Kosten müssen reduziert werden

Terminalbetreiber Eurogate macht Millionenverlust

Ein Verlust von 23 Millionen Euro belastet Terminalbetreiber Eurogate. Schon vor Corona gab es Sparpläne. Nun ist die Situation noch dramatischer, wie aus einem Video der Geschäftsführung hervorgeht.
08.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Lisa Boekhoff und Florian Schwiegershausen

Das Video ist eigentlich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gedacht. Die Hiobsbotschaften dringen dann aber doch an die Öffentlichkeit. Terminalbetreiber Eurogate sieht sich dazu gezwungen, in den nächsten Jahren einen Sparkurs einzuschlagen. Es sollen spätestens bis zum Jahr 2024 die jährlichen Gesamtkosten um 84 Millionen Euro gesenkt werden. Im Unternehmen, das auf den Containerumschlag in Seehäfen spezialisiert ist, sollen nun alle Bereiche angeschaut werden. In den ersten sechs Monaten blieb unterm Strich ein Minus in Höhe von 23 Millionen Euro.

Das alles geht aus dem Video an die Belegschaft hervor, das dem NDR zugespielt wurde und am Freitag dann auch bei Radio Bremen zu sehen war. „Der Preiskampf im Markt und gleichzeitig steigende Betriebskosten führen dazu, dass wir heute im Betrieb kein Geld mehr verdienen“, führte Michael Blach darin aus. Der Vorsitzende der Geschäftsführung wies auf die im Vergleich zu Antwerpen und Rotterdam geringere Produktivität an den Standorten in Bremerhaven, Wilhelmshaven oder Hamburg hin. Während die Konkurrenz in den vergangenen Jahren deutlich an Volumen gewonnen habe, verloren die deutschen Seehäfen in dieser Zeit an Umschlag. Schon vor Corona habe es den Beschluss für ein „umfassendes Transformationsprojekt“ im Unternehmen gegeben. Eurogate habe gegenüber den Häfen erheblich an Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Sparen in allen Bereichen

Sein Kollege Thomas Eckelmann kündigte im Anschluss den Sparkurs in allen Bereichen an. Nicht nur im Betrieb müsse Eurogate „schneller und billiger“ werden, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung. Es müsse sich dringend grundlegend etwas ändern. Am Ende gehe es auch darum, weiter Investitionen tätigen zu können, um konkurrenzfähig zu sein. 18 Monate sind für die Transformation derzeit angesetzt. Um die Aufgabe zu bewältigen, ist ein Team von acht Kollegen unter Leitung des Managers Thorsten Schütt eingesetzt, die Prozesse zu begleiten und zu kontrollieren. Von einem Stellenabbau ist im Video keine Rede. Für ein Gespräch und Nachfragen war die Geschäftsführung am Freitag nicht zu erreichen.

Seit Anfang des Jahres – schon vor Corona und den Auswirkungen der Pandemie auf die Lieferketten – sind die Unternehmensberater von McKinsey bei Eurogate im Haus. Die Ergebnisse der Untersuchungen stellte Blach im Video vor: Während Containerbrücken in Antwerpen im Durchschnitt 30 bis 32 Bewegungen pro Stunde schafften, seien es bei Eurogate 20 bis 25 Bewegungen – trotz höherer Kosten und mehr Personal im Einsatz. „Die Zahlen sind alarmierend.“

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Die Transformation läuft seit Mai. Corona verschärft die Probleme. Nach Vorhersagen sei davon auszugehen, dass man bis 2022 weitere Mengen verliere, führte Blach aus. „Wir befinden uns also in einer handfesten Krise. Und diese Krise ist für uns sehr gefährlich.“ Die in der Vergangenheit entstandenen Allianzen der Reedereien erschweren die Position der Terminalbetreiber in den Verhandlungen, weil ihre Macht immer größer geworden ist.

Eurogate ist ein Tochterunternehmen der Bremer BLG und Eurokai – zu je 50 Prozent. Zwar verzeichnet der Terminalbetreiber mit Standorten auch in Marokko, Portugal oder Italien weiter viel Umschlag. Das Problem soll aber die Effizienz sein, weil die Margen gesunken sind und die Personalkosten im Vergleich zur Konkurrenz in Antwerpen oder Rotterdam hoch sind. Dort gibt es einen hohen Grad an Automatisierung.

Vor zwei Jahren konnte sich der Bremer Hafenausschuss davon selbst überzeugen: In Rotterdam beobachtete die Delegation auf der künstlich in die Nordsee gebauten Insel Maasvlakte 2, wie Mitarbeiter dort vom Gebäude aus per Joystick die digitale Infrastruktur im Hafen bedienen.

Ergebnisoffene Gespräche mit Hamburger Hafen und Logistik AG

Eurogates Sparpläne werden nun zu einem Zeitpunkt öffentlich, an dem man sich mit der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) im Austausch über eine Kooperation befindet. Thomas Eckelmann betont am Schluss des fast acht minütigen Videos aber: Diese Gespräche seien ganz am Anfang und würden „komplett ergebnisoffen“ geführt. Gerade vor diesem Hintergrund sei bei der Transformation aber „Eile geboten“. Denn Eurogate wolle in den Gesprächen mit der HHLA, die man vor langer Zeit selbst initiiert habe, nicht aus einer Position der Schwäche verhandeln.

Wie es um den Wettbewerb steht, rechnet ein Bremer Branchenexperte vor: „In der Range zwischen Antwerpen und Hamburg kann man von einem jährlichen Containeraufkommen zwischen 20 und 25 Millionen Standardcontainern ausgehen. Allerdings wurden in den letzten Jahren von den Häfen Kapazitäten von heutzutage zwischen 40 und 42 Millionen Standardcontainern geschaffen.“ Zu den neuen Kapazitäten gehöre auch der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, dessen Auftakt mitten in den Einbruch der Kapazitäten wegen der Finanzkrise fiel. Aus der Branche ist zu hören, dass dieser Standort für Eurogate zu den Sorgenkindern gehöre.

In den vergangenen Jahren hat Eurogate zudem laut dem Experten manchen Kunden durch Insolvenzen und Zusammenschlüsse verloren. Durch die Insolvenz der koreanischen Hanjin-Reederei vor vier Jahren habe Eurogate auf einen Schlag zwischen 800.000 und eine Million Container verloren. 2015 übernahm die chinesische Cosco dann China Shipping. Dadurch gingen Schiffe nach Hamburg zum Terminal der HHLA. Hapag-Lloyd verlagerte Linien von Bremerhaven nach Hamburg. „Da konnte Eurogate nur daneben stehen und zuschauen.“ Zwar kamen durch die Übernahme von Hamburg Süd durch Maersk Container nach Bremerhaven. Das habe den Verlust aber nicht in dem Maße kompensieren können.

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