Corona-Maßnahmen an Bremer Berufsschulen Distanzunterricht für Berufsschüler soll geprüft werden

Eine Vereinbarung zwischen Berufskammern und Bildungsressort zum gezielten Verzicht auf Präsenzunterricht in Bremen findet bundesweites Interesse. Berufsschüler fordern jetzt aber weitergehende Optionen.
25.11.2020, 05:00
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Distanzunterricht für Berufsschüler soll geprüft werden
Von Timo Thalmann

Unabhängig von den jeweils geltenden Regelungen zur Quarantäne profitieren Bremer Berufsschüler vor Zwischen- und Abschlussprüfungen von einer Sondervereinbarung. Zwei Wochen vor ihrem Prüfungstermin sind sie vom Präsenzunterricht befreit. Damit soll verhindert werden, dass ein Infektionsfall mit Corona in der Berufsschule die Schüler in häusliche Isolation zwingt und sie ihren Prüfungstermin versäumen. Denn die Handels- wie auch die Handwerkskammer kann in den meisten Fällen keine Nachschreibtermine anbieten. Der Grund: Die Prüfungen sind zumeist überregional oder bundesweit einheitlich und parallel. Im Ernstfall könnte sich die Ausbildung darum um ein halbes Jahr verlängern, bis wieder zentrale Prüfungstermine angeboten werden.

Diese Bremer Regelung hat nach Auskunft der Handelskammer das Interesse in anderen Regionen Deutschlands gefunden. Unter anderem in Frankfurt und Stuttgart wollen die Kammern das Modell den dortigen Bildungsbehörden vorschlagen wollten. Die Bremer Handelskammer hat mit Einverständnis des Bildungsressorts das Modell allen Kammern in Deutschland zur Verfügung gestellt. „Offenbar mit großem Erfolg“, sagt Anette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde.

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Zugleich gibt es weiterhin grundsätzliche Diskussionen über die Präsenzpflicht insbesondere von Berufsschülern. Mehrere Ärzte haben ihre Sorge geäußert, dass ihre Auszubildenden zu Medizinischen Fachangestellten vor einer Entdeckung Infektionen in die Praxen tragen, wo sie trotz aller Hygienemaßnahmen direkten Kontakt zu Risikogruppen haben. Ähnliche Sorgen haben auch andere Unternehmen in diversen Schreiben an die zuständigen Kammern und die Bildungsbehörde geäußert. Doch als verbreitetes Problem wird das von den Angeschriebenen nicht betrachtet. Die Handelskammer äußert in ihren Antworten dafür zwar ebenso Verständnis wie das Bildungsressort. Beide weisen jedoch darauf hin, dass Infizierungen mit Covid-19 in Berufsschulen statistisch signifikant bislang nicht nachgewiesen wurden. Bei etwa 26.000 Berufsschülern in Bremen gebe es aktuell gut 100 Corona-Infektionen und daraus resultieren derzeit 350 Quarantänefälle. Das Infektionsgeschehen spiele sich vor allem im privaten Bereich ab.

Dass es dabei allerdings fließende Übergänge gibt, machen jetzt Berufsschüler selbst in Briefen deutlich, die sie an Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) und Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) geschickt haben. Sie fordern darin eine Option auf Distanzunterricht. Unter anderem werden überfüllte Straßenbahnen auf dem Schulweg als Grund angeführt. „Eng aneinander gekuschelt, kann von Abstand keine Rede sein. Weder in Regionalzügen noch in den Straßenbahnen Bremens trägt jeder Fahrgast eine Alltagsmaske“, heißt es in dem Schreiben. Außerdem wird auf die aktuelle Coronaverordnung verwiesen, nach der sich im öffentlichen Raum maximal zehn Personen aus zwei Hausständen treffen dürfen. „In der Klasse sind wir dagegen mehr als 20 Personen aus ebenso vielen Hausständen.“

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