Gesundheit Nord in Turbulenzen

Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu

Der Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord befindet sich wirtschaftlich auf Talfahrt. Das für 2018 eingeplante Defizit wird wohl noch deutlich höher ausfallen. Eine neue Finanzchefin soll den Trend brechen.
18.10.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu
Von Jürgen Theiner
Bremer Kliniken steuern auf Rekorddefizit zu

Die Küchenmitarbeiter der Geno befinden sich schon jetzt am unteren Rand der Einkommensskala. Für neu Eingestellte soll es künftig noch weniger Geld geben.

Frank Thomas Koch

Dem städtischen Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) droht für das laufende Jahr ein katastrophales finanzielles Ergebnis. Die ohnehin schlechte Prognose für das operative Geschäft in Höhe von minus 9,9 Millionen Euro wird voraussichtlich negativ unterboten, und zwar deutlich. Im schlimmsten Fall könnte sich das Minus nach Informationen des WESER-KURIER in Richtung von 20 Millionen Euro bewegen. Das Unternehmen bestätigt dies nicht, Sprecherin Karen Matiszick sagt lediglich: „Wir müssen befürchten, dass das Defizit höher ausfallen könnte, als bisher geplant.“

Insidern zufolge war insbesondere der Monat September für die Geno ein Schlag ins Kontor, nicht zuletzt infolge schlechter Personalsteuerung. Auf Betreiben der Geschäftsführung sei die vergleichsweise teure Leiharbeit in diesem Monat drastisch zusammengestrichen worden. Das blieb offenbar nicht ohne Folgen für die Funktionsfähigkeit der einzelnen Häuser. An mehreren Standorten mussten zeitweise Stationen geschlossen werden, auf denen dann in der Folge auch keine Erträge erwirtschaftet werden konnten. „Geplante OPs wurden verschoben, in Einzelfällen mussten auch Notfallpatienten weitergeschickt werden“, sagt ein Geno-Kenner. Kehre sich die Entwicklung nicht kurzfristig um, werde der Klinikverbund mit seinen vier Häusern in Mitte, Ost, Nord und Links der Weser zusätzlich zum bereits eingeplanten Verlust in Höhe von 9,9 Millionen Euro weitere rund 10 Millionen Miese einfahren.

Ein solches Ergebnis wäre in der Tat dramatisch, denn seit 2014 hatte es die Geno Jahr für Jahr geschafft, beim operativen Ergebnis – also den Zahlen vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – ein bescheidenes Plus zu erwirtschaften. Im Jahresergebnis stand dann trotzdem jeweils ein zweistelliger Millionenverlust zu Buche, weil hohe Verbindlichkeiten die Geno drücken, insbesondere durch den Neubau des Klinikums Mitte. Wenn jetzt bereits das operative Ergebnis so deutlich in den roten Bereich abrutscht, ist das ein Alarmzeichen ersten Grades.

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In dieser angespannten Situation holt Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt nach Informationen des WESER-KURIER nun eine neue kaufmännische Geschäftsführerin an Bord. Heike Penon gehörte bisher für die Arbeitgeberseite dem Aufsichtsrat des städtischen Klinikverbundes an. Sie ist Finanzmanagerin beim Bremer Stahlproduzenten Arcelormittal, hatte bisher allerdings keine beruflichen Stationen in der Krankenhauswirtschaft. Aus dem Gesundheitsressort des Senats gab es am Mittwochabend eine Bestätigung für die Personalie. Abteilungsleiter Uwe Schmid kündigte an, die 55-Jährige werde ihr Amt in der Geno-Geschäftsführung zum 1. Januar antreten. Dass Penon bisher keine Erfahrungen im aktiven Klinikmanagement habe, sei kein Hindernis. „Mit den Finanzen im Krankenhausbereich verhält es sich nicht grundlegend anders als auf anderen Wirtschaftsfeldern“, begründete Schmid die von seiner Behörde getroffene Auswahl.

Unterdessen rumort es in der Belegschaft der Gesundheit Nord nicht nur wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage. Für Unmut sorgen Pläne der Geschäftsleitung, weitere Arbeitsplätze außerhalb der medizinischen und pflegerischen Bereiche in eine Tochtergesellschaft der Geno auszugliedern, die deutlich geringere Löhne zahlt. In die Gesundheit Nord Dienstleistungen GmbH wurden bereits in einer ersten Welle die Mitarbeiter der Reinigung, des Sicherheitsdienstes und Teile der Logistik ausgegliedert. Nun sollen die Küchenmitarbeiter folgen. Den vorhandenen Beschäftigten wurde ihr Besitzstand zwar garantiert, neu eingestellte Arbeitnehmer sollen allerdings deutlich geringer entlohnt werden. Bei den Küchenkräften könnte das eine monatliche Differenz von rund 400 Euro bedeuten.

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Mit ihren Plänen befindet sich die Geno-Spitze auf Kollisionskurs zum Betriebsrat. Thomas Hollnagel, Vorsitzender Mitarbeitervertretung am Klinikum Mitte, kündigt bereits an: „Wir werden das nicht akzeptieren.“ Er fordert die Politik zum Eingreifen auf. „Mit den Löhnen, die bei der Tochtergesellschaft gezahlt werden, ist für viele Beschäftigte Altersarmut programmiert. Das kann nicht im Sinne des Senats sein“, meint Hollnagel.

Geno-Sprecherin Karen Matiszick verweist auf die angespannte Lage des Klinikkonzerns. „Natürlich ist das nichts, was Spaß macht“, sagt sie mit Blick auf die geplanten Verlagerungen weiterer Arbeitsplätze in die Tochtergesellschaft. Die Gesundheit Nord sei angesichts der ungünstigen geschäftlichen Zahlen jedoch gezwungen, alle Einsparungsmöglichkeiten ernsthaft zu prüfen. „Wir stehen mitten in einem Veränderungsprozess“, so Matiszick.

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