Bremer Sozialprojekt Familiencard vor dem Start

Alle Bremer und Bremerhavener Haushalte mit Kindern und Jugendlichen erhalten in Kürze amtliche Post: Darin steckt die Familiencard, die allen jungen Leuten ein Freizeitbudget von 60 Euro zur Verfügung stellt.
14.09.2022, 15:37
Lesedauer: 2 Min
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Familiencard vor dem Start
Von Jürgen Theiner

Die organisatorischen Vorbereitungen für die Familiencard, die den rund 112.000 Kindern und Jugendlichen in Bremen und Bremerhaven ein 60-Euro-Budget für Freizeitaktivitäten eröffnet, stehen vor dem Abschluss. Zwischen Ende September und Anfang Oktober werden die Briefe mit der Guthabenkarte an die Haushalte verschickt, wenige Tage später folgt ein Schreiben mit dem jeweiligen Aktivierungscode. Erster Geltungstag der Karte wird der 17. Oktober sein.

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Wie berichtet, soll die Karte nicht zuletzt eine Belohnung der jungen Menschen im kleinsten Bundesland für ihr Durchhalten während der Pandemie darstellen. So hatte es Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) schon häufiger formuliert. Außerdem gehe es darum, den vielen Kindern und Jugendlichen in armutsgefährdeten Haushalten ein kleines Stück finanzieller Freiheit zu verschaffen, sodass auch mal ein Kinobesuch oder ein anderes kommerzielles Freizeitvergnügen drin ist. Rund 50 Anbieter haben sich inzwischen bereit erklärt, die Familiencard an ihren Kassen zu akzeptieren. Weitere sollen hinzukommen. Das 60-Euro-Guthaben gilt für den Rest des Jahres. 2023 will der Senat den gleichen Betrag spendieren. Zur Monatswende soll eine Website an den Start gehen, auf der über Nutzungsdetails und Akzeptanzstellen der Karte informiert wird.

In der Bürgerschaft prallten am Mittwoch die unterschiedlichen Ansichten über den Sinn des Projektes erneut hart aufeinander. SPD-Sozialexpertin Birgitt Pfeiffer meinte: "Der 17. Oktober wird ein guter Tag." Die Familiencard komme genau zum richtigen Zeitpunkt, denn angesichts der Energiekrise bestimmten erneut Existenzängste das Leben gerade vieler ärmerer Familien – wie schon in den härtesten Phasen der Corona-Pandemie. In solchen Zeiten mithilfe der Familiencard auch einmal etwas Schönes erleben zu können, einfach mal durchschnaufen zu können, das sei für Kinder und Jugendliche eine wichtige Sache.

Sandra Ahrens, sozialpolitische Sprecherin der CDU, sah in der Guthabenkarte dagegen eher "eine Wahlkampfhilfe für die SPD". Die insgesamt gut 12 Millionen Euro, die Bremen für das Projekt in diesem und im nächsten Jahr aufwenden muss, hätten sich sinnvoller investieren lassen, zeigte sich Ahrens überzeugt. Etwa in den Ausbau der Kita-Plätze, die offene Kinder- und Jugendarbeit in den Stadtteilen oder die Stärkung der Sportvereine und der Bremer Bäder.

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