Premiumrouten

Ausbau von Bremer Radstrecken soll beschleunigt werden

Die Pläne gibt es seit Jahren, doch der Ausbau von Bremer Radstrecken zu Premiumrouten kommt kaum vom Fleck. Das kritisieren der BUND und der Fahrradclub ADFC. Sie fordern einen Schub für den Radverkehr.
11.02.2019, 19:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Elke Hoesmann
Ausbau von Bremer Radstrecken soll beschleunigt werden

Auf der Premiumroute D.15 sollen Radfahrer komfortabel von Bremen-Nord bis nach Hemelingen fahren können.

PGV-Alrutz

Komfortabel und sicher sollen Radfahrer auf breiten Premiumrouten in Bremen dahingleiten. So steht es im Verkehrsentwicklungsplan (VEP), vor fünf Jahren beschlossen von der Bürgerschaft. Passiert ist kaum etwas. Beim Ausbau der Radstrecken kommt Bremen nicht in die Gänge. Jetzt engagieren sich zwei Verbände in Bremen gemeinsam dafür, dass das Thema wieder mehr in den Fokus der Politik rückt. Sie stellen auch klar, dass es ohne zusätzliche Stellen und mehr Investitionen nicht vorangehen wird.

Die Ausgaben lägen seit Jahren auf niedrigem Niveau, kritisiert Martin Rode, Geschäftsführer des Umweltverbands BUND. „Wir brauchen einen Schub für den Radverkehr. Ohne die Umsetzung des Premiumrouten-Konzepts sehen wir den nicht.“ Der Anteil der Radfahrenden am Bremer Gesamtverkehr stagniere bei knapp 25 Prozent, ergänzt Sven Eckert vom Fahrradclub ADFC. Mit attraktiven Strecken aber könne die Stadt neue Potenziale erschließen. Einpendlern werde der Umstieg vom Auto aufs Rad beziehungsweise Pedelec erleichtert; die Umwelt profitiere.

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Gleichzeitig müsse das bestehende Bremer Netz verbessert werden, sind sich ADFC und BUND einig. Eine Sanierung der Strecken reiche nicht, sagt Geschäftsführer Eckert. Auch diese Zubringerwege zu den geplanten Premiumrouten müssten weiterentwickelt werden. „Immer mehr Lastenfahrräder sind dort unterwegs, ebenso Eltern mit Kinderanhängern.“

Ohne Ängste auf der neuen Premiumroute

Alle sollten ohne Ängste auch auf den neuen Premiumrouten fahren. Die Nutzer schneller E-Bikes ebenso wie langsamere Alltagsradler oder Kinder. Der Begriff „Radschnellweg“ sei irreführend. „Es geht nicht in erster Linie um Schnelligkeit“, sagt Eckert. Die Wege sollten so breit sein, dass sich Fahrer mit unterschiedlichem Tempo problemlos überholen können. Und sie sollten möglichst getrennt sein vom Autoverkehr.

Welche Probleme dies in einer Großstadt aufwirft, dass es Konflikte mit Anwohnern, Beiräten, Autofahrern geben kann, ist den Verbandsvertretern bewusst. „Dies lässt sich alles lösen“, sagt Rode. Und man könne doch mit Teilstrecken der Premiumrouten anfangen, die unumstritten sind. Damit es bald vorangeht, haben die Verbände ein Prioritätenkonzept erarbeitet und den Politikern vorgelegt: Die künftige Landesregierung solle drei von insgesamt neun geplanten Routen in den nächsten vier Jahren konkret angehen und in die Umsetzung bringen, außerdem zwei Weserquerungen. „Das ist ehrgeizig, aber machbar“, findet Rode.

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Bis 2021 sollte aus Sicht der Verbände der Abschnitt Innenstadt-Hemelingen auf der Premiumroute D.15 fertig sein (Farge-Innenstadt-Hemelingen). Das Stück sei vorgeplant, die Beiräte hätten zugestimmt. „ Aber entstanden ist noch kein Meter“, kritisiert Eckert. In der zweiten Hälfte der Legislaturperiode müsse dann der Abschnitt bis Farge realisiert werden. Die insgesamt 43 Kilometer lange Radstrecke soll Bremen-Nord besser an die Innenstadt anbinden, die Gewerbegebiete in Hemelingen könnten schneller erreichbar sein.

Auf einer Route von der Universität bis nach Huchting

Von Lilienthal über die Universität und Innenstadt bis nach Huchting könnten irgendwann Radfahrer auf der Route D.16 unterwegs sein. ADFC und BUND fordern einen zügigen Ausbau, auch weil Teilstücke bereits für eine Premiumroute vorbereitet wurden (Wachmannstraße, Parkallee).

Die Route D.17 soll links der Weser verlaufen, das Güterverkehrszentrum (GVZ) an das Radverkehrsnetz anbinden und bis Obervieland reichen. Diese Strecke sei die Parallele zur D.15, sagt Rode. Zwei Längsachsen, dazu die Querachse D.16. „Das wäre das Grundgerüst des Gesamtsystems, das in den nächsten Jahren aufgebaut werden muss.“

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Zwei neue Radfahrer- und Fußgängerbrücken über die Weser gehören zum Prioritätenkonzept: eine zwischen Neustadt (Piepe) und Mitte (Altenwall), die andere zwischen Habenhausen und Arsten etwa auf Höhe der Autobahnbrücke. Beide Vorhaben stehen im 2014 beschlossenen VEP, Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) hatte die Pläne 2017 aufgegriffen. Unterstützung blieb aber aus, obwohl die Brücken bis zu 90 Prozent vom Bund bezahlt worden wären.

Mit Bundesmitteln sei auch für Bremer Premiumrouten zu rechnen, glaubt Eckert. Beim Bundesverkehrsministerium gebe es dafür Gelder, sie könnten aber nicht abgerufen werden, weil noch keine konkreten Planungen vorlägen. Die beiden Verbände halten jährliche Ausgaben von 20 Millionen Euro für den Radverkehr in Bremen für erforderlich. Als Orientierung diene die Fahrradstadt Kopenhagen, die jährlich 36 Euro pro Einwohner investiere, heißt es. Zum Finanzkonzept gehörten auch die Kosten für acht zusätzliche Vollzeitstellen im Verkehrsressort. Nur mit genügend Mitarbeitern könnten die Radwege und Brücken zügig geplant und gebaut werden. Ein Kilometer Premiumroute koste etwa 400 000 bis 500 000 Euro.

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