Industrie BDI: Energieversorgung hängt nicht von Nord Stream 2 ab

Die deutsche Industrie macht sich wegen der Gasimporte aus Russland zunächst keine großen Sorgen. Russland habe bislang immer geliefert. Ersatz wäre aber nicht ohne weiteres zu bekommen.
29.01.2022, 13:31
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Berlin (dpa) - Die deutsche Wirtschaft ist nach Ansicht von Industriepräsident Siegfried Russwurm nicht unbedingt auf Erdgas aus der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 angewiesen.

„Deutschland braucht eine sichere Energieversorgung. Die hängt aber nicht an einer einzelnen Pipeline, auch nicht an Nord Stream 2“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) der Funke-Mediengruppe (Samstag).

Deutschland beziehe mehr als 50 Prozent seines Gases aus Russland. „Es wäre sicherlich nicht leicht, diesen Anteil kurzfristig komplett oder zu großen Teilen zu ersetzen“, fügte er mit Blick auf den Ukraine-Konflikt hinzu. Deutschland hat sich nach seiner Einschätzung aber nicht zu sehr von russischen Energielieferungen abhängig gemacht. „Russland hat bislang immer geliefert, auch in diesem Winter“, sagte Russwurm. „Gas größtenteils von dort zu beziehen war kein Vabanquespiel, sondern zuverlässig und günstig.“ Jetzt stelle sich allerdings die Frage nach stärkerer Verteilung der Importe.

Nach Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), über die die „Welt am Sonntag“ berichtet, hatte Russland im Jahr 2020 einen Anteil von 34 Prozent an den deutschen Erdölimporten. Bezogen auf den deutschen Verbrauch betrug der Anteil russischer Erdgas-Lieferungen demzufolge knapp über 50 Prozent. Die Steinkohle-Importe stammten zu 45 Prozent aus Russland.

Vollständiger Ersatz „schwierig bis unmöglich“

„Energierohstoffe in dieser Größenordnung lassen sich nicht kurzfristig substituieren“, sagte der Energieexperte der BGR, Martin Pein, der Zeitung. „Eine Marktstellung, wie sie Russland bei Kohle, Gas und Öl hat, schnell und vollständig zu ersetzen, ist äußerst schwierig bis unmöglich.“ Ähnlich äußerte sich Hubertus Bardt, Leiter Wissenschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln): „Die Möglichkeiten der Substitution von Gas durch andere Energieträger sind beschränkt.“ Das sei bestenfalls in kleinen Teilen der Stromproduktion möglich.

Unabhängig von der aktuellen Sorge um die Versorgungssicherheit verlangte BDI-Präsident Russwurm erneut eine drastische Senkung der Strompreise. „Akuter Handlungsbedarf besteht in der Belastung durch Netzentgelte und die Stromsteuer. Daher müssen diese deutlich abgesenkt werden“, sagte er den Funke-Zeitungen. Mit der von der Bundesregierung geplanten Abschaffung der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz allein würden die Unternehmen noch nicht an einen global wettbewerbsfähigen Strompreis herankommen. Als sinnvoll bezeichnete er einen Strompreis von vier Cent pro Kilowattstunde.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) forderte die Abschaffung der EEG-Umlage bereits in diesem Jahr und nicht erst 2023. „Aus unserer Sicht ist das zu spät“, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstag). Gerade für mittelständische Betriebe der Branche sei der derzeitige Kostenanstieg existenziell bedrohlich.

© dpa-infocom, dpa:220129-99-897412/2

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