Umfrage zur Bürgerschaftswahl "Bremen muss sich entscheiden" - Reaktionen auf die Sonntagsfrage

Der aktuellen Wahlumfrage im Auftrag des WESER-KURIER zufolge liefern sich SPD und CDU in Bremen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bremer Politikerinnen und Politiker reagieren mit Kampfgeist auf das Ergebnis.
08.02.2019, 10:04
Lesedauer: 5 Min
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Von Alice Echtermann

Für die Bremer CDU ist der Fall klar. „Wir fühlen uns durch das Zwischenergebnis der Umfrage bestätigt. Rot-Grün hat abgewirtschaftet. Es gibt in der Bevölkerung den Wunsch nach Erneuerung“, erklärte der Landesvorsitzende Jörg Kastendiek. Nach der am Freitag veröffentlichten Umfrage des WESER-KURIER liegt die CDU mit 25 Prozent vor der SPD (24 Prozent). Ein Ergebnis, das dreieinhalb Monate vor der Bürgerschaftswahl denkbar knapp ausfällt, aber viel Spannung verspricht. Aus den Reaktionen der Bremer Spitzen deutet sich etwas an, was lange Zeit als überholt galt: ein Lagerwahlkampf.

„Wir müssen noch Gas geben und kämpfen, damit wir Rot-Grün ablösen können“, erklärte CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp. Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder hat bereits seine Sympathie für eine sogenannte bürgerliche Koalition aus CDU, Grünen und FDP erkennen lassen: Jamaika an der Weser.

Auch die FDP buhlt um die Grünen. „Ich hoffe, dass die Grünen im Falle eines Falles so vernünftig sind und sich für eine realistische Politik entscheiden“, appelliert Landeschef Hauke Hilz.

Nur die Grünen können zufrieden sein

Die SPD kontert und schielt eher auf ein linkes Bündnis. Laut der repräsentativen Umfrage von Infratest-Dimap liefe es im Moment vermutlich auf eine rot-rot-grüne Koalition hinaus. Andreas Bovenschulte, SPD-Bürgermeister in Weyhe und Kandidat für die Bürgerschaft, drängt Grüne und Linke zu einem klaren Votum. Sie müssten sich entscheiden, ob sie „einen Schwarzen auf dem Chefsessel sehen wollen – oder diesmal doch lieber SPD wählen“. Noch deutlicher wird Falk Wagner, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Stadt: „Bremen wird sich erstmals aktiv entscheiden müssen: Senat links oder rechts der Mitte.“

Auch Miriam Strunge von den Linken wirbt für eine Anti-CDU-Allianz. „Rot-Rot-Grün ist deutlich beliebter als Jamaika und auch vor der Groko!“, twitterte die junge Abgeordnete.

Laut der Erhebung könnten die Grünen zum entscheidenden Faktor bei der Wahl werden. Für eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition dürfte es laut der Umfrage nicht reichen. Ein rot-rot-grünes Bündnis käme auf 55 Prozent. Eine Jamaika-Koalition könnte eine knappe Mehrheit erhalten. Entsprechend groß war am Freitag der der Jubel bei den Bündnisgrünen. „Yeah, motivierende Momentaufnahme. Wir Grüne sind deutlich drittstärkste Kraft“, erklärte die Ökopartei.

Nur die Grünen können mit dem Umfrageergebnis vollends zufrieden sein. Meyer-Heder nimmt das Ergebnis für die CDU vor allem als Ansporn. „Die Richtung stimmt und motiviert uns – darauf ausruhen werden wir uns aber nicht“, erklärte der Seiteneinsteiger. Auch die Reaktionen aus der SPD klingen vorsichtig optimistisch. Obwohl die Partei auf das schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte zusteuern könnte, sieht sie keinen Grund zur Panik. „Die Umfrage zeigt, dass wir auch in diesen bundespolitisch schwierigen Zeiten den ‚Bremer Abstand‘ von fast neun Prozent zu den Bundesergebnissen der SPD halten“, erklärte Bürgermeister Carsten Sieling. Mit dem Ergebnis sieht er die „gute Arbeit“ der Bremer SPD bestätigt.

Linke zeigen sich zufrieden

Ob Jamaika nach der Wahl eine Option ist, hängt nach gegenwärtigem Stand vor allem von der FDP ab. In der Umfrage kommen die Liberalen auf sechs Prozent. Hilz ist optimistisch: „Da ist noch Luft nach oben. Wenn wir einen beherzten Wahlkampf führen, ist ein zweistelliges Ergebnis erreichbar.“

In ähnlicher Lage sieht sich die AfD, die auf acht Prozent kommt. „Im Moment ist solch eine Umfrage relativ wenig aussagekräftig, bis zum Wahltag fließt noch viel Wasser die Weser runter“, sagte Spitzenkandidat Frank Magnitz. Er hat sich ein zweistelliges Ergebnis für die AfD zum Ziel gesetzt.

Trotz Verluste gegenüber der WESER-KURIER-Umfrage vom Mai 2018 zeigten sich die Linken zufrieden. Strunge twitterte: „Linke stabil mit 13 Prozent. Ein sehr guter Wert im Westen!“ Spitzenkandidatin Kristina Vogt analysierte das Umfrageergebnis etwas skeptischer. Mit 38 Prozent erreicht Rot-Grün immer noch die größte Zustimmung der möglichen Koalitionen. Vogts Kommentar: „Das entspricht meiner Küchenempirie: Viele, die mich auf der Straße ansprechen, sind zwar frustriert oder enttäuscht, aber Wechselstimmung schlägt mir nicht entgegen.“ Genau die sieht CDU-Chef Kastendiek aber durch das Ergebnis bestätigt: „Die Menschen wünschen sich den Wechsel.“

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