Erklärung für gute Arbeit in Kitas Bessere Bedingungen für Kitapersonal

Zwischen 100 und 500 Euro mehr - das sollen Erzieherinnen und Erzieher in Bremen künftig bekommen, wenn sie besondere Herausforderungen bewältigen müssen. Darauf haben sich Senat und Gewerkschaft geeinigt.
19.09.2018, 21:20
Lesedauer: 3 Min
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Bessere Bedingungen für Kitapersonal
Von Sara Sundermann

Mehr Gehalt für Beschäftigte mit schwierigen Tätigkeiten und mehr Maßnahmen zum Lärmschutz: Der Bremer Senat und die Gewerkschaft Verdi haben eine Erklärung für gute Arbeit in Kitas unterzeichnet. In Zukunft soll die Bezahlung für einen Teil der Erzieherinnen und Erziehern in Bremen verbessert werden. Krippen und Kindergärten in ganz Deutschland können viele Stellen nicht besetzen, weil es nicht genug Erzieher gibt. Die Bundesländer stehen im Wettbewerb um die begehrten Fachkräfte.

Zuletzt waren allein beim städtischen Eigenbetrieb Kita Bremen 70 Erzieherstellen unbesetzt. Für den weiteren Kita-Ausbau bis 2020 werden nach Angaben der Bildungsbehörde im April voraussichtlich 600 bis 750 zusätzliche Kräfte in Bremen gebraucht. Rund 3000 Kita-Plätze wurden dem Senat zufolge seit Anfang der Legislaturperiode in Bremen-Stadt geschaffen, mehr als 800 sollen im aktuellen Kita-Jahr hinzukommen.

Bei der Suche nach Fachkräften sei Bremens Lage besonders schwierig, heißt es in der Erklärung: Weil Bremen als Großstadt von einem sehr ländlich geprägten Raum umgeben ist, weil hier die Armutsquote von Familien im Kita-Alltag deutlich zu spüren ist, weil viele Kinder Sprachförderung brauchen und in Bremer Kitas die Inklusion zu 100 Prozent umgesetzt wird.

Gleichzeitig wird von Erzieherinnen heute viel erwartet: Sie sollen Frühförderung umsetzen und sozialer Spaltung schon in der Krippe entgegenwirken. Ein konkreter Punkt der Erklärung: Ein Teil der Erzieherinnen und Erzieher in Bremen soll in Zukunft mehr Geld verdienen. Laut Tarifvertrag ist es möglich, dass Beschäftigte mit besonders schwierigen Aufgaben in Gehaltsgruppe 8b statt derzeit 8a eingestuft werden.

Zusätzliche Gelder für Ausstattung

Dies soll für Kitas gelten, die durch Inklusion und Integration im Stadtteil vor besonderen Herausforderungen stehen, aber auch für Erzieher, die neue Fachkräfte ausbilden. Vor allem dürften Kitas davon profitieren, die in Stadtteilen wie Gröpelingen, Blumenthal oder Tenever liegen, wo viele Kinder Sprachförderung benötigen und Erzieher besonders stark in der Elternarbeit gefragt sind.

„Die Kolleginnen und Kollegen in den Kitas leisten eine sehr wichtige und großartige Arbeit, und das wollen wir als Senat nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten wertschätzen“, betonte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Auch Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) sagte: „Wir wollen die gestiegenen Anforderungen an die Erzieherinnen und Erzieher auch finanziell honorieren. Außerordentliche Belastungen sollen sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt machen.“

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Neben der besseren Bezahlung für einen Teil der Fachkräfte soll es zusätzliche Gelder geben, die in die Ausstattung von Kitas fließen, sagte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). 400 000 Euro stünden 2019 zur Verfügung, zum Beispiel für verbesserten Arbeits- und Gesundheitsschutz. Geplant seien „handfeste Maßnahmen, wie beispielsweise die Beschaffung ergonomischer Möbel und der Einsatz von Flüstertischen und Akustik-Decken für den Lärmschutz“.

„Die unterzeichnete Erklärung ist für uns ein großer Schritt, allerdings müssen die geplanten Veränderungen jetzt auch erst einmal umgesetzt werden“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Ingo Tebje. Er benennt, was die Veränderungen konkret bedeuten: Eine Berufseinsteigerin, die mit etwa 2600 Euro im Monat startet, soll künftig etwa 100 Euro pro Monat mehr bekommen.

Kritik bei freien Trägern von Kitas

Nach etwa 15 Jahren könnte die Höherstufung für knapp 500 Euro zusätzlich sorgen. Wie viele Erzieher in Bremen davon profitieren könnten, ist noch offen – dies müsse noch mit Finanzressort und kommunalem Arbeitgeberverband verhandelt werden, so Tebje. Er schätzt: Mehr als jede zweite Einrichtung von Kita Bremen könnte besondere Belastungen geltend machen. Die Verhandlungen sollen laut Verdi möglichst in diesem Jahr abgeschlossen sein.

Die angekündigte Gehaltsaufbesserung bei Kita Bremen stieß bei freien Trägern von Kitas auf Kritik: „Dieses Vorgehen würde eine erneute Ungleichbehandlung der Träger bedeuten“, sagt Arnold Knigge von der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände. „Wir erwarten, dass der Senat die finanziellen Voraussetzungen für alle Kita-Träger schafft, Erzieherinnen und Erzieher besser zu bezahlen.“

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Aus Sicht der Linksfraktion ist die Erklärung „ein Meilenstein in der Bremischen Kita-Entwicklung“, sagt Linken-Politikerin Sofia Leonidakis. Sie zeige, dass das Problem nun endlich beim Senat angekommen sei und beruhe auf einem langen Kampf für bessere Bedingungen in den Kindergärten. Langfristig müsse die Aufwertung aller Erzieherinnen-Stellen folgen, fordert die Linke.

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