Neues Themenjahr beginnt

Bremen will sich als Stadt der Wissenschaft profilieren

Als Stadt der Wissenschaft will sich Bremen im Jahr 2020 profilieren. Zum Auftakt erläuterte Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) im Universum die Zielsetzung.
22.01.2020, 20:10
Lesedauer: 3 Min
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Bremen will sich als Stadt der Wissenschaft profilieren
Von Frank Hethey
Bremen will sich als Stadt der Wissenschaft profilieren

Wissenschaft leicht gemacht: der zehnjährige Len mit einem Exponat, das die Flugkurve zum Thema hat.

Christina Kuhaupt

Mit dem neuen Jahr fängt für Bremen auch ein neues Themenjahr an. Standen 2019 noch die Stadtmusikanten im Mittelpunkt, so soll Bremen 2020 als Stadt der Wissenschaft glänzen. Unter dem Motto „Phänomenal 2020 – Bremen entdecken. Wissen erleben“ stehen bis zum 27. September rund 200 Veranstaltungen mit mehr als 100 Partnern auf dem Programm. Dabei geht es um die gesamte Bandbreite erlebbarer Wissenschaft. Den Anfang macht die Sonderausstellung „Real not Fake – wie Wissenschaft funktioniert“ im Universum.

Zum Start des neuen Themenjahres wies Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) am Mittwoch auf den Erfolg der beiden vorangegangenen Themenjahre hin. „Es erzielt gute Effekte auch außerhalb Bremens, wenn wir uns fokussieren“, sagte Vogt bei einer Pressekonferenz im Universum. Mit der Wissenschaft stehe eine der Bremer Kernkompetenzen im Mittelpunkt. Als Wissenschaftsstandort mit mehr als 60 Forschungseinrichtungen werde Bremen sehr beneidet.

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Zwar habe Bremen schon jetzt neben Hamburg und Berlin eine sehr vitale Start-Up-Szene und leistungsstarke Forschungseinrichtungen. Als Beispiele nannte Vogt die Meereswissenschaften, die Materialwissenschaften und Forschungen zur Künstlichen Intelligenz. „Außerdem ist Bremen der größte Raumfahrtstandort in Europa.“ Doch es gibt einen Wermutstropfen: „Das ist bloß nicht überall bekannt.“

Diesem Manko soll mit dem neuen Themenjahr zur Wissenschaft abgeholfen werden. Dass es das Ergebnis intensiver Vorarbeit war, machte Peter Siemering deutlich, Geschäftsführer für Marketing und Tourismus der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). „Wir haben eine langfristige Strategie“, betonte Siemering, dessen Team das Themenjahr in enger Zusammenarbeit mit weiteren Behörden, Wissenschafts- , Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Unternehmen koordiniert. Die Themenjahre sind demnach ein integraler Bestandteil des Landestourismuskonzepts 2025. Die Marke Bremen müsse im Marketing eine noch größere Rolle spielen, so Siemering. „Wir wollen viel mehr auf die Marke Bremen setzen.“

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Drei Zielgruppen hat Bremen mit dem Themenjahr im Blick: Touristen, vor Ort Studierende als zukünftige Arbeitskräfte und nicht zuletzt die eigene Bevölkerung. Wobei Vogt ein besonderes Augenmerk auf die Studierenden legt. Rund 33 000 junge Menschen seien an der Universität und den Hochschulen eingeschrieben. Ein Drittel stamme aus Bremen, ein weiteres Drittel aus der Umgebung, der Rest aus dem übrigen Bundesgebiet. „Das sind potenzielle Fachkräfte. Die Frage lautet: Wie schaffen wir es, dass diese zwei Drittel, die nicht aus Bremen kommen, in Bremen bleiben?“ Günstige Berufsaussichten sind Vogt zufolge ein Anreiz. „Bremen ist der Standort der kurzen Wege.

Das heißt, man kann hier sehr schnell Karriere machen.“ Davon profitiere auch das kulturelle Leben. Die Folge: „In Bremen leben junge Leute gern.“ Als erste deutsche „Stadt der Wissenschaft“ konnte sich Bremen bereits 2005 profilieren. An den positiven Schub von damals wollen die Macher des neuen Themenjahres anknüpfen. Wie man sich das praktisch vorzustellen hat, verdeutlichte Herbert Münder, Geschäftsführer der Universum Managementgesellschaft. Geht es in der Auftaktausstellung des Themenjahres doch darum, Pseudowissenschaften auf die Schliche zu kommen, die sich unter dem Deckmantel echter Wissenschaft verstecken. Als besonders krasses Beispiel nannte Münder die Flat Earth-Theorie – die Ansicht, nach der die Erde eine flache Scheibe sei.

„Seit ein paar Jahren wird so etwas wieder akzeptiert.“ Dafür macht Münder manipulierte Aktivitäten in den sozialen Netzwerken verantwortlich: sich als menschlich ausgebende Computerprogramme („Bots“) oder Provokateure („Trolle“), die Diskussionen systematisch in eine bestimmte Richtung lenken. „Diese Trolle und Bots führen dazu, dass der öffentliche Konsens untergraben wird.“ Doch vermeintliche Gewissheiten lassen sich entlarven. Wie leicht Zusammenhänge hergestellt werden können, die es in Wahrheit gar nicht gibt, können Ausstellungsbesucher anhand eines kleinen Experiments nachvollziehen.

Auf transparenten Tafeln sind die Umsätze von US-Spielhallen in den Jahren 1999 bis 2009 sowie die Anzahl der Promotionen im Fach Informatik im gleichen Zeitraum verzeichnet – die Kurven sind fast deckungsgleich, die Abweichungen liegen im Toleranzbereich. „Da gibt es eine Korrelation, aber keinen kausalen Zusammenhang“, erklärt Universum-Chef Münder. Genauso wenig wie zwischen der abnehmenden Population von Störchen und der zurückgehenden Geburtenrate.

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