Torwart-Votum bei Werder Wie Michael Zetterer mit der Entscheidung für Pavlenka umgeht

Jiri Pavlenka ist beim SV Werder Bremen wieder die Nummer 1 zwischen den Torpfosten. Wie Michael Zetterer mit dieser Entscheidung umgeht, berichtet Torwarttrainer Christian Vander.
01.11.2021, 19:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniel Cottäus

Es gibt da dieses Foto von Michael Zetterer, aufgenommen am 23. Juli dieses Jahres, und aus heutiger Perspektive liefert es einen ziemlich guten Eindruck davon, wie enttäuscht der Torhüter gerade sein muss. Das inzwischen gut drei Monate alte Motiv zeigt Zetterer beim Gang vom Parkplatz in Richtung Kabine. Er lächelt breit, hat den Daumen seiner rechten Hand nach oben gestreckt und trägt einen grauen Pullover mit der Aufschrift: „I‘m just a kid with a dream“. Ein Kind mit einem Traum. Was damals sehr, sehr passend war. Schließlich hatte ihn Werder-Trainer Markus Anfang beinahe zeitgleich bis auf Weiteres zum Bremer Stammtorhüter gemacht und damit Zetterers großen Traum in Erfüllung gehen lassen.

Zwölf Pflichtspiele – länger sollte dieser Traum in der Folge allerdings nicht währen, ehe er am Wochenende zerplatzte. Denn seit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli ist Jiri Pavlenka wieder Werders Nummer 1. „Natürlich war das ein heftiger Schlag für Zetti. Er ist total geknickt, und das kann ich auch gut nachvollziehen“, sagt Torwarttrainer Christian Vander, der maßgeblich an der Entscheidung beteiligt war.

Am Samstagvormittag, kurz vor dem Spiel, hatte Vander gemeinsam mit Cheftrainer Anfang das Gespräch mit Zetterer geführt, das für den 26-Jährigen einen denkbar schlechten Ausgang haben sollte. Obwohl er sich in seinen Einsätzen bis dato nichts hatte zu Schulden kommen lassen, war Zetterer seinen noch frischen Status als Nummer 1 schon wieder los. Urplötzlich. So muss ihm das jedenfalls vorgekommen sein. Was nun natürlich die Frage aufwirft, wie er mit der neuen Situation umgeht. „Er muss jetzt das Beste daraus machen“, fordert Vander – und schiebt sofort hinterher: „Ich versuche ihm dabei natürlich so gut es geht zu helfen.“

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Dem Torwarttrainer ist sehr wohl bewusst, dass es eine extrem harte Entscheidung war, die er da gemeinsam mit Anfang getroffen hat. Auch er nennt Pavlenkas größere „Ruhe und Erfahrung“ als Grund für den Wechsel, womit in eine zuletzt verunsicherte Mannschaft etwas mehr Stabilität gebracht werden sollte. An Zetterer selbst habe es nicht gelegen. „Wir sind weiterhin absolut überzeugt von ihm und glauben, dass er ein Top-Torwart auf Bundesliga-Niveau sein kann“, sagt Vander. An vielen anderen Standorten hätte es den Gedanken zum Torhüterwechsel jedenfalls gar nicht erst gegeben.

Bei Werder schon. „Weil wir hier noch jemanden haben, der keine klare Nummer zwei ist“, sagt Vander mit Blick auf Pavlenka, der in Bremen seit 2017 Stammkraft gewesen war und zudem dem Kader der tschechischen Nationalmannschaft angehört. Gegenüber Zetterer sei stets offen und ehrlich kommuniziert worden, „dass wir keinen Torhüter dahinter haben, sondern einen daneben“. Und der ist nun, nach auskurierter Verletzung und ein paar Spieltagen als Ersatzmann, eben wieder einen Schritt vorgerückt.

Wie bitter das für Zetterer sein muss, kann Sebastian Mielitz bestens nachvollziehen. Schließlich war er vor acht Jahren bei Werder in einer ganz ähnlichen Situation. In der Saison 2013/2014, Trainer war damals Robin Dutt, verlor der Torhüter ebenfalls früh in der Saison seinen Stammplatz. Nach 13 Spieltagen wurde er von Raphael Wolf abgelöst und kehrte nicht mehr zurück. „So etwas ist für einen Torhüter immer hart und schwer zu begreifen. Deswegen tut es mir wirklich leid für Zetterer“, sagt Mielitz, der immerhin während der Spielzeit 2012/2013 durchgehend Werders Nummer eins gewesen war und im aktuellen Fall ebenfalls keine Fehler bei Zetterer sieht: „Er hat seine Sache ordentlich gemacht.“ Nun, so rät es der 32-Jährige, der heute beim Drittligisten Viktoria Köln unter Vertrag steht und dort gerade einen Syndesmosebandriss auskuriert, müsse Zetterer „die Situation genau beobachten und im Sommer entscheiden, was für ihn das Beste ist“. Mielitz entschied sich damals übrigens für den Abschied, wechselte 2014 ablösefrei zum SC Freiburg.

Im aktuellen Fall ist die Ausgangslage aber durchaus kompliziert. Schließlich hatte Zetterer seinen Vertrag bei der Rückkehr aus Zwolle zu Jahresbeginn erst langfristig verlängert und galt spätestens seit dem Saisonbeginn als Werders Mann für die Zukunft. Pavlenkas Kontrakt läuft hingegen im kommenden Sommer aus, die Gespräche über eine mögliche Verlängerung stockten zuletzt, weil der Keeper eben nicht spielte. Und jetzt? Hat sich die Ausgangslage definitiv verändert, dürfte es also bald wieder eine Annäherung zwischen Spielerseite und Verein geben.

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„Lasst uns noch ein bisschen Zeit, dann können wir in zwei Wochen nochmal drüber sprechen“, sagt Werders Leiter Profi-Fußball Clemens Fritz, der übrigens davon ausgeht, dass Zetterer seine Demission professionell wegstecken wird. „Er ist ein super Typ und ein super Torhüter, aber im Fußball läuft eben nicht immer alles in eine Richtung. Es gibt auch Negativerlebnisse.“ Zetterer müsse trotzdem weiter an seine Chance glauben, so wie er es immer, auch nach seinen Handverletzungen gemacht habe. Ob er diese Chance aber weiter bei Werder sieht, ist sehr fraglich.

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