Schule Ronzelenstraße in Horn

Bremen will eine Eliteschule des Sports

Die Schule Ronzelenstraße in Horn benötigt für den Status als Eliteschule beim Deutschen Olympischen Sportbund zwingend ein Internat. Aber die Finanzierung der Idee ist schwierig.
13.04.2018, 21:27
Lesedauer: 3 Min
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Bremen will eine Eliteschule des Sports
Von Jörg Niemeyer
Bremen will eine Eliteschule des Sports

Thriathlon Team der Oberschule Ronzelenstraße: Damit es noch mehr Bilder solcherart geben kann, braucht Schule ein Internat.

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Der Blick auf die Deutschlandkarte mit den Standorten der Eliteschulen des Sports verrät: Der Nordwesten der Republik ist ein großer weißer Fleck. Das soll sich ändern, möglichst bald sogar. Die Sportbetonte Schule Ronzelenstraße in Horn, die zum Schuljahr 2000/01 ihre erste Klasse mit 18 Kadersportlern eingerichtet hat und aktuell 275 Sportler unterrichtet, bemüht sich beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) um die Beförderung zur Eliteschule. Politik und Sport wollen solch eine Einrichtung. Doch die Umsetzung der Idee ist schwierig, weil zum Beispiel unklar ist, wie teuer sie wäre und wer sie bezahlen sollte.

In fast allen Bundesländern gibt es Eliteschulen, nur in Bremen und Schleswig-Holstein nicht. Insgesamt sind es derzeit 43. Sie dienen der Förderung junger Leistungssportler und sind so konzipiert, dass Schüler intensiv trainieren können, ohne dass ihre Ausbildung darunter leidet. Der Unterricht ist individuell angepasst, Freistellungen der Schüler für Lehrgänge und Wettkämpfe sind kein Problem. Falls nötig, werden sie auf Reisen von Lehrern begleitet.

Seit Jahren leidet Bremen unter der für Topathleten unzureichenden Infrastruktur, zu der neben intakten Sportanlagen, Leistungszentren und Bundesstützpunkten mit qualifizierten Trainern auch ein Schulangebot gehört, das das Ausüben von Leistungssport ermöglicht. Das Bundesland bringt regelmäßig große Talente wie die Sportgymnastin Julia Stavickaja, den Schwimmer Florian Wellbrock oder den Volleyballer Julian Hoyer hervor.

Eliteschulen brauchen Internat

Sie gingen in Horn zur Schule, mussten ihre Heimat jedoch verlassen, um den letzten Schritt in die Spitze zu schaffen. Eine Eliteschule des Sports würde den Bremer Aktiven das Bleiben erleichtern und hätte wohl auch eine Sogkraft auf Talente aus anderen Bundesländern. Aber: Eliteschulen müssen zwingend über ein Internat verfügen, für das in der Stadt bislang nur Pläne existieren.

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„Wir brauchen bis zum 1. Februar 2019 eine Perspektive, wo wir Sportler unterbringen“, sagt Harald Wolf. Der Koordinator Leistungssport der Schule Ronzelenstraße drückt auf das Gaspedal, um die positive Grundstimmung für dieses Projekt ausnutzen zu können. „Die Schülerzahlen im Stadtteil steigen um bis zu 20 Prozent“, sagt Schulleiterin Hermi Auner. Daher müsse die Schule in den kommenden Jahren ausgebaut werden. „Dann könnte man hier an Ort und Stelle auch ein Internat platzieren.“

„Die Thematik Sportinternat ist in Bremen aktuell wohl im wahrsten Sinne des Wortes die größte Baustelle“, sagt Sven Baumgarten, der beim DOSB das Projekt Duale Karriere für Spitzensportler leitet und die Bemühungen in Bremen verfolgt. „Die Schule macht im Bereich der Unterstützung des Leistungssports einen guten Job“, sagt er. Baumgarten verweist auf solide Ergebnisse unter anderem im Wettbewerb Jugend trainiert für Olympia und herausragende Ergebnisse in der Rhythmischen Sportgymnastik. Da die Schule zudem schon seit zehn Jahren Leistungssportler individuell fördere und es ihrer Einschätzung nach nur noch einiger Feinjustierungen bedürfe, sehen Wolf und Auner gute Chancen für die Beförderung zur Eliteschule.

Kurzfristige Lösung gesucht

Weil ein Erweiterungsbau in der Ronzelenstraße derzeit aber gar nicht geplant ist, benötigt die Schule eine andere, auch von Wolf gewünschte kurzfristige Lösung. Sie könnte in einem „Haus der Athleten“ liegen. Es fußt auf einer Idee des Hockey-Trainers beim Bremer HC, Martin Schultze, die auch von Sportsenatorin Anja Stahmann (Grüne) unterstützt wird.

Der BHC plant auf seinem Gelände am Heinrich-Baden-Weg in Oberneuland einen Neubau, der auch Wohnraum für auswärtige Sportler vorsieht. Der BHC und die Schule Ronzelenstraße stehen schon lange in engem Austausch, sodass das „Haus der Athleten“ das Internat für die Schule werden könnte. „Das Projekt wird konkret verfolgt“, bestätigt Stahmanns Sprecher Bernd Schneider, „aber es befindet sich noch auf der Ebene der Vorgespräche.“ Etliche Fragen sind noch offen. So muss neben der Finanzierung auch geklärt werden, wer die Trägerschaft des Hauses übernimmt, in dem die Betreuung von Jugendlichen 24 Stunden am Tag gewährt sein muss.

Schultze vermutet, dass sein Projekt frühestens 2020/21 umgesetzt sein wird. So lange möchte Harald Wolf nicht warten, er schlägt daher eine Übergangslösung vor: die Unterbringung von Sportlern in einer Unterkunft, die für Flüchtlinge nicht mehr benötigt wird. „Dann könnten wir im Schuljahr 2019/20 als Eliteschule des Sports starten.“

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