Fragen und Antworten So laufen die Impfungen in Bremens Arztpraxen

Seit fast zwei Wochen wird bundesweit und damit auch in Bremen in den Arztpraxen gegen Covid-19 geimpft. Fragen und Antworten zum Ablauf, wie viel Impfstoff demnächst kommt und wer derzeit geimpft wird.
15.04.2021, 21:00
Lesedauer: 4 Min
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So laufen die Impfungen in Bremens Arztpraxen
Von Sabine Doll

In wie vielen Arztpraxen wird geimpft?

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) kann nur die Gesamtzahl für das Land Bremen aus der ersten Impfwoche nennen – danach waren es 230 Arztpraxen. "Tagesaktuelle Zahlen haben wir deshalb nicht, weil sich die Praxen nicht bei uns melden müssen", sagt KV-Sprecher Christoph Fox. "Diese fortlaufend aktualisierten Daten hätten wir natürlich gerne täglich, aber das Verfahren ist noch nicht optimal geregelt. Arztpraxen, die impfen wollen, bestellen den Impfstoff über die Apotheken – eine Meldepflicht an die KV oder die Gesundheitsbehörde gibt es nicht."

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Wie viele Bremerinnen und Bremer wurden seit dem 6. April in den Praxen geimpft?

Auch zu den Impfungen liegen der KV Bremen und der Behörde keine tagesaktuellen Meldungen vor – die aktuellste Zahl bezieht sich laut Fox auf die vergangene Woche, in der 10.200 Menschen in Bremer Arztpraxen geimpft wurden. Für diese Woche werde von einem ähnlichen Niveau ausgegangen. „Im Schnitt waren das 36 Dosen pro Praxis“, so der Sprecher. Täglich bis 23.59 Uhr müssen die Praxen über die Kassenärztliche Bundesvereinigung in Berlin an das Robert-Koch-Institut melden, wie viele Impfdosen verabreicht wurden – und wie viele an unter sowie über 60-Jährige. Weitere Informationen, ob es sich etwa um Patienten mit Vorerkrankungen, Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren, um Erst- oder Zweitimpfung handelt, gehören nicht zur Meldepflicht.

Impfen ausschließlich Hausärztinnen und Hausärzte?

Auch in Facharztpraxen kann laut Fox geimpft werden. „Dazu zählen etwa auch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Gynäkologen, Lungenärzte. Jeder, der im normalen Praxisbetrieb ist, darf grundsätzlich impfen.“

Wo kann man sich erkundigen, welche Praxen impfen?

Eine Liste gibt es nicht – unter anderem aus oben genannten Gründen. Das Impfen in den Arztpraxen ist zudem so geregelt, dass nicht die Patientinnen und Patienten sich melden sollen – die Praxen benachrichtigen die Impfberechtigten. Grund dafür: Die Priorisierung der Coronavirus-Impfverordnung gilt auch für die Arztpraxen – und der Impfstoff ist nach wie vor knapp. Unter bestimmten Voraussetzungen können sie in Einzelfällen abweichen – „die Entscheidung wird nach bestem ärztlichem Wissen und Gewissen getroffen, davon gehen wir aus“, so Fox.

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Wer wird derzeit in den Arztpraxen geimpft?

Laut KV sind das schwerpunktmäßig Personen der Priorisierungsgruppe 2 – wie in den Impfzentren auch. Wobei es eine Aufteilung zwischen den Zentren und Praxen innerhalb dieser Gruppe gibt: „In den Praxen werden vorwiegend Personen mit den für diese Stufe benannten Vorerkrankungen, immobile Patienten, pflegende Angehörige und sowie Kontaktpersonen von Schwangeren geimpft“, so Fox. In den Impfzentren zählen dazu die 70- bis 79-Jährigen sowie unter anderem bestimmte Berufsgruppen. Fox: „Wegen teilweiser Überschneidungen kann es sein, dass einige Personen aus dieser Gruppe zwei Einladungen erhalten oder bereits Geimpfte auch von ihrer Praxis benachrichtigt werden. Das ist dann einfach so, besser als anders herum.“ Demnächst soll laut dem Sprecher auch mit Impfungen in der Gruppe 3 begonnen werden.

Was ist, wenn der eigene Hausarzt nicht impft oder man gar keinen Hausarzt hat?

„Es ist eigentlich davon auszugehen, dass Menschen aus der Priorisierungsgruppe 2 mit Vorerkrankungen bei einem Haus- oder Facharzt in Behandlung sind. Die 70- bis 79-Jährigen gehören zudem zu der Gruppe, die von der Behörde für die Impfung in eines der Zentren eingeladen werden“, betont Fox. Impft der eigene Haus- oder Facharzt derzeit nicht, könne man bei anderen Praxen nachfragen und/oder den eigenen Arzt bitten, dabei behilflich zu sein. Dies gelte auch für pflegende Angehörige oder Kontaktpersonen, wenn sie keinen Haus- oder Facharzt haben – sofern sie nicht ohnehin in der Praxis des Pflegebedürftigen geimpft würden. „Wir gehen davon aus, dass demnächst so gut wie alle Hausarztpraxen in Bremen impfen und auch immer mehr Fachärzte“, so Fox. Im Land Bremen gibt es laut KV 264 Hausarzt-Praxen.

Womit impfen die Ärzte?

Seit dem Start nach Ostern wird bislang ausschließlich mit Biontech geimpft, ab der nächsten Woche soll Astra-Zeneca dazu kommen.

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Der Impfstoff von Astra-Zeneca wird nicht für unter 60-Jährige empfohlen. Dürfen Praxen trotzdem Menschen damit impfen, die unter 60 Jahre alt sind, wenn diese das künftig ausdrücklich möchten?

Fox: „Das ist möglich. Wir hätten aber trotzdem gerne eine klare Handhabe und Stellungnahme dazu vom Robert-Koch-Institut oder dem Bundesgesundheitsministerium.“

Was ist, wenn man über 60 Jahre alt ist, einen Termin für die Impfung mit Astra-Zeneca bekommt, diese aber ablehnt – bekommt man automatisch Biontech?

Wer einen Impftermin beziehungsweise Impfstoff ablehnt, muss sich laut KV „wieder hinten anstellen“. Heißt: „Dann ist die oder der nächste an der Reihe“, betont Fox. Derzeit gebe es keine Wahlmöglichkeit.

Wie wird mit Impfresten umgegangen?

Die Praxen bestellen laut dem KV-Sprecher einmal in der Woche Impfstoff. Anfang der folgenden Woche werde die bestellte Menge geliefert. „Zuvor wird er in den Apotheken aufbereitet und hat ab dann eine Haltbarkeit von fünf Tagen, dann tickt die Uhr. Es kommt vor, dass am Freitag einzelne Dosen übrig sein können. Soviel wir wissen, werden dann Patienten oder Beschäftigte bestimmter Berufsgruppen gezielt benachrichtigt – ansonsten gäbe es ja auch noch Patienten im Wartezimmer“, so Fox.

Wie viel Impfstoff bekommen die Praxen in den nächsten Wochen?

Laut einer Liste des Bundesgesundheitsministeriums werden an die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte bundesweit in der kommenden Woche 1.016.550 Impfdosen geliefert (462.150 Biontech und 554.400 Astra-Zeneca). In der Woche darauf sind es insgesamt 1.501.500 Dosen (1.158.300 Biontech und 343.200 Astra-Zeneca). Dem Vernehmen nach könnte die Liefermenge im Mai voraussichtlich auf bis zu drei Millionen Impfdosen steigen. Nach Auskunft der Gesundheitsbehörde kann für die Liefermenge an Bremer Praxen etwa ein Prozent angelegt werden.

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