Kontrollen in der Coronakrise

Auf Streife mit dem Ordnungsamt

Bestimmte Läden müssen wegen der Coronakrise geschlossen bleiben. Das haben am Freitag wieder Mitarbeiter des Bremer Ordnungsamtes überprüft.
21.03.2020, 05:00
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Auf Streife mit dem Ordnungsamt
Von Carolin Henkenberens
Auf Streife mit dem Ordnungsamt

Kontrollieren, ob die Geschäfte die Auflagen aufgrund der Corona-Pandemie einhalten: Mitarbeiter des Bremer Ordnungsamtes.

Frank Thomas Koch

Blaue Uniformen, ein Funkknopf im Ohr und am Hals einen Mundschutz: So macht sich der Trupp aus vier Ordnungshütern um kurz nach 16 Uhr auf den Weg. Spätdienst, erzählen sie. Es ist heute ihre erste Tour. Sie werden bis in die späten Abendstunden unterwegs sein und kontrollieren, ob die vom Senat verhängten Ladenöffnungsverbote befolgt werden. „Den Mundschutz setzen wir nur in Geschäften auf“, sagt einer von ihnen.

Schon kurz nachdem sich die Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Bewegung gesetzt haben, der erste Treffer: In der Innenstadt bauen zwei Männer den Sonnenschirm vor einem Blumenladen ab. Das Amt hatte zuvor einen Hinweis bekommen, dass hier am Freitag noch Blumen verkauft wurden. Die vier Uniformierten treten an einen der Männer heran, weisen ihn freundlich darauf hin, dass der Laden geschlossen sein muss. Er zeigt sich einsichtig. Sein Helfer fragt, ob denn nicht Marktstände geöffnet bleiben dürften. „Wochenmärkte ja, aber Blumenverkauf in einem Geschäft geht nicht mehr“, stellt Eva Brosenne, Abteilungsleiterin im Ordnungsamt Bremen, klar. Die Männer nicken, es bleibt bei einer Ansprache, wie es im Behördensprech heißt, wenn jemand verwarnt wird.

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Sollte der Laden weiter geöffnet sein, werden die Männer informiert, ist das eine Straftat, die bei der Polizei angezeigt wird. Das habe eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft zur Folge, erklärt Brosenne. Wie hoch die Geldstrafe ausfalle, hänge vom Gericht ab.

Der Weg der Kontrolleure führt sie durch die Obernstraße, die trotz der geschlossenen Geschäfte noch ziemlich belebt ist. Drei junge Leute auf E-Scootern kommen dem Trupp entgegen. Sie werden angehalten. Rollerfahren ist in der Fußgängerzone nicht erlaubt. Sie erklären glaubhaft, das hätten sie nicht gewusst und bleiben vom Bußgeld verschont, ihre Roller müssen sie schieben.

Auch die Glücksspielhalle ist zu

Die Kontrolleure biegen in die Sögestraße ab, gelangen zu einer geöffneten Eisdiele. Brosenne ruft zur Sicherheit einen Kollegen an, der bestätigt: Ja, ist erlaubt. Weiter geht es. In der Katharinenpassage: gähnende Leere. Nur ein Kiosk ist auf, alle anderen Läden sind dicht. So, wie es sein soll. Bei einer Glücksspielhalle, deren Fensterfront keinen Aufschluss darüber gibt, ob der Laden geöffnet ist, rüttelt Mitarbeiterin Kim Jana Willner an der Tür. Zu.

„Es ist erfreulich, dass sich die Menschen an die Vorgaben halten“, sagt Ordnungshüter Timo Paetsch. Man setze diese Einschränkungen nicht gerne um, aber sie seien eben notwendig. Willner berichtet, dass am Vortag auf einigen Spielplätzen noch ordentlich was los gewesen sei. Andere wiederum seien leer geblieben. „In der Regel sind Eltern einsichtig“, sagt Willner.

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Am Hauptbahnhof sieht auch alles gut aus. Kioske, Döner-Imbisse, Friseure und Supermärkte sind offen, aber alle Läden, die keine Grundversorgung bieten, sind zu. Am Vortag hatte das Ordnungsamt in sechs Fällen Verstöße festgestellt, die zu Strafanzeigen führten. Am Freitag verlaufen die Kontrollen ruhig. Brosenne berichtet am Abend, es hätten keine Strafanzeigen gestellt werden müssen.

Was auffällt beim Gang durch die Innenstadt: Den vorgesehenen Abstand zu Mitmenschen halten nicht alle ein. Ein Mann, weißes Cap, weiße Trainingsjacke, klopft seinem Kumpel auf die Schulter, geht dann mit der Hand in sein Gesicht und reibt sich an der Nase. Am City-Gate laufen drei junge Männer nah nebeneinander, der eine spuckt auf den Boden und trifft fast einen Passanten.

Ausgangssperre noch unklar

Die Uniformierten werden immer mal wieder angesprochen. Ein älterer Mann – „Ich hab' da mal eine Frage!“ – will wissen, ob er bei einer Ausgangssperre noch in die Stadt zum Einkaufen dürfe. „Momentan ist noch überhaupt nicht klar, ob es eine Ausgangssperre geben muss“, erklärt Brosenne ruhig.

Die Nachrichtenlage ändert sich stündlich. Die Änderungen, wonach auch Friseure schließen müssen und Gastronomen nur Außer-Haus-Verkauf anbieten dürfen, gelten erst ab Sonnabend. „Wir sind dann diejenigen, die das ab morgen umsetzen“, sagt Paetsch. Letztlich hoffe man auf die Einsicht der Bevölkerung.

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