14, drei Punkte vor der Abstiegszone.

Yannik Engelhardt (SC Freiburg II)

Im Sommer unterschrieb er bei Werder seinen ersten Profi-Vertrag und wurde umgehend verliehen: Beim SC Freiburg II soll Yannik Engelhardt in der 3. Liga Spielpraxis sammeln, die er wegen der Corona-Pandemie zuletzt bei Werders U 23 in der Regionalliga nicht hatte bekommen können.

Seine Leihe ist als klassischer Zwischenschritt gedacht – und der Plan könnte aufgehen: Der 20-jährige defensive Mittelfeldspieler ist absolute Stammkraft, bestreitet fast alle Spiele über die volle Distanz. Seine Bilanz: 19 Spiele, ein Tor, zwei Vorlagen. In der Tabelle liegen die Freiburger auf Rang zwölf.

Johan Mina (GD Estoril Praia)

Das Ziel war klar: Endlich wieder Spielpraxis sammeln. Seit Ende 2018 hatte Johan Mina kein Pflichtspiel auf Vereinsebene mehr bestritten, bei Werder war es aus verschiedenen Gründen (Sprache, Physis, fehlende Spielerlaubnis) auch mit der Integration schwierig. Nun also ein Jahr Portugal, doch die Leihe an GD Estoril Praia läuft bisher auch eher mittelprächtig.

Mina kam im ersten halben Jahr nur in der U23 zum Einsatz, und das auch nicht besonders oft. Meist wird der 19-jährige Ecuadorianer eingewechselt, bei zwei seiner drei Startelf-Einsätze musste er bereits zur Pause wieder vom Feld. Insgesamt stehen in acht Auftritten (von zwölf möglichen) nur 230 Minuten Spielzeit für Mina zu Buche.

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