Bremische Bürgerschaft Debatte über Bremer Impfstrategie

Fast alle Redner beklagten die geringen Impfstoffmengen, für die der Bund und die Europäischen Union verantwortlich seien. Rainer Bensch (CDU) forderte, die Hausärzte auch in Bremen stärker einzubinden.
24.03.2021, 20:04
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Debatte über Bremer Impfstrategie
Von Timo Thalmann

Mit den aktuellen Geschehnissen rund ums Impfen konnte die aktuelle Stunde der Bremischen Bürgerschaft am Ende nicht mithalten. "Kein Impfgipfel, kein Impfstoff: Wie geht es mit den Impfbemühungen in Bremen und Bremerhaven weiter?“, hatte die FDP-Fraktion als Thema beantragt. Das war allerdings, bevor der Impfstoff von Astra-Zeneca wieder zugelassen und Bundeskanzlerin sowie Ministerpräsidenten am vorigen Freitag doch noch per Telefonschalte zu ihrem Impfgipfel zusammentraten. "So ist das in diesen ereignisreichen Tagen", stellte Nelson Janßen (Linke) fest.

Was die konkreten Ergebnisse des Impfgipfels betraf, schieden sich am Aspekt der Impfungen durch die Hausärzte die Geister. Während Janßen hervorhob, dass im zentralen Bremer Impfzentrum keine Impfdosen ungenutzt liegen bleiben und damit ebenso wie Ilona Osterkamp-Weber (Grüne) und Ute Reimers-Bruns (SPD) die Strategie Bremens verteidigte, kritisierte Rainer Bensch (CDU) die von Bremen in der Bund-Länder Vereinbarung hinterlassene Klausel, das Land hätte sich eine flexible Verteilung der Impfstoffmengen gewünscht.

Dahinter steckt laut Bensch der Bremer Wunsch nach einer zentralistischen Lösung mit weniger Mitteln für die niedergelassenen Ärzte. „Darin drückt sich ein unverantwortliches Misstrauen gegenüber den Hausärzten aus“, sagte er. Der Gesundheitspolitiker betonte die besondere Rolle der Arzt-Patientenbeziehung und nannte das Vertrauen in den Hausarzt „die beste Impfstrategie“. Dabei bestehe im vertraulichen Gespräch außerdem die Gelegenheit, über andere, in der Corona-Pandemie „liegen gebliebene Erkrankungen“ zu reden. Bensch griff damit die Erfahrung auf, dass viele Menschen in der Pandemie Arztbesuche möglichst vermeiden und so zahlreiche Erkrankungen nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden. „Impfungen durch die Hausärzte sind darum über den konkreten Schutz vor Corona hinaus ein wichtiger Beitrag zu Gesundheitsvorsorge.“

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Dem widersprach Reimers-Bruns. Viele niedergelassenen Ärzte hätten gar nicht die Kapazitäten und die Räumlichkeiten, um in großer Zahl Impfungen zu verabreichen. „Das Impfzentrum ist hervorragend organisiert und die hohe Bremer Impfquote im Vergleich der Bundesländer beweist, wie gut Bremen hier aufgestellt ist.“ Das bedeute nicht, die Hausärzte auf Dauer außen vor zu lassen, aber gerade die Aussetzung der Astra-Zeneca-Impfungen habe den Vorteil des Impfzentrums bewiesen. „In der Stadt Bremen musste kein einziger bereits vereinbarter Impftermin abgesagt werden, sondern wir konnten hier schnell auf andere Impfstoffe ausweichen.“

Magnus Buhlert (FDP) konnte den Ärger des Bürgermeisters über die Ergebnisse des Impfgipfels verstehen. Dass der Bund jetzt zentral vorgibt, wie viel der ohnehin nicht ausreichenden Impfstoffmenge an die Impfzentren gehen soll, konterkariere den Bremer Weg, gemeinsam mit der Wirtschaft ein großes, funktionierendes und zentral gelegenes Impfzentrum aufzubauen.

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Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) verteidigte zum Abschluss der rund einstündigen Debatte die abweichende Bremer Erklärung zum Beschluss des Impfgipfels. „Das ist kein Misstrauen gegen die Hausärzte, aber natürlich bin ich skeptisch, wenn ich von Ärzten höre, über die Priorisierung entschieden sie dann gern eigenständig.“ Tatsächlich sei die Impfreihenfolge aus guten Gründen so festgelegt worden. Außerdem änderten Impfungen durch Hausärzte nichts am Kern des Problems. Das sei nach wie vor der Mangel an Impfstoff. „Alle diese Geschichten von zu viel Bürokratie und fehlendem Tempo durch angeblich zu schwerfällige Impfzentren lenken nur davon ab.“

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