Heißer Sommer, leere Tanzflächen Bremer Disko-Betreiber klagen über fehlende Gäste

Leere Tanzflächen reißen im ungewöhnlich heißen Sommer ein Loch in die Kassen der Bremer Clubbetreiber. Einige von ihnen klagen nun über Freiluftpartys und fehlende Unterstützung aus der Politik.
23.07.2018, 20:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Jenny Häusler

Sommer, Sonne, Sonnenschein – die Bremer können sich in diesem Jahr nicht über ungewöhnlich frühe und heiße Tage beklagen. Doch während sich viele über das gute Wetter freuen, wünscht sich so manch ein Club- und Diskothekenbetreiber wieder kältere Tage herbei. Denn während auf den Freiluftpartys ausgelassen gefeiert wird, bleiben die Tanzflächen in den Diskotheken am Wochenende überwiegend leer.

Der erst im Februar wieder eröffnete Römer-Club im Viertel hat als Konsequenz daraus eine Sommerpause eingelegt. „Für das Römer ist das der erste Sommer und wir haben schon damit gerechnet, dass weniger los sein wird. Doch dass es so schnell ging, hat uns alle überrascht“, sagt DJ-Booker Sebastian Syeren. Zugute kommt dem Römer nun die Nachtinale. Diese ist Teil der Breminale, die am Mittwoch beginnt: Zum ersten Mal werden einige Clubs, darunter neben dem Römer auch die MS Treue, das Modernes und der Tower Musikclub, mit in das Programm einbezogen. Dort wird nun auch – vor allem am Wochenende – offiziell weitergefeiert, wenn am Osterdeich längst Schluss ist.

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Olli Brock, Betreiber des Tower Musikclubs am Herdentorsteinweg, begrüßt die erstmalige Einbindung in die Breminale. „Seit Jahren plädiere ich schon dafür, dass die Clubs mehr integriert werden sollen. Hier ist nun der erste Schritt getan, und es gibt schon weitere Ideen und geplante Gesprächstermine für das nächste Jahr“, sagt Brock. Während das Römer im Sommer geschlossen bleibt, betreibt Brock den Tower auch an heißen Tagen. Das Wegbleiben der Gäste merkt auch er. Zwar würde er dieses einkalkulieren, sagt er, doch dass es in diesem Jahr über eine so lange Periode warm und regenfrei ist, mache es für ihn als Clubbetreiber noch schwerer, die Gäste in den Club zu locken.

Auch die immer größer werdende Zahl an Freiluftpartys, die sich aus Sicht von Brock von kleinen zu immer größeren und angesagten Veranstaltungen entwickelt haben, machen ihm nach eigenen Angaben das Leben schwer. Er fände es begrüßenswert, würde es Clubs oder kommerziellen Veranstaltern von den Behörden leichter gemacht, wenn diese alternativen Partys oder Veranstaltungen außerhalb der Läden veranstalten wollten. „Mir sind die Clubs bei der ganzen politischen Unterstützung für die Outdoor-Szene zu sehr in Vergessenheit geraten“, sagt Brock.

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Erst im vergangenen Jahr hat die Bremische Bürgerschaft die Regeln für die Freiluftpartys angepasst, um das Verfahren für private Veranstalter praxistauglicher zu machen. So wurde beispielsweise die Höchstgrenze von 300 Teilnehmern aufgehoben und die maximale Anzahl der Flächen, auf denen die Freiluftpartys pro Jahr veranstaltet werden dürfen, von fünf auf sieben angehoben. Miriam Strunge, kulturpolitische Sprecherin der Linken, versteht den Ärger der Clubbetreiber, fügt aber hinzu, dass sich dieser Ärger nicht gegen die Freiluftpartys richten sollte. Aus Strunges Sicht wurde das Freiluftpartygesetz lediglich an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst. „Wir können und wir wollen nicht verbieten, dass junge Menschen den öffentlichen Raum auch für Freiluftpartys nutzen“, sagt sie.

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Auch Sükrü Senkal, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, findet, dass man die Freiluftpartys nicht mit dem regulären Clubbetrieb vergleichen sollte. „Diese Partys erzielen keinen Gewinn und sind keine direkten Mitbewerber zu kommerziellen Anbietern“, sagt er. Sie seien Teil der Subkultur, die durch eine Lockerung des Freiluftpartygesetzes gefördert werden sollte. Für Senkal sind die Clubs ein zentraler und wichtiger Teil der Ausgehkultur. Deshalb seien konkrete Schritte geplant, die den Betreibern die Arbeit erleichtern sollen: Unter anderem wolle man sich das bremische Gaststättengesetz ansehen und es mit Regelungen anderer Länder wie etwa Niedersachsen vergleichen.

Die Betreiber des Römers wollen ihre Sommerpause indes produktiv nutzen. So wird unter anderem umgebaut, wie Betreiber Till Wijnen sagt. Weil sich Nachbarn in der Vergangenheit über Lärm beschwert hatten, soll es zum Beispiel eine bessere Dämmung geben. „Die Dinge, die wir in den ersten Monaten gelernt haben, können wir jetzt für uns organisatorisch optimieren und verbessern.“

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