Fischalternativen bei Frosta "Viele Leute haben noch Berührungsängste"

Die Nachfrage nach Fleischalternativen boomt. Aber wie läuft es beim Fisch? Warum Frostas vegane Fischstäbchen noch nicht überall zu finden sind und welche Alternativen es jetzt noch gibt.
21.01.2022, 18:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Lisa Schröder

Herr Bernbacher, Frosta bietet Fischalternativen auf Gemüsebasis an – mit Schwarzwurzel, Jackfruit und Blumenkohl. "Fisch vom Feld" heißt die Marke. Wie kommen die veganen Fischstäbchen und Fischfilets an?

Sebastian Bernbacher: Die Produkte kommen sehr gut an. Das zeigt das Feedback. Man muss aber auch sagen, dass es sich noch um eine Nische handelt. Es gibt hier einen Unterschied zwischen Fisch und Fleisch. Viele Menschen suchen beim Fleisch aus Gesundheitsgründen nach einer Alternative. Diese Gruppe sprechen wir aber nicht an, weil Fisch als gesund gilt. Wir müssen den Konsumenten also die anderen Vorteile näherbringen.

Im Moment gibt es Ihren Gemüsefisch nur bei bestimmten Supermärkten. Woran liegt das?

Die Distribution der Marke ist wegen Corona immer noch im Aufbau. Es gibt aktuell viele neue Produkte. Die Hersteller kämpfen dabei im Supermarkt um die gleichen Plätze, so dass es nicht ganz einfach ist, überall zu liegen. Wenn man nach "Fisch von Feld" sucht, kann man die Produkte bei gewissen Ketten finden, aber noch nicht national.

Sie wollen also mehr Sichtbarkeit erreichen?

Auf jeden Fall. Denn mit dem Produkt ist viel Aufklärungsarbeit verbunden. Viele Leute haben noch Berührungsängste. Ein Hauptkauftreiber, vegane Alternativen auszuprobieren, ist die Neugier. Einige können sich nicht vorstellen, dass das Produkt einen gewissen Geschmack hat. Die anderen kaufen Alternativen aus Gewissensgründen. Wir setzen uns zu diesen Fragestellungen mit den Konsumenten auseinander.

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Der Markt an Fleischalternativen ist in kurzer Zeit förmlich explodiert.

Absolut.

Vor zwei Jahren kündigte Ihr Vertriebsvorstand an: "The next big thing is fish". Hat sich diese Hoffnung also noch nicht ganz erfüllt?

Wir stehen weiter zur Aussage, dass Fisch die nächste große Sache ist. Die Produktentwicklung ist nur nicht ganz einfach. Wir haben uns dabei bewusst Zeit gelassen, weil wir unserem Reinheitsgebot verpflichtet sind. Das hat viel Schweiß und Tränen gekostet. Von uns als Frosta erwartet man aber diese Qualität. An sich steckt ein Riesenpotenzial darin, Lösungen auf den Markt zu bringen, die Ressourcen schonen. Genau wie beim Reinheitsgebot gilt, dass sich die Dinge mit der Zeit entwickeln. Wir bleiben auf jeden Fall dran.

Es gibt seit Kurzem weitere Alternativen aus Ihrem Haus: Veganes Hühnerfrikassee, Bami Goreng, Paella und ein Bratkartoffelgericht. Handeln Sie bei solchen Schritten aus Überzeugung? Oder gibt es auch entsprechende Kundenwünsche?

Beides – in erster Linie aus Überzeugung. Wir haben uns in unserem Nachhaltigkeitsbericht auf die Fahne geschrieben, dass wir den Anteil von Fleisch bezogen auf das Gesamtsortiment signifikant reduzieren wollen. Das erreichen wir unter anderem dadurch, dass wir mehr vegetarische oder vegane Neuprodukte auf den Markt bringen. Die Geschmäcker haben sich in diese Richtung entwickelt. Es reichen sich also beide Gründe die Hand. Schon vor der Produktentwicklung sind Konsumenten an uns herangetreten: 'Ich habe früher wahnsinnig gerne Hühnerfrikassee gegessen, aber jetzt esse ich kein Fleisch mehr. Das wäre doch mit einer Alternative toll!' Wir hören da gut zu und nehmen das ernst.

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Welchen Anteil hat das Alternativgeschäft heute am Umsatz?

Der ist noch relativ klein. Gemessen am Fischumsatz der Marke Frosta machen unsere drei veganen Produkte derzeit fünf Prozent des Umsatzes aus. Tendenz stark steigend.

Zwei Jahre ist es auch her, da hat Rügenwalder aus Bad Zwischenahn mehr Umsatz mit Vegetarischem und Veganem gemacht als mit den Klassikern aus Fleisch. Wird Frosta einen solchen Moment erreichen?

Das kommt auf die Betrachtung an. Wir haben ja bereits einen hohen Anteil an vegetarischen und veganen Produkten. Es ist schwer zu sagen, ob die Alternativen irgendwann im direkten Vergleich mit Fisch und Fleisch mehr als die Hälfte ausmachen. Wir gehen davon aus, dass der Wunsch nach diesen Produkten anhält. Wir sehen nach wie vor aber auch, dass Menschen nicht auf lieb gewonnene, traditionelle Gericht verzichten wollen.

Gibt es Gedankenspiele, dass Frosta irgendwann komplett ohne Fisch und Fleisch auskommt?

Es gibt auf jeden Fall die Frage, wie wir möglichst ressourcenschonend arbeiten und zugleich tolle Produkte und Gerichte liefern können. Wir beschäftigen uns mit den Alternativen, damit wir unseren ökologischen Fußabdruck kontinuierlich verringern. Das ist aber nicht der Anfang vom Ende anderer Geschäftsbereiche.

In Bremerhaven ist Wettbewerber Iglo nicht weit. Green Cuisine heißt dort die Marke für die Alternativen. Stellen Sie die Produktinnovationen auch an diesem Standort her?

Ja. In Bremerhaven produzieren wir "Fisch vom Feld" und auch unsere neuen veganen Gerichte.

Ob beim Verzicht auf bestimmte Zutaten oder bei der Papierverpackung – Frosta ist gerne Vorreiter. Das Reinheitsgebot haben Sie vor Jahren eingeführt. Die Fischalternativen kommen ebenfalls ohne Geschmacksverstärker, Aromen, Farbstoffe und Konservierungsstoffe aus, ein Zusatzstoff ist jedoch enthalten. Darum die eigene Marke?

Genau. In den Produkten von "Fisch vom Feld" ist noch Methylzellulose enthalten als Stabilisator. Wir arbeiten dran, es aus dem Rezept zu bekommen. Selbst wenn es der einzige Zusatzstoff ist, nennen wir Frosta hier nicht, weil das Reinheitsgebot als unsere oberste Prämisse das nicht zulässt. Da sind wir konsequent. Die veganen Pfannengerichte kommen ohne Zusatzstoffe aus, woran wir lange gearbeitet haben. Andere Hersteller am Markt nutzen dagegen für die Alternativen oft Geschmacksverstärker, Aromen und Extrakte.

Das Gespräch führte Lisa Schröder.

Zur Person

Sebastian Bernbacher

ist seit zwei Jahren Marketing Director bei Tiefkühlkosthersteller Frosta aus Bremerhaven. In dieser Funktion ist er mit seinem Team in Hamburg unter anderem auch für das Produkt- und Innovationsmanagement zuständig. Vorher arbeitete er bei Unilever. Aufgewachsen ist Bernbacher in Bremen, wo er sein Abitur am Hermann-Böse Gymnasium gemacht hat.

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