Maritimes Zentrum im Fischereihafen Mehr Digitalisierung in den Bremischen Häfen

Wie neue Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz helfen können, Hafenabläufe zu optimieren, das will Häfensenatorin Claudia Schilling bündeln und fördern.
29.01.2021, 05:00
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Mehr Digitalisierung in den Bremischen Häfen
Von Peter Hanuschke

Wie können Hafenabläufe optimiert werden? Welche Rolle spielen dabei Digitalisierung und Künstliche Intelligenz? Mit diesen Fragen beschäftigen sich bereits ein paar private Initiativen, Unternehmen und auch wissenschaftliche Einrichtungen. Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) will diese verschiedenen Akteure bündeln, vernetzen und daraus einen Themen- und Handlungsschwerpunkt für die bremischen Häfen für die nächsten Jahre machen.

Gut denkbar ist aus Sicht der Senatorin, mittelfristig die Innovations- und sogenannte Smart-Port-Orientierung mit aktuellen Überlegungen zur Etablierung eines Zentrums für maritime Technologie und Meeresforschung unter Nutzung eines alten Hafenbeckens zu kombinieren. Denn daraus ergäbe sich die Möglichkeit, im Bremerhavener Fischereihafen mit seinen alten Hafenbecken und unter Einbindung der dort bereits etablierten Forschungslandschaft wie etwa dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dem Thünen Institut, dem Alfred-Wegener-Institut und dem Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik sowie der Hafen- und Werftenindustrie das Cluster „Maritime Wirtschaft/Logistik“ des Landes weiter zu profilieren.

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Claudia Schilling versteht ihren Vorschlag als Startschuss. In der nächsten Hafenausschussitzung im Februar will sie ihn vorstellen und auf den Weg bringen. Der Aufbau und die Entwicklung einer hafenbezogenen Innovations- und Smart-Port-Strategie erfordert laut der Vorlage zunächst weitergehende Untersuchungen. Danach ist unter anderem eine sogenannte SWOT-Analyse notwendig. SWOT ist die Abkürzung für strengths, weakness, opportunities und threats und steht für eine Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse der eigenen Aktivitäten gegenüber dem Wettbewerb. Auf dieser Basis soll ein gezieltes Innovations- und Smart-Port-Konzept entwickelt werden.

Außerdem sollen unter anderem Förderinstrumente zur Unterstützung der Hafen- und Logistikwirtschaft in deren Innovationsorientierung geschaffen werden. Ziel ist auch, die Innovations- und Smart-Port-Ansätze in den Prozess zur Weiterentwicklung des Bremischen Hafenkonzeptes zu integrieren. Darüberhinaus soll ein Hafen-Innovationsnetzwerk gegebenenfalls in Verbindung mit bestehenden Strukturen anderer Ressorts sowie der bremischen Hochschul- und Forschungslandschaft integriert werden.

Finanzierung über Sondervermögen Hafen

Ganz konkret geht es beispielsweise um die exemplarische Prüfung von Verkehrssteuerungsoptimierungen auf der Weser in Zusammenarbeit mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, den Bremerhavener Terminalbetreibern und dem bestehenden Vessel-Coordination-Center an der Elbe. Für die im ersten Schritt anstehenden Untersuchungen rechnet das Häfenressort mit einem Aufwand von etwa 150.000 Euro. Die Finanzierung soll über das Sondervermögen Hafen erfolgen.

Das Häfenressort bezieht sich bei seinem Vorschlag auf das Koalitionspapier. Darin heißt es, dass Bremen auch in Zukunft der innovative und nachhaltige Motor bleiben soll, um sich im verschärfenden globalen Wettbewerb wettbewerbsfähig zu halten. Ziel sei die Einrichtung eines „Centers für Smart Port Solutions“.

„Die Themen Digitalisierung und Innovation bekommen auch in den bremischen Häfen eine immer größere Bedeutung, so dass wir es für die kommenden Jahre zu einem Themen- und Handlungsschwerpunkt machen wollen“, sagt Senatorin Schilling. „Mit der Erstellung eines Smart-Port-Konzeptes wollen wir die Grundlage für zukünftige technologische Entwicklungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Big Data legen.“ Nur so könne es gelingen, die bremischen Häfen auch perspektivisch wettbewerbsfähig weiterzuentwickeln.

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Gerade als sogenannter Landlord Port, wo die Hafeninfrastruktur im öffentlichem Eigentum liegt, komme Bremen eine besondere Rolle bei diesem Innovationsprozess zu. Wie in anderen Landlord Ports sei auch in den bremischen Häfen zu beobachten, dass das öffentliche Hafenmanagement durch die Entwicklung und Verfolgung eigener Innovations- oder Smart-Port-Strategien schrittweise seinen ureigenen Aufgabenbereich verändere und erweitere, heißt es aus dem Häfenressort. Insofern sei die stadtbremische Hafenmanagementgesellschaft Bremenports längst nicht mehr nur für die Bereitstellung der Infrastruktur zuständig. Das drücke sich unter anderem in der Gestaltung der organisatorischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen, der Gebührenfestsetzung und der gezielten Weiterentwicklung des öffentlichen Hafenmanagements aus.

An den Start ging Bremenports 2002. Bremenports war der Nachfolger für das Hanseatische Bremische Hafenamt, das 40 Jahre lang für die Hafeninfrastruktur verantwortlich war. Damit war Bremenports die erste privatwirtschaftlich strukturierte Hafenverwaltung Deutschlands.

Eigene Innovationsstrategien entwickeln

Häfen und Hafenstandorte müssten stets prüfen und abwägen, welche neuen Themenfelder entstehen und sich entsprechend auch in den organisatorisch-administrativen Strukturen wiederfinden sollten, heißt es in der Vorlage für die Hafenausschussmitglieder. Ein Trend der zurückliegenden Jahre bestehe darin, dass sich viele Häfen der Welt gezielt den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung und Innovation stellten und dazu aus eigener Kraft und sehr häufig mit Partnern eigene Innovationsstrategien entwickeln, die den Hafen mit allen öffentlichen und privaten Funktionen ebenso wie die vor- und nachgelagerten Verkehre umfassen. Nicht selten werde dabei das bestehende maritime Netzwerk des jeweiligen Hafenstandortes aktiv eingebunden und gezielt gefördert. In allen Fällen ist zu beobachten, dass zusätzliche Ressourcen mobilisiert werden, um die für das öffentliche Hafenmanagement vergleichsweise neuen Themen überhaupt verfolgen zu können.

Dabei verlasse das öffentliche Hafenmanagement durch die Entwicklung eigener Innovationsstrategien seinen ureigenen Aufgabenbereich und greife in die Verantwortung anderer Institutionen und Organisationen wie Schifffahrtsverwaltungen, Transportunternehmen, Logistiker und Terminalbetreiber ein beziehungsweise bearbeite eher marktwirtschaftlich orientierte Aufgabenstellungen, so das Häfenressort. In Einzelfällen führe das zu kontroversen Debatten über die Rollen und Aufgaben des öffentlichen Hafenmanagements. Doch angesichts der rasant zunehmenden Verbreitung innovationsgetriebener Aktivitäten bei öffentlichen Hafengesellschaften als Innovatoren sei fest davon auszugehen, dass dieser Trend anhalten und sich weiter verfestigen werde.

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