Alternativen und Rechte

Was Germania-Fluggäste nun tun können

Die Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz angemeldet und ihren Betrieb eingestellt. Was bedeutet das für Reisende? Ein Überblick.
05.02.2019, 11:42
Lesedauer: 3 Min
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Was können Reisende tun, die Flüge mit der insolventen Airline Germania gebucht haben? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Ein Überblick:

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung des Unternehmens direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Eine Reise gilt laut Verbraucherzentrale Bremen nur dann als Pauschalreise, wenn Kunden bei einem Reisebüro oder einem Online-Portal mehr als eine Leistung gleichzeitig zum Gesamtpreis gebucht haben – also zum Beispiel Flug, Hotel und Mietwagen. Wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft hat, hat jedoch auf eine Ersatzbeförderung laut Gesetzeslage keinen Anspruch.

Flugkosten können im Insolvenzverfahren angemeldet werden

Wer selbst gebucht hat, kann die Kosten laut Verbraucherzentrale im Insolvenzverfahren anmelden. Betroffene müssen sich dann selbst um eine Ersatzbeförderung bemühen und diese auch bezahlen. Auch wer am Urlaubsort festsitzt und bis zu einem alternativen Rückflug für Hotel und Verpflegung länger zahlen muss, kann diese Kosten beim Insolvenzverwalter anmelden.

Der Tipp der Verbraucherzentrale: Rechnungen gut aufbewahren. Dennoch gibt es keine Sicherheit, ob und wie viel die betroffenen Fluggäste zurückerhalten und wie lange sie auf die Rückzahlung warten müssen.

Zahlungen für Flugtickets, die per Lastschrift oder Kreditkarte erfolgt sind, sollten nicht zurückgebucht werden. Der Grund: Die vor der Insolvenz gezahlten Flugpreise gehören zur Insolvenzmasse.

Lufthansa und Condor bieten vergünstigte Tickets an

Das Unternehmen Alltours kündigte bereits an, seinen Kunden eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Man bedauere sehr, von Germania nicht früher informiert worden zu sein, so der Reiseveranstalter. Am Dienstag werde es bei kurzfristigen Reisen zu Einschränkungen und Verzögerungen kommen.

Der Lufthansa-Konzern und der Ferienflieger Condor bieten betroffenen Passagieren verbilligte Tickets an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Tochter Eurowings, erläuterte ein Lufthansa-Sprecher am Dienstag in Frankfurt. Die Angebote richten sich insbesondere an Passagiere, die nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter unterwegs sind.

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Im Ausland gestrandete Germania-Kunden könnten für Rückflüge bis Ende Februar 2019 ab sofort auf der Eurowings-Seite Flüge buchen und erhielten im Nachhinein die Hälfte des Flugpreises erstattet, so der Lufthansa-Sprecher weiter. Das gleiche Verfahren bietet Tuifly an. Condor will Germania-Gäste ebenfalls für die Hälfte transportieren, sofern im Standby-Verfahren Plätze frei sind.

Zusätzlich soll auf www.lufthansa.com in den kommenden Tagen ein Buchungsverfahren eingerichtet werden, mit dem verbilligte Tickets der Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian gebucht werden können. Hier sind pauschale Nettopreise von 50 Euro (Europa) und 200 Euro (Naher Osten) geplant.

Den Germania-Kunden drohe nun "immenser Schaden", sagt der Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, Klaus Müller. Er appelliert an die Politik, "endlich" zu handeln. "Trotz der Erfahrungen mit der Insolvenz von Air Berlin haben Bundesregierung und EU nichts unternommen. Das rächt sich nun." Eine Insolvenzversicherung für Fluggesellschaften, die bei einer Pleite Kunden helfe, sei noch immer nicht beschlossen.

Auch der ADAC fordert eine Festschreibung des Insolvenzschutzes für Fluggäste, wie sie für Pauschalreisen bereits existiere. Alternativ bestehe die Möglichkeit, Fluggesellschaften dazu zu verpflichten, beim Ticketverkauf auch eine Versicherung für den Ticketpreis und die Rückbeförderung anzubieten. "Dadurch wird beim Verbraucher ein Risikobewusstsein geweckt und zugleich eine Lösung auf freiwilliger Basis geschaffen", so der Verkehrsclub. (ema/ech/dpa)

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