"Gutes Parkhausangebot"

Bremen liegt bei Parkplätzen vorn

Laut einer Studie verbringen die Bremer weniger Zeit mit der Parkplatzsuche als Autofahrer in Berlin, Frankfurt oder Hamburg. Weniger Parkraum darf es laut Verkehrsexperten in Bremen trotzdem nicht geben.
26.09.2018, 21:57
Lesedauer: 3 Min
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Bremen liegt bei Parkplätzen vorn
Von Lisa-Maria Röhling

Die Parkplatzsituation in der Bremer Innenstadt und in einigen Stadtteilen bleibt weiterhin angespannt. Falschparker, die regelmäßig Gehwege und Kreuzungen blockieren und Fußgänger und andere Fahrer in Gefahr bringen, beschäftigen regelmäßig die Stadtbürgerschaft. Allerdings scheint die Situation nicht so schlimm zu sein wie in anderen Großstädten: Laut einer Studie verbringen die Bremer weniger Zeit mit der Parkplatzsuche als Autofahrer in Berlin, Frankfurt oder Hamburg.

Weniger Parkraum darf es laut Verkehrsexperten in Bremen trotzdem nicht geben. Nach der Untersuchung des Analyseunternehmens „Inrix“, das Daten aus dem Jahr 2017 auswertete, verbringen die Bremer jedes Jahr 49 Stunden damit, einen Parkplatz zu suchen. Pro Autofahrt brauchen sie sieben Minuten, um einen Straßenparkplatz zu erwischen und fünf Minuten, um einen Parkhausstellplatz zu finden.

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Zum Vergleich: Hamburger Autofahrer verwenden 52 Stunden pro Jahr auf die Parkplatzsuche, in Frankfurt am Main benötigen die Menschen sogar 65 Stunden. Allerdings liegen die zehn deutschen Großstädte immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt: Insgesamt verbringen die Deutschen 41 Stunden pro Jahr mit der Parkplatzsuche, sechs Minuten pro Fahrt bei Straßenstellplätzen, vier in Parkhäusern.

Dass Bremen verhältnismäßig gut bei der Studie wegkomme, sagt Gunnar Polzin, Abteilungsleiter im Verkehrsressort, liege am guten Parkhausangebot und den wenigen Staus im Innenstadtbereich. Außerdem sei das Verhältnis zwischen Parkplatzangebot und Einzelhandelsflächen ausgeglichen. Ganz anders sieht es allerdings in der östlichen Vorstadt, in Walle und der Neustadt aus. „Das Parkplatzproblem nimmt zu, der Druck durch die Innenstadtverdichtung steigt“, so Polzin. „Die Parkplätze sollten nicht reduziert werden.“

Fußgänger werden eingeschränkt

Ganze Straßenzüge in den Randbereichen seien vom sogenannten aufgesetzten Parken betroffen, bei dem Autofahrer die Gehwege versperren. Das beschränke die Fußgänger. „Bremen hat schmale Gehwege und ein Problem mit Barrierefreiheit“, erklärt der Experte. Das werde durch Falschparker nur verschlimmert. Allerdings müsse jeder Stadtteil einzeln bewertet werden.

In der Innenstadt sollen die Abschnitte des Verkehrsentwicklungsplans, die sich mit dem ruhenden Verkehr beschäftigen, Abhilfe schaffen: Die Höchstparkdauer am Straßenrand soll demnach verringert werden, sodass mehr Menschen in den Parkhäusern parken. Diese seien selbst an den Adventssonntagen nicht voll ausgelastet, sagt Polzin. Dort bestehe ein deutliches Überangebot an Pkw-Stellplätzen.

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Im Herbst soll die Umsetzung dieses Konzeptes im Senat und anderen Gremien diskutiert werden. Nach einem Beschluss könnte es schon im kommenden Jahr nach und nach umgesetzt werden, so Polzin. Auch durch Carsharing mit sogenannten Mobilpunkten soll der Parkdruck verringert werden.

Außerdem stellt Polzin eine Erhöhung der Parkgebühren in Aussicht, die seit 2006 nicht mehr gestiegen seien. Genaue Pläne dazu gebe es noch nicht. Ein weiteres Problem seien die kostenlosen Parkzonen am Rande der Innenstadt, die meist von berufsbedingten Pendlern belegten werden. Künftig sollen sie ermuntert werden, nicht mehr in Innenstadtnähe zu parken. Wie das aussehen könnte, ließ Polzin offen.

Konsequenter gegen Falschparker vorgehen

Obwohl sich Bremen in der „Inrix“-Studie verhältnismäßig gut schlägt, bleibt die Parkplatzsituation für die Bremer Politik ein Thema. „Verkehrssicherheit durch sicheres Parken erhöhen, Stadtteile von Parkdruck entlasten“ lautete der Antrag der Grünen- und der SPD-Fraktion, der am Dienstag in der Stadtbürgerschaft diskutiert wurde. Dabei standen zugeparkte Kreuzungsbereiche und Gehwege, die Rettungsfahrzeugen das Abbiegen erschweren und Fußgänger in Gefahr bringen, im Fokus.

Die Bürgerschaft beschloss deshalb, in Zusammenarbeit mit den Beiräten Kontrollschwerpunkte in den Stadtteilen auszumachen und konsequenter gegen Falschparker vorzugehen. Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) betonte allerdings in der Debatte: Werde künftig die Straßenverkehrsordnung rigoroser durchgesetzt, werde in einigen Straßenzügen möglicherweise gar nicht mehr geparkt werden können. Und das reduziere erneut den Parkraum.

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