Bislang im Besitz des Übersee-Museums Bremen gibt Gebeine an neuseeländische Völker zurück

Das Nationalmuseum von Neuseeland bekommt bald eine Sendung aus Bremen. Inhalt: rund zwei Dutzend Schädel und einige Skelette.
30.04.2016, 00:00
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Bremen gibt Gebeine an neuseeländische Völker zurück
Von Wigbert Gerling

Das Nationalmuseum von Neuseeland bekommt bald eine Sendung aus Bremen. Inhalt: rund zwei Dutzend Schädel und einige Skelette.

Das Nationalmuseum von Neuseeland bekommt bald eine Sendung aus Bremen. Inhalt: rund zwei Dutzend Schädel und einige Skelette. Es handelt sich um die menschlichen Überreste von Moriori und der Maori. Bei den Moriori handelt es sich um ein Volk polynesischer Herkunft, das etwa ab 1500 auf neuseeländischen Inseln siedelt. Die Maori hatten Neuseeland als erste Einwanderer besiedelt. Die Lieferung trägt als Absender das Übersee-Museum, wo die Gebeine lagern. Hintergrund ist der Wunsch des Te Papa Museums in Welligton, das sich mit Unterstützung des Staats Neuseeland gemeldet und um die Rückgabe gebeten hatte.

Von der Landesregierung wird erwartet, dass sie am Dienstag die Haltung des Museums unterstützt, damit die sterblichen Relikte an die Neuseeländer übergeben werden können. Zum Beschlusspapier gehört eine umfangreiche Darstellung der Historie, aus der hervorgeht, wie die Schädel und Skelette in die Hansestadt gekommen sind. Das Übersee-Museum, kommunal und als Stiftung organisiert, war 1896 eröffnet worden. Gründungsdirektor Hugo Schauinsland präsentierte Ausstellungen, die Wissenschaftler und interessierte Laien gleichermaßen ansprechen sollten. Seine Leitidee: „Die ganze Welt unter einem Dach“.

Museums-Chef Professor Schauinsland, so heißt es in der geschichtlichen Erläuterung für die Kabinettsberatung am Dienstag, habe gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts ausgedehnte Forschungsreisen unter anderem nach Neuseeland unternommen. Auf einer dieser Exkursionen habe er die Gebeine von Moriori auf Bestattungsplätzen „in aller Heimlichkeit in mondhellen Nächten“ ausgegraben. Dies gehe aus seinen Tagebuchaufzeichnungen hervor. Er habe gewusst, die Moriori seien strikt dagegen, dass Knochen ihrer Toten berührt oder gar mitgenommen würden.

Maori-Schädel seien Schauinsland später über einen Mittelmann angeboten und geschickt worden. Dies sei auch unter den Eingängen des Übersee-Museums verbucht worden. Die meisten dieser Knochen kommen nach Angaben in naturkundlichen Katalogen aus Höhlen – und genau dort hätten die Maori ihre Toten bestattet. Es liege der Verdacht nahe, dass die Schädel „ohne Einverständnis der Hinterbliebenen dort entfernt wurden“, heißt es in der historischen Zusammenfassung.

Vor gut zweieinhalb Jahren ging in Bremen die Post aus dem Te Papa Museum ein, das um eine Rückgabe der insgesamt 26 menschlichen Überreste bat. Als Reaktion, so heißt es in der Vorlage für die Sitzung der Landesregierung, habe das Übersee-Museum den Vorgang gemeinsam mit dem Kulturressort „umfassend ausgeforscht und aufbereitet“. Unter anderem juristische Prüfungen legten die Einschätzung nahe, dass der Staat Neuseeland der Eigentümer der Knochen sei. Er könnte demnach die Herausgabe dieser Museums-Bestände, darunter auch Unterkiefer, Beckenknochen und Wirbel, aus den bremischen Beständen verlangen. Allerdings sei dieser Fall, der auf Ausgrabungen und Ankäufe vor über hundert Jahren zurückgehe, inzwischen „lange verjährt“. Dennoch wäre es aus Sicht des Senats „unbillig“, auf Verjährung zu pochen und Neuseeland die Rückgabe zu verwehren. Und eine Verwendung der Gebeine zu Ausstellungszwecken verbiete sich ohnehin.

Die letzte Entscheidung fällt am Dienstag die Landesregierung. Und sie will mit ihrem Beschluss ausdrücklich auf das Argument der Verjährung verzichten. Die He-rausgabe, so heißt es, sei „eine freiwillige Geste“ Bremens.

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