Unwetter Verzögerung wegen Sturmwarnung: Bremer Freimarkt wieder geöffnet

Sturmtief "Ignatz" hat in Deutschland viele Schäden verursacht und für Chaos im Zugverkehr gesorgt. Auch am Freitag sind die Folgen in Bremen zu spüren: Der Freimarkt öffnete mit Verzögerung.
22.10.2021, 15:27
Lesedauer: 5 Min
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Von fjf/sha/ba/dpa

Der erste Herbststurm des Jahres sorgt in Bremen auch am Freitag noch für Einschränkungen: Der Freimarkt blieb am Freitag – wie schon am Vortag – vorerst geschlossen und öffnete nach einer Neubewertung der Wetterlage durch das Wirtschaftsressort des Senats erst um 15.30 Uhr. Am Donnerstag hatte das Volksfest auf der Bürgerweide erst am 16 Uhr geöffnet.

So ganz ging dem Tief „Hendrik II“ auch am Freitag noch nicht die Puste aus. Die nach Skandinavien abziehenden Windböen waren in den deutschen Küstengebieten noch zu spüren. Dementsprechend sagte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für den Norden und die Mitte Deutschlands erneut Böen oder Sturmböen voraus, dazu einzelne Gewitter im Laufe des Tages.

Die Tiefs "Ignatz" und "Hendrik" hatten am Donnerstag in weiten Teilen Deutschlands Schäden und ein Chaos im Zugverkehr verursacht. Das Sturmfeld umfasste laut Deutschem Wetterdienst (DWD) das gesamte Bundesgebiet. Starker Wind und orkanartige Böen ließen am Donnerstag zahlreiche Bäume umstürzen, sie kippten auf Schienen und Straßen. Polizei und Feuerwehren rückten zu Hunderten Einsätzen aus. In mehreren Bundesländern wurden Menschen verletzt.

Für Bremen, Bremerhaven und die gesamte Nordseeküste warnte das  Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vor einer Sturmflut mit Wasserständen von 1,50 Meter über dem mittleren Hochwasser.

"Ignatz" und "Hendrik" verursachten in Niedersachsen und Bremen bereits am Donnerstagmorgen einige Schäden. In Worpswede stieß nach Feuerwehrangaben ein Linienbus mit einem umgestürzten Baum zusammen. Ein entgegenkommendes Auto kollidierte ebenfalls mit dem Baum. Verletzt wurde niemand. In Delmenhorst war bereits am Mittwochabend ein Mann von einem herabstürzenden Ast getroffen, aber nur leicht verletzt worden, wie die Polizei mitteilte. In Niedersachsen wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern registriert, so auf der Nordseeinsel Spiekeroog und in Hameln (Landkreis Hameln-Pyrmont).

Der erste Herbststurm habe insbesondere im Harz gewütet, teilte der DWD mit. Auf dem Brocken seien Windgeschwindigkeiten um die 150 Kilometer pro Stunde gemessen worden. Für einige Stunden fiel dort sogar das Messgerät aus, sodass der Wind nach DWD-Angaben vermutlich noch stärker gewesen sein dürfte. Die Harzer Schmalspurbahnen hatten den Verkehr auf der Brockenstrecke bereits am Mittwochnachmittag eingestellt.

Ein umstürzender Baum im niedersächsischen Wolfsburg verfehlte nur knapp eine 20-Jährige, die gerade aus dem Auto stieg. Ein Ast traf sie jedoch am Kopf, sie kam in eine Klinik. Eine 22-Jährige gab an, ihr Wagen sei auf der A31 von einer Windböe erfasst worden. Die Frau verlor die Kontrolle und kam von der Fahrbahn ab, ihr Auto überschlug sich und blieb auf der Fahrerseite liegen - sie kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

An der Küste Niedersachsens lief der Fährverkehr indes weitgehend uneingeschränkt. Lediglich kleinere Schnellfähren, etwa zur Insel Norderney, fielen aus – und auch bei den Fähren zwischen Wangerooge und Harlesiel wurden mehrere Verbindungen wegen zu erwartenden höheren Wasserständen abgesagt, teilte die Bahn mit, die den Fährverkehr dort betreibt.

"Schneise der Verwüstung" bei Kiel

In Schwentinental bei Kiel richtete ein Wirbelsturm schwere Schäden an. Feuerwehr-Einsatzleiter Kai Lässig berichtete, er habe den Rüssel des Wirbelsturms selbst gesehen. Der Sturm habe im Ort eine „Schneise der Verwüstung“ auf etwa 100 Metern Breite hinterlassen. Ob der Deutsche Wetterdienst (DWD) den Sturm als Tornado einstuft, werde geprüft, wenn Meldungen dazu eingegangen seien, sagte ein Sprecher.

Mehrere Häuser seien schwer beschädigt worden, berichtete Lässig weiter. Bäume seien umgestürzt und hätten Autos unter sich begraben. Verletzte gab es nach seinen Angaben nicht. Der Sturm sei gegen 7.30 Uhr aus Richtung Kiel durch den Ort gezogen. Er habe unter anderem Gartenhäuser, Wintergärten und Gewächshäuser zerstört.

Ende September hatte ein Tornado in Kiel mehrere Menschen ins Wasser gespült. Der Sturm war über die Kiellinie – eine beliebte Promenade am Ufer – gezogen. Vier Menschen wurden dabei nach Angaben der Feuerwehr schwer verletzt. Drei hätten zudem mittelschwere Verletzungen erlitten, mehrere Menschen seien leicht verletzt worden.

In Hessen fiel auf einer Landstraße ein Baum auf ein fahrendes Auto, der 58-jährige Fahrer wurde schwer verletzt. In Thüringen erfasste ein Ast das Auto eines Fahrers, der dann ebenfalls ins Krankenhaus musste. Ein Radfahrer in Sachsen-Anhalt wurde von einem umfallenden Baum verletzt und deswegen stationär behandelt. Ein 17-jähriger Motorradfahrer in Mecklenburg-Vorpommern wurde ebenfalls verletzt. Mehrere Menschen wurden durch umgestürzte Bäume in ihren Autos eingeklemmt.

In Nordrhein-Westfalen stellte die Deutsche Bahn zeitweise den Fernverkehr ein. Erst nach mehr als drei Stunden rollten ab dem Nachmittag wieder Schnellzüge auf den wichtigen Strecken von Hamburg oder Berlin. Auch im Regionalverkehr gab es Verspätungen und Beeinträchtigungen durch Äste oder andere Gegenstände auf den Gleisen und in den Oberleitungen.

Zoos und andere Einrichtungen geschlossen

In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stellte die Deutsche Bahn zeitweise den Regionalverkehr ganz ein. Wie lange es dauern würde, bis der Schienenverkehr wieder reibungslos laufe, war laut einer DB-Mitteilung vom Nachmittag zunächst nicht absehbar. Die Bahn schaltete eine kostenlose Sonderhotline unter der Nummer 08000 996633.

Auch in Rheinland-Pfalz rückten Feuerwehr und Polizei zu vielen Einsätzen aus.  Bei Kastellaun riss der Sturm ein Rotorblatt eines Windrades ab, die Polizei Mayen berichtete von einem „Trümmerfeld im Umkreis von etwa 150 Metern“. 

In vielen Städten wie Rostock, Leipzig und Osnabrück wurden Zoos und andere Einrichtungen geschlossen, teils wegen der alten und hohen Baumbestände. Auch Parks und Gärten wie in Dresden und Friedhöfe wie in Chemnitz und Erfurt wurden sicherheitshalber gesperrt, geplante Bestattungen und Trauerfeiern fielen aus. In Köln wurde ein Teil des Dom-Vorplatzes gesperrt. „Vorsicht Steinschlag“ war auf Warnschildern zu lesen.

Auch in den Nachbarländern Tschechien und Frankreich wütete der Sturm und sorgte für Polizeieinsätze und Zugausfälle. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Vielerorts ließ der Sturm am Donnerstagnachmittag nach. In Bremen und Niedersachsen muss laut Wetterdienst trotzdem bis zum Freitagabend mit teils schweren Sturmböen gerechnet werden. „Das Hauptsturmfeld ist nun schon nach Osten abgezogen, Richtung Mecklenburg-Vorpommern und Ostsee raus. Es bleibt aber stürmisch“, sagte DWD-Meteorologe Karsten Kürbis am Donnerstag. 

Sturmtief "Hendrik" folgt auf "Ignatz"

Für die Nordsee werde der Sturm am Freitag noch mal zunehmen. „Da erwarten wir morgen erst den Höhepunkt des Windes.“ Für den Herbststurm seien insgesamt mehrere Tiefdruckgebiete verantwortlich. Mittlerweile habe Sturmtief „Hendrik“ das Sturmtief „Ignatz“ abgelöst, sagte Kürbis.

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