Konzepte für die Zukunft Bremen-Nords Alle warten auf den Tunnel

Sowohl im Integrierten Struktur- und Entwicklungskonzept als auch im Kreis von „Zukunft Bremen 2035“ wird dem Autobahntunnel eine hohe Bedeutung für Bremen-Nord zugeschrieben.
31.05.2018, 17:26
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Vegesack. Wie fügt man all die Papiere und Konzepte für den Norden Bremens zusammen und sorgt gleichzeitig für Veränderungen? Mit dieser Frage hat sich jetzt auch der Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord (WIR) beschäftigt. Als Referent berichtete Christian Bruns als Koordinator des Prozesses „Zukunft Bremen 2035“, wie die Ergebnisse seiner Kommission mit dem Integrierten Struktur- und Entwicklungskonzept (Isek) fusionieren.

Bruns war zweieinhalb Jahrzehnte als Leiter des Bremer Büros in Brüssel. Und ist als Leuchtenburger mit einer Schulvita inklusive Gerhard-Rohlfs-Gymnasium vertraut mit den Gegebenheiten im Bremer-Norden. 13 Arbeitsgruppen zu Zukunftsthemen hat er zu bändigen – das Spektrum reicht von der Handelskammer bis zum BUND in den Reihen der Teilnehmer.

Aktuell kommt mit dem (Isek) des Bremen-Nord-Senatsbeauftragten Martin Prange ein eigenes Zukunftspapier für den Norden dazwischen. Bruns verspricht: „Die Highlights aus dem Isek werden sicherlich in den Zukunftsprozess einfließen.“ Einig sei man bei der Notwendigkeit des Ringschlusses der A 281 mit dem Wesertunnel, bei der Erweiterung des Industrieparks West, bei der Umgestaltung des Vegesacker Bahnhofsbereichs und dem Teilneubau des „Haven Höövts“. Bruns will versuchen, Bürgermeister Carsten Sieling für den August zu einer Veranstaltung zu diesen speziellen Bremen-Nord-Themen im Bürgerhaus zu überreden.

Aber Wahlkampf wird direkt nach dem Vortrag auch in der Strandlust gemacht: Der CDU-Kreisvorsitzende Rainer Bensch attestiert, es gebe in Bremen-Nord kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem: „Wir brauchen endlich ein Sonderprogramm für Bremen-Nord.“ Sein Amtsvorgänger und CDU-Kreisehrenvorsitzender Helmut Pflugradt sieht die Arbeit von Bruns und Co gar nicht so negativ, warnt aber wie Bensch vor der Durchsetzungsschwäche der Politik: „Egal was Sie in diese Papiere schreiben. Was beschlossen wird, muss durch die einzelnen Verwaltungen gehen.“ Und da sei es zurzeit so, dass praktisch in fast jedem Ressort ganze Bereiche nicht gut arbeiteten.

WIR-Sprecher Bernhard Wies fasst die Diskussion nach der Veranstaltung so zusammen: „Es reicht nicht, die Umsetzung dieser Papiere den Ressorts zu überlassen. Wir werden als Wirtschafts- und Strukturrat auf eine Organisation für die Umsetzung drängen.“ Der Wirtschaftsrat selbst beschließt jedenfalls, die eigene Struktur mehr auf die Themenfelder des Isek und der Zukunftskommission aufzufächern: Man will in allen Bereichen künftig mehr mitreden können. Grundsätzlich soll verhindert werden, dass die Konzepte für den Bremer Norden nach der Wahl wieder sang- und klanglos in den Schubladen verschwinden.

Auch der Vegesacker Beirat hat sich vor wenigen Tagen mit dem Integrierten Struktur- und Entwicklungskonzept befasst. Als Projekte mit herausragender Bedeutung für den Bremer Norden nannte der Senatsbeauftragte Martin Prange auch im Sitzungssaal des Stadtteilparlaments den Ringschluss der A 281. Mit dem CDU-Fraktionssprecher Torsten Bullmahn wettete Prange um ein Essen, dass der Verkehrssenator tatsächlich noch vor der Wahl den Spatenstich für den Wesertunnel setzen wird. Jetzt sei jedenfalls die richtige Zeit, sich das Gewerbeflächenangebot im Bremer Norden anzusehen, wo man doch bald so viel besser erreichbar sei. Konkret geht es ihm um die Erweiterungsflächen im Industriepark West bei den Stahlwerken, die erschlossen werden sollten.

Die Rolle Vegesacks als Mittelzentrum möchte Prange gerne besser ausgefüllt sehen: „Ich sage ganz offen: Die Markthalle gehört eigentlich weg. Da muss man heute offen sagen: Das war ein Fehler.“ Das Finanzamt dahinter sei als Ort für Akten verschenkte Fläche, wenn man sich diese Lage ansehe. Auch da sieht er Handlungsbedarf. In Sachen Bahnhofsvorplatzumgestaltung lud Prange die Anwohner wie Brigitte Palicki von den Bürgern in Wut ein, sich aktiv an der Planung der Neugestaltung zu beteiligen.

So gab es selbst von dieser Fraktion keine grundlegende Kritik an dem Papier aus der Senatskanzlei. Für die SPD kommentierte es Jürgen Hartwig geradezu überschwänglich als großen Wurf, Torsten Bullmahn von der CDU sagte „gut gemacht“ und Thomas Pörschke von den Grünen hob die hervorragende Vernetzung der Akteure für das Gesamtdruckwerk hervor. Marvin Mergard von der AFD hätte gerne noch mehr Inhalt für Jugendliche in dem Papier. Und selbst so etwas kann redaktionell noch aufgenommen werden, verspricht Prange: „Das Konzept ist ein offenes Papier und nichts, was ich in ein paar Wochen in Hochglanz drucken lassen will. Das soll leben und immer wieder den Gegebenheiten angepasst werden.“

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