Autos blockieren Wege

Hier ist die Parkplatzsituation in Bremen besonders schwierig

In einzelnen Stadtteilen in Bremen ist der Parkdruck besonders hoch. Hier blockieren Pkws Schul- und Rettungswege. Die Beiräte werden daher kreativ und versuchen, mit eigenen Ideen gegenzusteuern.
26.09.2018, 21:58
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten, Anne Gerling, Maren Brandstätter, Sigrid Schuer und Christian Hasemann
Hier ist die Parkplatzsituation in Bremen besonders schwierig

Nur eines von vielen Problemvierteln: In der Findorffer Brandtstraße reiht sich ein Auto ans andere.

Roland Scheitz

Auch wenn Bremen laut einer Studie des Analyseunternehmens „Inrix“ bei der Parkplatzsuche insgesamt gut abschneidet: In einzelnen Beiräten und Ausschüssen ist der Parkdruck immer wieder Thema. So sieht es in den einzelnen Stadtteilen aus:


Neustadt

Nachlässiges Parken, das dazu führt, dass Schulkinder Umwege über die Fahrbahn nehmen müssen oder Feuerwehrfahrzeuge nicht zum Einsatzort kommen – Situationen wie diese kommen in der Neustadt immer wieder vor. Der Beirat geht daher mit einer eigens ins Leben gerufenen Aktion gegen Falschparker vor. Mit Schreiben, die sie hinter die Scheibenwischer klemmen, machen Beiratspolitiker die Autobesitzer nicht nur darauf aufmerksam, dass sie eine Ordnungswidrigkeit begehen, sondern auch, dass sie die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer gefährden.


Östliche Vorstadt

Die Parkplatz-Situation ist in der Östlichen Vorstadt ein viel diskutiertes Thema. Während im Viertel seitens der Anwohner die Nachfrage nach mehr Parkfläche seit langem groß ist, spitzt sich die Situation im neuen Hulsberg-Quartier zu. So befürchtet der Beirat, dass das geplante Klinik-Parkhaus nicht genügend Platz bieten wird und die Bewohner des neuen Viertels auf die umliegenden Quartiere ausweichen könnten. Um das zu verhindern, müsste, so die Forderung der Nachbarn, das Parken dort künftig kostenpflichtig sein.

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Mitte

Die Geschäftsleute in der City betonen immer wieder, dass für ihre Kundschaft Park-and-Ride-Lösungen kaum Sinn machen würden, da diese einfach auf keine Resonanz stoßen. Die Beobachtung der Einzelhändler: Die Kundschaft möchte so nah wie möglich mit ihren Autos an die Geschäfte heranfahren können. Durch den möglichen Abriss des Parkhauses-Mitte könnten in der Innenstadt weitere Flächen wegfallen.


Osterholz

Angespannt ist die Situation in Osterholz, besonders um das Klinikum Bremen-Ost herum. Bis 2016 konnten dort Besucher und Mitarbeiter auf dem weitläufigen Parkplatz kostenfrei ihre Autos abstellen, diese Gelegenheit nutzten auch viele Anwohner. Seit damit Schluss ist und eine Schranke die Ausfahrt nur denjenigen gestattet, die auch zahlen, hat sich die Situation in den angrenzenden Straßen verschlimmert, berichten Anwohner. Betroffen ist davon beispielsweise die Etelser Straße, die der Schulweg vieler Kinder ist. Der Beirat Osterholz hat den gesamten Schulweg nun mit Mitteln aus seinem Stadtteilbudget umbauen lassen: Poller sperren jetzt die Gehwege für die Kinder ab.

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Schwachhausen

Wenngleich das Thema Parkdruck im gesamten Stadtteil allgegenwärtig ist und in aller Regel auch die Themenliste des Verkehrsausschusses dominiert, so gibt es dennoch ein paar Hot Spots: Zum einen das Areal zwischen Hollerallee und Schwachhauser Ring, das zuletzt im Zuge der Ausbaupläne des St.-Joseph-Stifts für hitzige Diskussionen im Beirat sorgte. Zum anderen beklagt der Integrationsausschuss seit längerer Zeit das Parkverhalten vieler Autofahrer rund um die Wachmannstraße, da es hier insbesondere für Menschen mit Gehbehinderung zu massiven Einschränkungen komme. Insgesamt betrachtet gilt etwa die Hälfte aller als Parkplatz genutzten Flächen in Schwachhausen als illegal, aber geduldet.


Walle

Insbesondere in Walles jüngsten Ortsteil, der Überseestadt, ist das Wort „Parken“ inzwischen zum absoluten Reizwort geworden. Regelmäßig blockieren hier Fahrzeuge Flächen und Wege. Der Parkdruck ist hoch. Grund dafür sind die zahlreichen Berufspendler, aber auch die Bewohner der vielen Neubauten. Dabei gibt es an gleich mehreren Stellen neue Parkhäuser. Diese allerdings stehen deutlich sichtbar überwiegend leer – viele Autofahrer bevorzugen ganz offensichtlich kostenfreie Unterbringungsmöglichkeiten für ihre Fahrzeuge. Dementsprechend suchen Ortspolitiker, Wohnungsunternehmen und Firmenleitungen zunehmend genervt nach Wegen, um die Autos in die Parkhäuser zu zwingen. Mit dem geplanten Neubau der Berufsschule für Großhandel, Außenhandel und Verkehr (BS GAV) könnten ab Sommer 2021 noch mehr Autos die Überseestadt ansteuern.

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Vahr

Im Bremer Südosten kann die Suche nach einem Parkplatz ebenfalls länger dauern. Zwar sind die Straßen besonders in der Vahr nicht so eng wie beispielsweise im Ostertor- und Steintorviertel, aber die Planer der Parkflächen gingen in dem von Geschosswohnungsbau geprägten Viertel von deutlich weniger Autos aus. Gerade in der hochverdichteten Neuen Vahr kann die Parkplatzsuche besonders in den Abendstunden lange dauern.


Findorff

Besonders genervt sind in Findorff die Anwohner des Wohnviertels, das direkt an die Bürgerweide grenzt. Die Problematik ist dort unübersehbar: Ohnehin schmale Gehwege werden so zugeparkt, dass Fußgänger sich mitunter nur mit Mühe einen Durchgang verschaffen können. Nicht nur zu Freimarkt- und Osterwiesenzeiten, sondern auch bei vielen anderen Veranstaltungen auf der Bürgerweide bewegen sich Autokarawanen auf der Suche nach kostenfreien Parkplätzen durch die Wohnstraßen. Der Beirat versucht gegenzusteuern, doch weder die Einrichtung einer temporären Spielstraße noch die Einführung von Bewohnerparken oder die Umkehrung von Einbahnstraßen konnten bislang als Patentrezepte überzeugen.

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