Sprachcafés So helfe ich anderen Menschen beim Sprechen

Viele Menschen aus anderen Ländern wollen ihre deutsche Sprache verbessern. Sprachcafés sind eine gute Möglichkeit, sich selbst zu helfen oder andere Menschen zu unterstützen
07.06.2022, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Helke Diers

Rund 16.000 Wörter spricht ein Mensch am Tag, belegt eine Studie der Universität in Arizona. Sprache erleichtert den Alltag und Teilhabe, verbindet und schafft Identität. Eine Gelegenheit, Deutsch zu lernen, sind Sprachcafés. Hier sprechen Menschen, die Deutsch gut beherrschen, in zwangloser Atmosphäre mit Gästen, die ihr Deutsch verbessern wollen. Abseits von Lehrplänen geht es ums Kennenlernen, Sprechen und Austausch. Ehrenamtliche können sich bei verschiedenen Projekten engagieren, beispielsweise im SOS-Kinderdorf-Zentrum in der Neustadt oder beim Projekt Ankommen in Quartier (AiQ) im Familien- und Quartiers-Zentrum Neue Vahr Nord (FQZ).

Wie läuft ein Sprachcafé ab?

Ehrenamtliche regen Themen an, sprechen und hören zu. Manchmal bereiten sie auch kleine Spiele vor, erläutert Sylvia Schikker vom SOS-Kinderdorf-Zentrum. "Man schaut auch immer, was für Menschen an dem jeweiligen Tag kommen." Die Teilnehmenden hätten sowohl unterschiedliche Sprachniveaus und Bedürfnisse. Im Quartiers-Zentrum in der Vahr betreuen die Ehrenamtlichen des Sprachcafés verschiedene Tische, denen sich die Teilnehmenden je nach Sprachlevel zuordnen. Vorher kommt die gesamte Gruppe zusammen und spricht über ein gemeinsames Thema. Ostern, Feiertage oder Redewendungen könnten das beispielsweise sein. In den Kleingruppen brächten Teilnehmer selbst manchmal Einladungen oder Zeitungsausschnitte mit, sagt Dorit Andrea Lamprecht vom FQZ.

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Wer sind die Teilnehmenden?

"Das Sprachcafé ist ein Raum, in dem man Sprache nutzen und lernen kann. In dem Tempo, das man selbst hat: Ohne Vorgaben und ohne Curriculum. Hier entstehen Kontakte. Menschen aus dem Quartier lernen andere Menschen kennen, ihre eigenen Nachbarn und Nachbarinnen", sagt Lamprecht aus der Neuen Vahr Nord. Sylvia Schikker betont, das Sprachcafé sei offen für alle Nationalitäten. "Syrien, Afghanistan, Türkei, Ukraine - es ist sehr abwechslungsreich", sagt sie. Auch für bei Privatpersonen untergekommene Geflüchtete aus der Ukraine sei das Angebot eine gute Möglichkeit für einen gemeinsamen Besuch, vielleicht mit ihren Gastgebern, findet sie. Denn auch Deutsch-Muttersprachler sind willkommen.

Welche Sprachen sollten Interessierte sprechen?

Gutes Deutsch, sind sich Lamprecht und Schikker einig. Aber nicht zwingend auf erstsprachlichem Niveau. Es gehe ums Sprechen, nicht ums Aufsatz schreiben, sagt Schikker dazu. Weitere Sprachen sind möglicherweise hilfreich, aber nicht notwendig.

Was sollten Ehrenamtliche mitbringen?

"Interesse an anderen Menschen und Kulturen und Zuverlässigkeit", sagt Sylvia Schikker. "Und man sollte sich nicht scheuen, mit Händen und Füßen zu agieren." Eine soweit wie möglich vorurteilsfreie Haltung wünscht sich Lamprecht vom FQZ. Ein respektvoller Umgang mit anderen Menschen, Haltungen und Glaubensrichtungen sei wichtig. Die Ehrenamtlichen sollten Lust haben, mit anderen Menschen zu sprechen. "Und zuhören können. Es geht darum, andere zum Sprechen anzuregen", fügt sie hinzu.

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Wie viel Zeit braucht man?

"Wir freuen uns über jede Person, die Lust hat mitzumachen", heißt es aus der Neuen Vahr Nord. Das müsse nicht jede Woche sein, sagt Lamprecht. Die Termine dauern rund zwei Stunden. Das SOS-Kinderdorf-Zentrum sucht Ehrenamtliche für jeweils einen festen wöchentlichen Termin pro Woche für etwa zwei Stunden. Die Teilnehmenden würden manchmal gerne gezielt zu bestimmten Ehrenamtlichen gehen, schildert Schikker ihre Erfahrungen.

Wer sind die Ansprechpartner?

Für das Projekt Ankommen in Quartier (AiQ) ist Dorit Andrea Lamprecht zuständig. Telefon: 0421  84 78 94 56, E-Mail:doritandrea.lamprecht@afsd.bremen.de

Für das SOS-Kinderdorf-Zentrum ist Sarah Stoppe-Ramadan die Ansprechpartnerin. Telefon 0421 59712-15, E-Mail: ehrenamt.kd-bremen@sos-kinderdorf.de

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