Hilfe für die Innenstadt Was aus dem Aktionsprogramm für die Bremer City wurde

Der Bremer Innenstadt geht es so schlecht wie lange nicht mehr. Ein tiefgreifender Strukturwandel, und dann auch noch Corona. Der Senat hat ein Aktionsprogramm aufgelegt. Was ist daraus geworden?
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Was aus dem Aktionsprogramm für die Bremer City wurde
Von Jürgen Hinrichs

Leerstand, Räumung, Verfall – mit dieser Beschreibung beginnt ein Beitrag des NDR-Satiremagazins „Extra 3“ über die Bremer Innenstadt. Die Bilder trostlos, der Ton süffisant, auch ein wenig hämisch. Satire eben, oder das, was sich dafür hält. Im Speziellen werden die Stadtmusikanten aufgespießt. Sie dienen neuerdings als Wegweiser und markieren, wo es zu Roland und Rathaus geht. 144 Piktogramme für 50.000 Euro – „Extra 3“ hält das für den „Irrsinn der Woche“, zumal die Zeichen auf dem Pflaster schnell abgenutzt waren. Doch egal, wie man das Projekt bewertet: Es gehört zu den ersten, die konkret geworden sind. Der Senat hatte Ende August ein ganzes Paket geschnürt, um der darbenden Innenstadt zu helfen. Das Aktionsprogramm ist mit 13,2 Millionen Euro ausgestattet. Was konnte neben den aufgemalten Stadtmusikanten bereits umgesetzt oder angebahnt werden?

Bauressort schleift Barriere

Den größten Aufschlag hat in diesen Tagen das Bau- und Verkehrsressort gemacht. In vertraulicher Sitzung wurden im Beirat für den Verkehrsentwicklungsplan Skizzen zur Umgestaltung der Martinistraße vorgestellt. Mit 1,3 Millionen Euro soll im Frühjahr der Rückbau eingeleitet werden – zunächst provisorisch, später mit erheblich mehr Aufwand in der endgültigen Fassung. Nach den ersten Entwürfen hat die Martinistraße dann keine vier Fahrspuren mehr, sondern nur noch zwei. Sie könnte zur Fahrradstraße werden, mindestens aber mit Tempo 30 belegt werden. Ziel ist, einen neuen städtischen Erlebnisraum zu gewinnen, um die trennende Wirkung der Straße aufzuheben. Altstadt und Weser sollen näher zusammenrücken.

Konkret geworden ist auch ein Angebot der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB): Sie nimmt Eigentümern, die zurzeit keine Mieter finden, leere Ladenflächen ab und gibt sie an Interessenten weiter, die mit ihren Geschäftsideen etwas ausprobieren wollen. Das erste Mal wird das im Januar in der Obernstraße passieren. Wo früher von Gerry Weber Mode verkauft wurde, zieht ein sogenannter Concept-Store ein. Der Laden heißt „ekofair“ und ist nach Angaben seiner Betreiber ein kleines Kaufhaus mit nachhaltigen und hochwertigen Produkten aus dem Textil-, Kosmetik und Lebensmittelbereich. Geplant werde auch eine Bühne für kulturelle Veranstaltungen.

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Vorangegangen war ein Wettbewerb mit bundesweiter Beteiligung. Zur Wahl standen 33 Konzepte, entschieden hat eine Jury. Die Betreiber von „ekofair“ bekommen die Ladenfläche für 13 Monate und müssen weder Miete noch Nebenkosten zahlen. Der Vermieter erhält sein Geld von der WFB, verzichtet dabei nach Angaben der Behörde aber auf die Hälfte der vorherigen Kaltmiete. Nach dem gleichen Modell funktioniert zurzeit die Ausschreibung für einen Pop-up-Store. Im Gegensatz zum Concept-Store, der auf längere Sicht angelegt ist, handelt es sich bei dieser Form in der Regel um zeitlich begrenzte Konzepte.

„Unser Ziel ist es, neue und zukunftsweisende Angebote für die Innenstadt zu gewinnen, um damit auch Gründer und Gründerinnen Chancen zu geben und neue Zielgruppen für die Innenstadt anzusprechen“, hatte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) zu diesem Teil des Aktionsprogramms erklärt. Sie kann dafür etwas mehr als zwei Millionen Euro ausgeben.

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Unter der Ägide der Wirtschaftsbehörde läuft außerdem das Projekt Digitallotse. Es richtet sich an Geschäftsleute, insbesondere an Einzelhändler, die sich im Internet bekannt machen oder gar einen Online-Shop aufbauen wollen und dafür Hilfe benötigen. Ein Angebot, das es schon länger gibt, jetzt aber mit Mitteln aus dem neu aufgelegten Innenstadt-Topf ausgeweitet wird.

Warten auf freies WLAN

Einiges anderes aus der Liste, die der Senat für die Innenstadt beschlossen hat, steckt indes noch in der Warteschleife. Darunter das freie WLAN, der zumindest teilweise kostenlose ÖPNV und die geplanten Veränderungen auf dem Domshof mit seinem Wochenmarkt.

Die Künstler konnten mit ihrem Kulturprogramm in der vergangenen Woche immerhin schon mal anfangen, sind wegen des neuerlichen Lockdowns aber gleich wieder ausgebremst worden. Zur Verfügung stehen 1,15 Millionen Euro. Mit diesem Geld sollen Tanz, Theater, Musik, Clownerie, Varieté und Straßenkunst finanziert werden – Unterhaltung für die Besucher der Innenstadt, gleichzeitig aber auch eine Unterstützung für Bremer Kulturschaffende, die wieder auftreten und Geld verdienen können. Geplant ist ferner ein Kunst-Kiosk, der Name: „By the Way“. Die Kunden können dort Geschichten, Gedichte und Lieder kaufen. Im Preis inbegriffen ist, dass der jeweilige Künstler sein Werk im Kiosk vorträgt.

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