14 neue Stadtteilfilialen Sparkasse krempelt Filialkonzept um

Die Sparkasse Bremen wird ihr Filialkonzept völlig neu gestalten. Dazu wird sie in den kommenden Jahren bis zu 14 neue Stadtteilfilialen schaffen.
30.03.2017, 18:52
Lesedauer: 4 Min
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Von Florian Schwiergershausen

Die Sparkasse Bremen wird ihr Filialkonzept völlig neu gestalten. Dazu wird sie in den kommenden Jahren bis zu 14 neue Stadtteilfilialen schaffen.

Die Sparkasse Bremen will ihr Filialkonzept völlig neu gestalten. Dazu wird sie in den kommenden Jahren bis zu 14 neue Stadtteilfilialen schaffen. Dort soll es eher wie im Wohnzimmer oder am Esstisch zugehen als am Schreibtisch. Das verkündete Tim Nesemann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, am Donnerstag. Dererste Standort für dieses neue Konzept wird in der Bremer Neustadt an der Pappelstraße sein, und zwar in den Räumen der früheren Filiale der Deutschen Bank. Die Sparkassen-Zweigstelle an der Pappelstraße schräg gegenüber wird erhalten bleiben. Doch dort wird sich auch einiges entsprechend der neuen Strategie ändern. Denn in Zweigstellen wird die Sparkasse nur noch alles rund um den täglichen Bankbedarf anbieten.

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Beratung zu Krediten und anderen Finanzprodukten gibt es dann nur noch in den Stadtteilfilialen. Sie sollen wohnlich eingerichtet und zum Treffpunkt für alle im Stadtteil werden. „Wir können dort Smartphone-Kurse anbieten für Menschen, die bisher kein Online-Banking gemacht haben. Aber ebenso können dort Vereine aus dem Stadtteil Kurse zu verschiedenen Themen veranstalten“, erläuterte Sparkassen-Vorstandsmitglied Thomas Fürst das neue Konzept. „Oder Handwerker aus dem Stadtteil können sich dort für eine bestimmte Zeit präsentieren.“

Konzept kommt aus den USA

Wichtig sei für die neuen Stadtteilfilialen, dass sie in Reichweite der bisherigen Zweigstellen sind. Sie sollen sich gegenseitig ergänzen. Schließungen seien vorerst nicht geplant, allerdings sollen einige bestehende Filialen zu entsprechenden Stadtteilfilialen umgebaut werden. Das Konzept stammt aus den USA, in Deutschland hat bisher die Hamburger Sparkasse ähnliche Pläne. In Bremen sollen die Mitarbeiter über Möbelausstattung und Farben mitentscheiden.

„Sie kennen die Kunden vor Ort am besten, und wissen, was ihnen gefallen würde“, sagte der Vorstandsvorsitzender Tim Nesemann. Damit es mehr Wohnzimmer-Atmosphäre hat, überlegt der Vorstand außerdem, wie zeitgemäß die momentane Kleiderordnung noch ist. Künftig sollen die Mitarbeiter womöglich selbst entscheiden, ob sie beispielsweise auf eine Krawatte verzichten möchten. Konkrete Pläne gibt es dazu aber bisher noch nicht.

Zweigstellen weiterhin mit Mitarbeitern

Die Zweigstellen wiederum sollen keine reinen SB-Filialen werden. Dort soll es auch weiterhin Mitarbeiter geben. „Dabei geht es auch um das subjektive Sicherheitsgefühl: Die Kunden fühlen sich einfach besser, wenn im Hintergrund auch jemand arbeitet, während man Geld zieht“, erklärt Sparkassen-Vorstand Fürst. Entsprechend sei in Zusammenhang mit dem neuen Konzept nicht geplant, Filialen zu schließen.

Neben dieser Neugestaltung nimmt auch langsam derUmzug der Sparkassen-Zentrale vom Brill in den Technologiepark der Universität neue Formen an. Das neue Gebäude soll an der Universitätsallee, Ecke Autobahnzubringer auf 7200 Quadratmetern entstehen. Platz ist für 600 Mitarbeiter vorgesehen, dazu Vorstandsbüros und Konferenzräume.

Im Herbst soll ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, in einem Jahr dann dem Wirtschaftsverein der Sparkasse die Pläne vorgestellt werden. Sie sehen bislang vor, dass bis 2020 alles fertig sein wird. Der Vorstandsvorsitzende Nesemann betonte: „Dabei haben wir die Bremer Politik mit im Boot. Die Stadt wird uns bei unseren Plänen unterstützen.“ Einige Politiker reagierten im Herbst leicht angesäuert, weil sie von den Plänen erst aus dem WESER-KURIER erfahren hatten.

Umbau der Sparkasse zum Finanzvermittler

Was Nesemann außerdem mit der Sparkasse vorhat: Er will das Unternehmen zum Finanzvermittler ausbauen. Das bedeutet, die Bank will weg von eigenen Produkten hin zu Produkten, die am Markt angeboten werden. „Die Margen sinken immer mehr, und langfristig werden Finanzportale gewinnen, weil die Kunden immer häufiger im Internet kaufen werden“, so Nesemann. Was diesen Umbau angeht, sagt er: „Am Ende dieses Transformationsprozesses können alle Kunden bei uns aus den Finanzprodukten am Markt die für sie geeigneten auswählen – wie bei einem Portal.“

Bei der Immobilienfinanzierung werde dies zuerst eingeführt, Lösungen für Versicherungen, Ratenkredite und Wertpapiere werden folgen. Bei dieser Strategie hat derVorstand die kommenden zehn bis 20 Jahre im Blick. „Unsere Konkurrenz werden dann nicht mehr unsere momentanen Mitbewerber sein, unsere Konkurrenz wird dann Google & Co sein“, sagte Nesemann.

Doch durch die riesige Auswahl, die es im Internet gibt, steige auch derBeratungsbedarf. „Der Kunde hat dadurch zunehmend das Bedürfnis, an die Hand genommen zu werden.“ Dieser Bedarf solle mit den neuen Stadtteilfilialen geschlossen werden – nach dem Motto: Global suchen, aber sich lokal vor Ort beraten lassen.

Keine Gebühren am Geldautomaten

Eine weitere Stadtteilfiliale ist dieses Jahr in Vegesack geplant. 2018 soll als weiterer Standort das Mühlenviertel in Horn dazukommen – in einem Neubau. Damit will die Sparkasse auch neue Kunden gewinnen. „Bisher kommt nur jeder zweite Bremer zu uns“, so Nesemann. Das solle sich ändern. Deshalb werden die Gebühren für Girokonten auch nicht erhöht. Auch Gebühren für das Barabheben an eigenen Automaten werde es nicht geben. Andere Banken in der Region – wie die Kreissparkasse Verden – haben eine solche Gebühr bereits 2016 eingeführt.

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