Kunstpause mit Katja Riemer Annäherungen an eine Nymphe

Altstadt. Die Schätze der Kunsthalle sind noch immer auf Reisen. Über 200 Meisterwerke bereichern bis Juni als Noble Gäste andere Museen in Deutschland. Am 20. August wird die umgebaute Kunsthalle wiedereröffnet. Die Kunstsammlungen Böttcherstraße beherbergen 38 Werke. Eins davon ist die "Quellnymphe", ein in der Reformationszeit (nach 1537) entstandenes Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, das Katja Riemer in einer fünfzehnminütigen Kunstpause vorstellte.
07.04.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Kerstin ThOMPSON

Altstadt. Die Schätze der Kunsthalle sind noch immer auf Reisen. Über 200 Meisterwerke bereichern bis Juni als Noble Gäste andere Museen in Deutschland. Am 20. August wird die umgebaute Kunsthalle wiedereröffnet. Die Kunstsammlungen Böttcherstraße beherbergen 38 Werke. Eins davon ist die "Quellnymphe", ein in der Reformationszeit (nach 1537) entstandenes Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, das Katja Riemer in einer fünfzehnminütigen Kunstpause vorstellte.

Die Kunstpausen sind auch in der Baustellenzeit fester Bestandteil des Programms der Kunsthalle - an jedem Donnerstag um 13 Uhr ist ein anderes Werk an der Reihe, wie die Quellnymphe, ein beliebtes Thema der frühen Neuzeit. Die Motivwahl verdeutlicht, dass Lucas Cranach sich nicht nur sakralen, sondern auch humanistischen Bildthemen widmete. Bei der Schönen handelte es sich nicht nur um eine ikonografische Neuschöpfung, sondern auch um eine der ersten Darstellungen liegender weiblicher Akte in Nordeuropa, veriet Katja Riemer ihren Zuhörerinnen und Zuhörern. Die Quellnymphe sei von zeitloser Schönheit und entspreche einem Idealbild, das die Menschheit auch heute noch beschäftigte.

Die Nymphen Cranachs, von denen es 17 erhaltene Varianten gebe, stünden in einer Motivtradition, die in den Venusbildern Tizians und Giorgiones ihre Wurzeln hat und bis zu Manets "Olympia" reicht, sagte Katja Riemer. Der Künstler habe sich sehr wahrscheinlich Inspirationen in der "Hypnerotomacchia Polphili", einem geheimnisvollen, viel gelesenen und einflussreichen Roman aus der Renaissance, der in seiner Erstauflage 1499 in Italien erschien. Der Protagonist Poliphilo bedeutet frei übersetzt: der viele oder vieles Liebende. Das Buch handelt von einem Liebestraum.

Einige der Zuhörer aus Katja Riemers Kunstpause sind seit zehn Jahren regelmäßig dabei. Die Kunsthistorikerin gestaltete ihre Rede sehr lebendig, lehrreich und humorvoll, so dass die Zuhörer Lust bekamen, noch mehr über Cranach den Älteren und andere noble Gäste zu erfahren. Besonders eindrucksvoll vermittelte Katja Riemer im Dialog mit ihren Zuhörern, wie der Künstler mit Widersprüchen spielte. Nach dem Motto: "Ich darf Ihnen die Nackte zeigen, aber eigentlich doch nicht?" Ihr Schleier enthüllt mehr, als er verdeckt. Die Rebhühner und die Köcher mit Pfeil und Bogen lassen an die Jagd denken und an Darstellungen der Jagdgöttin Diana. Die Inschrift und die Jagdwaffen warnen die Betrachter davor, die Ruhe der Quellnymphe zu stören, obwohl sie geradezu dazu einlädt, sich ihr zu nähern. Auch in der Mittagspause.

Die Noblen Gäste bleiben noch bis 12. Juni im Paula Modersohn-Becker Museum und Museum im Roselius-Haus in der Böttcherstraße. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Im April sind Kunstpausen donnerstags von 13 bis 13.15 im Hollweg-Haus, Altenwall 6. Näheres unter www.kunsthalle-bremen.de. Weitere Infos unter www.museeninbremen.de.

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