Volksfest im Oktober Warum es beim Freimarkt keine Party in Halle 7 geben wird

Nach zwei Corona-Jahren sollten die Worte "Ischa Freimaak!" den Schaustellern leichter über die Lippen gehen. Doch die Energiekrise führt zu steigenden Preisen. Sparen die Bremer womöglich am Freimarktbummel?
21.09.2022, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Warum es beim Freimarkt keine Party in Halle 7 geben wird
Von Björn Struß
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In gut drei Wochen heißt es in Bremen wieder "Ischa Freimaak!". Diese zwei Worte sollten Schaustellern, Familien und Partygästen vom 14. bis 30. Oktober eigentlich wieder leichter von den Lippen gehen. Schließlich wird es nach dem vorzeitig beendetem "Freipaak" im Jahr 2020 und Besucherlimit inklusive 3G im Jahr 2021 wieder eine fünfte Jahreszeit, die ohne Corona-Regeln auskommt. Trotzdem ist Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Schaustellverbands Bremen, alles andere als optimistisch: "Wir stolpern von einer Krise in die Nächste. Viele Schausteller blicken verunsichert in den Herbst." Er fürchtet, dass angesichts der explodierenden Energiepreise einige Freimarktfreunde auf ihren Bummel verzichten, weil sie sparen müssen.

Wie teuer wird der Freimarktbummel?

Schon bei der Osterwiese mussten Schausteller mit Kostensteigerungen umgehen. Damals stiegen kriegsbedingt die Preise für Pflanzenöl oder Weizen. Inzwischen hat die Energiekrise in fast allen Lebensbereichen zu Kostensteigerungen geführt. "Das wird auf dem Freimarkt stellenweise zu Preissteigerungen führen, da dürfen wir uns keine Illusionen machen", erklärt Robrahn. In welchem Ausmaß das Volksfest teurer werde, könne der Schaustellerverband aber nicht voraussagen. Schließlich bestimme jeder Schausteller seine Preise selbst. "Ich kann nur appellieren, vernünftig zu kalkulieren, damit die Preissteigerungen im Rahmen bleiben", sagt Robrahn.

Einen ersten Eindruck zum diesjährigen Preisniveau ermöglicht der Blick nach München. Auf dem Oktoberfest kostet die Maß Bier derzeit zwischen 12,60 und 13,80 Euro. Der "Break Dancer" verlangt für eine Fahrt fünf Euro, bei der "Wilden Maus" sind es für Erwachsene sieben Euro.

Muss der Freimarkt Strom sparen?

Nach Angaben von Thomas Wehmann, der mit seinem Elektrobetrieb für viele Großveranstaltungen die Stromversorgung organisiert, hatte der letzte reguläre Freimarkt im Jahr 2019 einen Stromverbrauch von rund 900.000 Kilowattstunden. Das entspricht dem Jahresverbrauch von über 200 Vier-Personen-Haushalten. "Energieeinsparungen sind ohne Zweifel notwendig", erklärt Christopher Schönhagen, Referent für Öffentlichkeitsarbeit von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). "Volksfeste ohne ein buntes Lichtermeer sind jedoch nur schwer vorstellbar", betont Schönhagen auch. In einer Bundesverordnung zum Energiesparen seien Veranstaltungen wie der Freimarkt deshalb explizit ausgenommen.

Schausteller-Sprecher Robrahn verweist auf eine Studie, die der Deutsche Schaustellerbund in diesem Jahr in Auftrag gegeben hat. Darin wird der Strombedarf des Oldenburger Kramermarktes ins Verhältnis zur Besucherzahl gesetzt und als Pro-Kopf-Verbrauch ausgewiesen. Das Ergebnis: Wer ein Volksfest besucht, verbraucht weniger Energie, als wenn er den Abend zu Hause verbringt. "Im Prinzip bräuchten wir einen Freimarkt für vier Monate, weil er den Energieverbrauch positiv beeinflusst", meint Robrahn.

Warum fallen die Partys in der Halle 7 aus?

Nach der Schließung der Festzelte ging die Party vor der Pandemie in der Halle 7 munter weiter. Darauf müssen die Freimarktgäste in diesem Jahr verzichten. Das große Gebäude benötigt die Stadt Bremen immer noch, um Geflüchtete unterzubringen. "Wir hätten uns sehr gewünscht, dass wir diese Notunterkunft nicht mehr brauchen. Bereits im Sommer zeichnete sich aber ab, dass es nicht anders geht", berichtet Wolf Krämer, Sprecher des Sozialressorts.

Die Nutzung sei ursprünglich bis einschließlich August geplant gewesen. Mit den Messehallen habe das Sozialressort inzwischen aber auf eine Verlängerung bis Ende November vereinbart. Laut Krämer ist die Halle 7 für bis zu 650 Geflüchtete ausgelegt, davon seien zuletzt zwischen 400 und 500 Betten belegt gewesen.

Gibt es ein Feuerwerk und den Freimarktsumzug?

Die Osterwiese hatte mit Rücksicht auf Geflüchteten aus der Ukraine darauf verzichtet, doch der Freimarkt darf am 14. Oktober gegen 21.45 Uhr wieder mit einem Höhenfeuerwerk eröffnet werden. Und auch der traditionelle Freimarktsumzug ist zurück: Am Sonnabend, 22. Oktober, gibt es wieder reichlich "Kamelle".

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Ailton als Freimarktbotschafter

Als "Kugelblitz" schoss er den SV Werder Bremen im Jahr 2004 zur Meisterschaft, seitdem hat er im Herzen der Grün-Weißen einen festen Platz: Ailton. Im Oktober schlüpft er nun in die Rolle des Freimarktbotschafters. Dies gab das Wirtschaftsressort von Senatorin Kristina Vogt (Linke) am Dienstag bekannt. Ob Ailton Gonçalves da Silva – so sein vollständiger Name – nun Freibier im Hansezelt ausschenkt oder in Lederhose in der Bayern-Festhalle auftritt? Am Freitag will Senatorin Vogt Ailton als Botschafter offiziell vorstellen.

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