Neubau von Bremer Klinikum

Klinikum Bremen-Mitte: Erste Patienten ziehen im Mai um

Bislang war im Zusammenhang mit dem Umzug in den neuen Gebäudekomplex des Klinikums Mitte immer von Ende des Jahres die Rede. Für die Technik trifft das zu, die ersten Patienten werden aber später umziehen.
16.09.2018, 20:56
Lesedauer: 3 Min
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Klinikum Bremen-Mitte: Erste Patienten ziehen im Mai um
Von Jürgen Theiner
Klinikum Bremen-Mitte: Erste Patienten ziehen im Mai um

Seit sieben Jahren wird am neuen Gebäudekomplex des Klinikums Mitte gebaut, die Kosten liegen aktuell bei 350 Millionen Euro.

Christina Kuhaupt

Im Neubau des Klinikums Mitte (KBM) werden die ersten Patienten voraussichtlich in der zweiten Maihälfte 2019 behandelt. Das ist der neueste Stand der Planungen und das bedeutet: Die Inbetriebnahme des Gebäudekomplexes an der Bismarckstraße wird sich ein weiteres Mal verzögern. Der Betriebsrat des KBM hält selbst das jetzt genannte Datum für überaus ehrgeizig. Er geht davon aus, dass die zur Jahreswende beginnende Erprobungsphase der Krankenhaustechnik und -logistik länger dauern wird, als die Planer beim Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) annehmen. Man müsse schon „von grenzenlosem Optimismus beseelt sein“, um von einem Umzug der Patienten im Mai kommenden Jahres auszugehen, sagt Betriebsratsvorsitzender Thomas Hollnagel.

Das Datum Mitte Mai findet sich in einem Newsletter, den die Geno-Spitze am Mittwoch an die Mitarbeiter verschickt hat. Baulich werde der Klinikkomplex Ende des Jahres weitestgehend fertiggestellt sein. „Im Januar 2019 werden wir mit der klinischen Inbetriebnahme beginnen. Damit starten dann auch die konkreten Umzugsvorbereitungen“, heißt es in der Belegschaftsinformation.

High-Tech im Krankenhausbetrieb

Dazu gehöre das Anfahren zahlreicher technischer Systeme. „Außerdem werden wir in der Phase der klinischen Inbetriebnahme die IT-Hardware installieren, die medizintechnischen Geräte einbauen, die Räume mit Möbeln ausstatten, die Schränke mit Medicalprodukten und Apothekengütern füllen und die letzten Einweisungen in die Gebäudehaustechnik abschließen“, schreibt die Geno ihren Beschäftigten. Auch ein fahrerloses Transportsystem für Verbrauchsmaterial wird dann in Betrieb genommen. Sobald all das geschehen ist und sich die Technik eingespielt hat, müssen noch behördliche Abnahmen erfolgen und Nutzungsgenehmigungen erteilt werden. Erst danach kann mit der Verlagerung der Patienten aus den Altbauten begonnen werden.

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Klaus Beekmann hat also eine stressige Zeit vor sich. Der Krankenhausmanager aus Augsburg übernimmt zum 1. Oktober in der Geno-Geschäftsführung den Bereich Infrastruktur und Technologien. Sein Vorgänger Robert Pfeiffer verlässt just in diesen Tagen, in denen seine Umzugsplanungen auf ihre Bewährungsprobe zusteuern, den Klinikverbund und geht in Rente.

Gebaut wird an dem gewaltigen neuen Krankenhauskomplex seit sieben Jahren. 230 Millionen Euro sollte er ursprünglich kosten, rund 350 Millionen sind es aktuell, und packt man die erforderlichen Investitionen in neue Medizintechnik oben drauf, landet man bei mehr als 400 Millionen Euro. In der Planungsphase war von einer Fertigstellung im Jahr 2014 die Rede.

Gravierende finanzielle Konsequenzen durch Verzögerung

Dass das Projekt seinem Zeitplan inzwischen um Jahre hinterherhinkt, ist nicht einfach nur misslich, die Verzögerung hat für den Klinikverbund auch gravierende finanzielle Konsequenzen. Denn ein Hauptargument für den Neubau waren stets die Effizienzgewinne, die man sich von der räumlichen Konzentration der medizinischen Einheiten versprach, die zurzeit noch auf diverse Altbauten auf dem riesigen Gelände an der St.-Jürgen-Straße verteilt sind. Beziffert wurden die Einsparungen auf etwa 450 000 Euro pro Monat. Eine um mehr als vier Jahre verspätete Indienststellung bedeutet also, dass der Geno ein zweistelliger Millionenbetrag durch die Lappen gegangen ist. Viel Geld für einen Klinikverbund, der seit Jahren finanziell am Stock geht.

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KBM-Betriebsratschef Hollnagel hat den steten Wechsel des Verkündens und Wiedereinkassierens von Eröffnungsterminen über die Jahre verfolgt. Es ist also kaum verwunderlich, wenn er dem jetzt genannten Datum Mai 2019 mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnet. Die Verlegung der Patienten könne schließlich erst erfolgen, wenn der im Januar einsetzende Übungsbetrieb tatsächlich reibungslos klappt. „Wenn die Patienten erst mal da sind, ist es schließlich zu spät zum Nachbessern“, sagt Hollnagel.

Er denkt dabei zum einen an die hochkomplexe Digitaltechnik, von der man kaum erwarten könne, dass sie auf Anhieb reibungslos funktioniert. Sorgen bereitet ihm aber auch die Kliniklogistik, also der Nachschub an Arzneien, Sterilgut, Kleidungsstücken und sonstigem Verbrauchsmaterial. Um die Baukosten in Grenzen zu halten, war bei der Planung des Neubaus auf größere Lagerflächen weitgehend verzichtet worden. So ist etwa die Apotheke größtenteils ins Güterverkehrszentrum im Niedervieland ausgelagert worden. Ob die Anlieferung von dort problemlos funktionieren wird, muss sich noch zeigen.

Unterdessen nimmt der sogenannte Springer-Pool für Pflegekräfte, den die Geno für ihre vier Häuser in Mitte, Nord, Ost und Links der Weser aufbauen wollte, allmählich Gestalt an. Diese Reserve soll den Klinikverbund unabhängiger von teurer Leiharbeit machen. Nach Darstellung von Unternehmenssprecherin Karen Matiszick konnten inzwischen 23 Krankenschwestern und Pfleger eingestellt werden. Bis Jahresende sollen es 34 sein. „Das scheint zu klappen, uns liegen weitere Bewerbungen vor“, so Matiszick.

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