40 Fälle bislang in Bremen Wie sich die Corona-Mutationen in Bremen ausbreiten

Im Land Bremen sind bislang 40 Fälle von Corona-Mutationen nachgewiesen, bundesweit liegt der Anteil bei sechs Prozent. Behörden gehen von einem Anstieg aus - und fordern ein gezieltes Schutzkonzept.
10.02.2021, 05:00
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Von Sabine Doll und Timo Thalmann

An diesem Mittwoch beraten die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit der Kanzlerin über die Corona-Pandemie und mögliche Lockerungen. Im Blick ist vor allem die Ausbreitung von Mutanten. „Die Lage hat sich verändert, die Mutationen sind jetzt ganz klar die Drohkulisse. Es ist davon auszugehen, dass sich die Zahl der Fälle erhöhen wird“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Die Empfehlung des Fachressorts für die Videokonferenz der Länderchefs sei, dass Lockerungen derzeit noch nicht möglich seien. „Das ist auch Grundkonsens im Senat“, so der Sprecher.

In der Stadt Bremen gibt es laut der Behörde bislang 20 Nachweise von Infektionen mit Mutanten – ausschließlich der Variante B.1.1.7, die erstmals im Dezember in Großbritannien nachgewiesen wurde. Vier Infektionen seien auf eine Familie begrenzt, drei weitere auf eine Wohngemeinschaft, die restlichen seien Einzelfälle.

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In Bremerhaven wurden unter den 178 Infektionsfällen der vergangenen sieben Tage ebenfalls 20 Ansteckungen mit mutierten Coronaviren gefunden, wie der Magistrat mitteilt. Davon können 18 den zwei Ausbrüchen bei den Tiefkühlkost-Produzenten Frosta und Deutsche See zugeordnet werden. Für zwei Proben liegt der Nachweis der exakten Variante vor, bei der es sich wie in Bremen um die britische Mutation B.1.1.7 handelt. Die übrigen Proben werden derzeit im Labor der Berliner Charité ausgewertet.

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Seit Anfang vergangener Woche werden im Land Bremen alle positiven Corona-Proben in einem ersten PCR-Test auf die drei bekannten Mutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien untersucht. Dabei handelt es sich um Varianten einer im Kern gleichen Veränderung des Coronavirus, in allen drei Fällen ist das gleiche Protein des Virus betroffen. Deswegen ist es in einem ersten sogenannten Zieltest relativ einfach möglich, die Mutation zu entdecken. Um die genaue Variante herauszufinden, bedarf es einer umfassenden Untersuchung des Virus-Genoms.

Variante B.1.1.7 in 13 Bundesländern nachgewiesen

Etwa 600 Zieltests hat es laut Fuhrmann bislang in Bremer Laboren gegeben. „Fünf bis zehn Prozent aller Positiv-Ergebnisse werden für eine Vollgenomsequenzierung an Speziallabore geschickt, wo auf andere noch nicht bekannte Varianten untersucht wird.“ Seit dem 19. Januar ist dies in einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums verpflichtend geregelt.

Auch bundesweit breitet sich laut Robert-Koch-Institut (RKI) derzeit vor allem die britische Variante B.1.1.7 aus. Sie sei in 13 Bundesländern nachgewiesen, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Ihr Anteil mache 5,8 Prozent aus, die Häufigkeit der Nachweise habe zugenommen. Die Mutante dominiere das Infektionsgeschehen nicht. „Wir müssen aber damit rechnen, dass sich der Anteil weiter erhöht.“

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Diese Einschätzung teilt auch der Bremer Virologe Andreas Dotzauer, er begründet dies mit der höheren Ansteckungsrate. „Der Reproduktionswert ist größer, von einem Infizierten werden statistisch mehr Menschen angesteckt.“ Laut RKI ist der sogenannte R-Wert um 0,5 höher. Bei einem Wert von 1 würden 100 Infizierte im Schnitt 100 weitere Menschen anstecken, bei B.1.1.7 wären es 50 mehr. Die Varianten lieferten dem Virus einen „Boost“, einen Verstärker.

Die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung sagte im „Spiegel“ kürzlich, der Wettlauf gegen die Mutationen sei auch in Deutschland längst verloren, niemals könnten genügend Menschen geimpft werden, „bevor die Mutanten durchschlagen“. Sie warnte ausdrücklich vor Lockerungen. Auch der Bremer Virologe sieht dazu aktuell keinen Anlass.

Dotzauer plädiert für Aufrechterhaltung der Schutzmaßnahmen

So „schwarz“ wie seine Kollegin sehe er die künftige Entwicklung aber nicht, auch wenn sich die Mutanten weiter ausbreiteten: „Wenn es uns gelingt, die Schutzmaßnahmen aufrechtzuerhalten und an entscheidenden Stellen zu verschärfen, können wir eine dramatische Steigerung verhindern“, sagt Dotzauer. Für Infizierte müsse eine strikte Quarantäne von drei Wochen gelten. Konsequente Schutzkonzepte müsse es vor allem auch in Einrichtungen wie Pflegeheimen geben. „Zum Glück sind die Impfungen dort schon fortgeschritten.“

Die Quarantäne-Vorschriften in Bremen sind laut Behördensprecher Fuhrmann bei Mutationsfällen verschärft worden. „Es gilt eine vollständige 14-tägige häusliche Isolierung, die nicht verkürzt werden kann – auch für die Kontaktpersonen.“ Zudem werde am Ende der Quarantänezeit erneut per PCR-Verfahren getestet, auch dies gelte für die Kontaktpersonen.

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