Aussteigerin im Interview „Bremen sollte nicht klein beigeben“

Ursula Meschede nennt die Zeugen Jehovas eine Sekte, die bewusst ganze Familien zerstöre, wenn Mitglieder aussteigen wollen.
23.08.2015, 00:06
Lesedauer: 2 Min
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Frau Meschede, für die Anhörung in Bremen haben Sie seinerzeit Aussteiger der Zeugen Jehovas vermittelt. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht den Beschluss der Bürgerschaft, der Religionsgemeinschaft den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts zu verweigern, für null und nichtig erklärt. Muss Bremen sich in dieser Frage also geschlagen geben?

Ursula Meschede: Auf keinen Fall, Bremen sollte dran bleiben.

Aber die meisten anderen Bundesländer haben diesen Schritt inzwischen vollzogen. Weil sie keine andere Wahl hatten?

Ach was. Die sind einfach alle blind dem Berliner Beispiel gefolgt, dass diese Sekte als erstes Land anerkannt hat. Baden-Württemberg beispielsweise verweigert sich hartnäckig und ist damit bisher gut gefahren. Auch Bremen hat sich sehr viel Mühe gegeben, diese Anhörung damals war eine gute Sache. In anderen Ländern hat man darauf verzichtet, sich in dieser Form über Jehovas Zeugen zu informieren.

Sagten Sie „Sekte“?

Ja, Sekte. Sie stellt sich nach außen ganz anders dar, als sie nach innen hin ist. Ich bekomme im Schnitt ein, zwei Anrufe pro Tag von Leuten, die aussteigen wollen. Aber ein Ausstieg geht in der Regel mit einem sozialen Tod einher, weil diese Menschen durch ein Kontaktverbot alle sozialen Bindungen verlieren. Da werden bewusst ganze Familien zerstört, werden Kinder hin- und hergerissen. Das ist ein Spagat, den viele nicht hinbekommen. Ich habe gerade eine Frau beraten, die deswegen Selbstmord begehen wollte.

Waren Sie selbst Zeugin Jehovas?

Nein, ich war Gymnasiallehrerin, hatte aber Schüler und Schülerinnen, die Zeugen Jehovas waren.

Es sind ja nicht wenige Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – Zuflucht in obskuren Gruppen suchen. Haben die Zeugen Jehovas viel Zulauf?

Nach meiner Beobachtung nimmt er zurzeit eher stark ab, etliche Gemeinden haben sich angeblich schon aufgelöst. Das liegt vermutlich an der Aufklärung, die wir und andere betrieben haben und betreiben. Hilfreich sind auch Internetblogs wie bruderinfo.de, der von unserem Verein ins Leben gerufen wurde und über den sich Betroffene austauschen.

Was raten Sie Bremen in der jetzigen Situation?

Ich hoffe sehr, dass sie nicht klein beigeben. Manches, was bei den Zeugen Jehovas passiert, ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Da muss man einhaken.

Zur Person: Ursula Meschede hat Ende der 1990er Jahre den Verein Ausstieg mit Sitz in Karlsruhe mit gegründet. Die Adresse der Webseite: www.ausstieg-info.de

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