Lokale und Clubs Wandel im Viertel: Viele Neueröffnungen in den nächsten Wochen

Die einen kommen, die anderen gehen: Traditionelle Locations wie das "Rotkäppchen" oder das Bistro Brazil sind von der Bildfläche im Bremer Viertel verschwunden, doch die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern.
21.07.2018, 17:24
Lesedauer: 4 Min
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Von Jenny Häusler

Geschirr klirrt und der Duft von frisch gekochter Suppe und Eintöpfen weht durch die Luft. Wo vorher noch die Fensterscheiben abgeklebt waren und ein großer „Coming Soon“-Schriftzug schon versprach, dass hier am Körnerwall 1 bald was Neues entstehen wird, ist inzwischen nichts mehr von einer Baustelle zu erkennen. Der Suppen- und Eintopfladen „Soups and Stew“ hat erst in der vergangenen Woche eröffnet. Wo zuvor ein Rollo-Imbiss ansässig war, werden jetzt neben frischen Suppen und Eintöpfen auch hausgemachte Eistees angeboten.

Alle Rezepte selbst entwickelt

Die Betreiber Aida Farhadi und Sammai Kuestner haben das Konzept und die Rezepte zusammen mit einem Kollegen entwickelt. Großes Gewicht legen sie auf die Vielfalt der Speisepalette. "Wir haben ganz klassische Suppen, wie eine Tomaten- oder Erbsensuppe im Angebot. Wer es ein bisschen exotischer mag, für den bieten wir beispielsweise Suppen mit Reisnudeln und Kürbis, oder auch einen Eintopf mit Kokosmilch und grünen Bohnen an“, sagt Aida Farhadi. Sie hat alle Rezepte selber ausgetüftelt. Besonders stolz sind die beiden auf ihre selbst gemachte Brühe, ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe. Sie legen auch besonders viel wert darauf, dass alles mit natürlichen Zutaten gekocht wird und täglich frisch ist, so Kuestner. Neben Suppen wird es samstags und sonntags ein Frühstücksangebot geben.

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Auch anderswo tut sich was in der Gastroszene. Wo bis vor kurzem noch das Rotkäppchen-Café stand, sind jetzt nur noch die Grundmauern zu erkennen. Nachdem das Kultlokal an der Humboldtstraße im April seinen Abschied gefeiert hat, kaufte es der Gastronom und Unternehmer Reza Najmehchi, der auch schon das El Mundo in Walle betrieben hat.

Derzeit finden dort Sanierungsarbeiten statt, die sich aber aufgrund der noch nicht erteilten Baugenehmigung der Stadt Bremen in die Länge ziehen, wie Najmehchi berichtet. „Der Name Rotkäppchen als solches soll bestehen bleiben. Wir planen dort ein Restaurant und Café mit einer zeitlosen und modernen Einrichtung." Die Küche und die Speisen, die dort in Zukunft aufgetischt werden sollen, sollen sich ebenfalls an einer modernen Richtung orientieren. Wann genau das Rotkäppchen wieder aufmachen wird, kann der Unternehmer zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Neues gibt es auch aus dem Eventbereich zu vermelden. Nachdem der Club Moments im Viertel im März vergangenen Jahres geschlossen hat, regt sich seit einigen Monaten wieder was in der bisher leer stehenden Partylocation. Dem einen oder anderen Passanten wird das neue Schild, das seit einigen Wochen über dem Laden hängt, schon aufgefallen sein. In großen Buchstaben ist dort der neue Name des Clubs "Amélie" zu lesen. Zukünftig wird der Club von Nassim Benallegue und einem Partner betrieben werden. Beide haben zuvor Partys in Bremen und Hamburg organisiert, kommen aber eigentlich aus dem Dokumentarfilmer-Bereich.

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Nach einem längeren New York-Aufenthalt mit Einblicken in die dort ansässige Club- und Barszene fiel den künftigen Betreibern auf, dass in New York Menschen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten zusammen feiern. „Ein Geschäftsmann, der sich in einem Club eine Flasche Wodka für 5000 Euro bestellt, feiert dort mit einem Studenten zusammen, der sich gerade mal ein Bier für 3,50 Euro leisten kann“, sagt Nassim Benallegue.

Von New York inspiriert

Das Konzept gefiel den beiden so gut, dass sie es nun in Bremen in ihrem Club umsetzen wollen. Wichtig ist den beiden, dass der Club eine Kulturstätte bleibt. So wird es dort neben regelmäßig stattfindenden Partys, auf denen Musik wie Hip-Hop und Elektro gespielt werden soll, auch Theater und Kunst geben, sagt Benallegue. Auch seien größere Veranstaltungen in Planung. Die Eröffnung des Amélies planen Benallegue und sein Partner im vierten Quartal dieses Jahres.

35 Jahre war das Bistro Brazil am Ostertorsteinweg ansässig und galt bei vielen Bremern als Kultkneipe. Ende Mai stand Barkeeper und Besitzer Shunil Hossain zum letzten Mal hinter der Bar. Aus gesundheitlichen Gründen musste er die Bar aufgeben. Nachdem die Zukunft des Standorts lange ungewiss war, häufen sich jetzt die Gerüchte, dass dort ein Ableger des Blauen Fasan, einer Bar an der Schlachte, aufmachen wird. Der Name Bistro Brazil wird wohl nicht bestehen bleiben, die Betreiber suchen bereits über Facebook einen neuen Namen, den sich die User ausdenken dürfen. Wann genau die Bar eröffnen wird, steht noch nicht fest. Doch da der Blaue Fasan in seinem Facebook-Beitrag schreibt, dass sich die Bauarbeiten langsam dem Ende zuneigen, kann man davon ausgehen, dass dort bald am Barhocker Platz genommen werden kann.

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Neben vielen neuen Läden, die im Ostertor entstehen, musste Anfang Juli der Laden Stehhübsch Außer der Schleifmühle schließen. Seitdem sucht die ehemalige Betreiberin Maren Bley einen Nachmieter. Bley betrieb den Laden als zweites Standbein, sie konnte neben ihrem Hauptberuf als selbstständige Unternehmensberaterin und Dozentin die Öffnungszeiten alleine nicht mehr abdecken. Über ihren Online-Shop, den sie über die Plattform Etsy betreibt, verkauft sie noch weiter ihre selbst gemachte Wohndeko mit maritimem Flair. "Leider geht der Trend zum Onlineshopping. Die Kunden haben keine Lust mehr loszufahren, lieber wird bequem am PC bestellt", sagt Bley. Auch ist Stehhübsch weiterhin auf diversen Märkten vertreten, wie dem Kajenmarkt am 28. Juli. Ihre Shabby-Chic-Kreidefarben-Workshops wird sie auch weiter anbieten. Die finden ab sofort bei ihr Zuhause in Stuhr statt.

Weitere Informationen

Die Öffnungszeiten sind mittwochs und donnerstags von 11 bis 19 Uhr, freitags und samstags von elf bis 24 Uhr und sonntags von elf bis 17 Uhr. Montags und dienstags bleibt das Soups and Stew geschlossen.

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