Für die 1. Liga Werner will die Werder-Profis körperlich auf Vordermann bringen

Um in der 1. Bundesliga konkurrenzfähig zu sein, spiele die körperliche Fitness der Akteure eine besondere Rolle, betont Werder-Coach Werner zu Beginn der Saisonvorbereitung. Wie der Trainingsstart lief.
22.06.2022, 20:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Malte Bürger

Sie sind zurück. Aus der Sommerpause und in der Bundesliga. Und damit die Profis des SV Werder Bremen nicht nur der Bezeichnung nach wieder erstklassig sind, hat Coach Ole Werner in den kommenden Wochen einiges vor. Auf eine simple Zuschauerrolle bei der Rückkehr ins deutsche Fußball-Oberhaus kann der 34-Jährige nämlich gut verzichten. „Wir wollen nicht nur dabei sein“, betonte er zum offiziellen Trainingsstart am Mittwoch, „sondern auch unter Beweis stellen, dass wir mithalten und erfolgreich sein können.“

Werner selbst betritt dabei Neuland. Erstmals in seiner Karriere genießt er das Privileg, einen der 18 begehrten Jobs an der Seitenlinie eines Erstligisten zu bekleiden. „Nervosität gibt es nicht, aber es ist auch kein ,business as usual‘“, räumte er ein, „schließlich ist es auch für mich eine komplett neue Liga“. Und das verändert auch seine bisherigen Gewohnheiten. „Es kommen Mannschaften auf einen zu, die man noch nicht kennt und mit denen man sich jetzt ausführlicher beschäftigen muss.“ Seine jahrelang gesammelte Expertise über die anderen Clubs aus Liga zwei ist momentan nicht mehr ganz so viel wert, weil Werders Kontrahenten künftig wieder Bayern München, Borussia Dortmund oder SC Freiburg heißen. Namen, die interessante Wochenenden versprechen – aber auch schwierige Aufgaben. „Eine neue Liga hat immer etwas Besonderes. Ich freue mich, mit Werder Bremen diese Herausforderung erste Liga anzugehen."

Und an der Weser tun sie das mit der eindeutigen Ausgangslage eines Außenseiters. Daran ändert auch eine jahrelange Tradition in der Beletage mit gut gefüllter Trophäensammlung nichts. „Wir sind Aufsteiger. Die Rolle ist daher relativ klar", betonte Werner. „Von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen her gehören wir eher zu den Kleinen in der Liga, das sollte auch den realistischen Rahmen der Erwartungen stecken.“ Der Schatten der Großen dürfe dabei dennoch kein angsteinflößender sein. Dafür will Ole Werner sorgen. „Auch wenn wir auf stärkere Gegner treffen, wollen wir versuchen, mutig zu sein“, kündigte er an. „Ich werde jedenfalls in der Vorbereitung nicht tausend Mal betonen, dass wir Aufsteiger sind, sondern wir kümmern uns um unsere Themen.“ Und die sind vielseitig. „Wir wollen festlegen, wie wir auf dem Platz zusammenarbeiten und wie unser Fußball aussehen soll“, schilderte Werner und lieferte eine kleine Antwort gleich mit. „Unser Fußball soll nach Möglichkeit auch viele Elemente aus dem letzten Jahr beinhalten – selbst wenn wir gewisse Dinge an die Liga und die individuelle Qualität der Gegner anpassen müssen.“

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Den Akteuren auf dem Platz blüht in der Tat noch mehr Stress als zuletzt. Im Vergleich zur zweiten Liga bietet sich eine Klasse höher meist weniger Platz auf dem Rasen, um die eigenen Aktionen durchzubringen. Zeitgleich ist das Tempo höher, die Zeit zum Reagieren auf den Gegner umso kürzer. Fehler, die logischerweise nie gänzlich vermeidbar sind, werden noch seltener verziehen. Da hilft eine entsprechend niedrige Quote. Ole Werner muss mit seiner Mannschaft also das kleine Kunststück vollbringen, das gesamte Niveau im Team spürbar anzuheben. Vorerst noch ohne, später mit weiteren Transfers.

Ein entscheidender Faktor soll die Fitness der Akteure sein. „Wir werden körperlich und im läuferischen Bereich noch einmal auf einem ganz anderen Level gefordert als in der zweiten Liga“, prognostizierte der Chefcoach. „Wir hatten in der zweiten Liga extrem viel Spielkontrolle, den Ball sehr häufig bei uns. Es macht aber wenig Sinn, sich am letzten Jahr zu orientieren, weil das Spiel ein anderes und unsere Rolle eine andere sein wird. Insofern tun wir gut daran, eine gute Intensität in unseren Einheiten zu haben, um uns auf das Tempo, das ab August auf uns wartet, vorzubereiten.“

Zumal die Geschwindigkeit gleich im doppelten Sinne von Bedeutung ist. Was an der außergewöhnlichen Fußball-Weltmeisterschaft in Katar liegt, die nicht in diesem Sommer, sondern witterungsbedingt erst im November und Dezember ausgetragen wird. Noch während der ersten Saisonhälfte gibt es so eine rund zweimonatige Bundesliga-Auszeit – und vorher 15 Spieltage Schwerstarbeit. „Die WM spielt für die jetzige Vorbereitung keine ganz so große Rolle. Die hätte nicht anders ausgesehen, als wenn da eine normale Winterpause folgen würde“, meinte Werner. „Wichtig ist sie in der Hinsicht, dass wir jetzt einen gewissen Grundstock legen müssen, um gut aus den Startlöchern zu kommen. Bis November hat man schließlich fast schon die halbe Saison gespielt und vorher aufgrund von nur einer Länderspielpause kaum noch die Chance, gewisse Dinge aufzuarbeiten.“

Werder will und muss also gleich von Beginn an funktionieren. Die ersten vier Gegner in der Liga heißen VfL Wolfsburg, VfB Stuttgart, Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt. Ein alles andere als einfaches Auftaktprogramm. Aber was ist für den SV Werder in der neuen Saison schon einfach? Am Ende wird es – wie so oft – an den Bremern selbst liegen, ob das Saisonziel Klassenerhalt wirklich ein realistisches ist. Auch deshalb wird Ole Werner die Profis in den kommenden Wochen schwer schuften lassen. Oder wie er es selbst unmissverständlich ausdrückt: „Wir werden körperlich gut sein müssen, um konkurrenzfähig zu sein.“  

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