Corona-Teststrategie in Bremen Was Sie über Schnell- und Selbsttests wissen müssen

Bereits vollzogene und auch angekündigte Lockerungen sollen auch in Bremen und Bremerhaven mit zahlreichen neuen Testmöglichkeiten begleitet werden. Fragen und Antworten.
09.03.2021, 20:55
Lesedauer: 4 Min
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Von Timo Thalmann und Nina Willborn

In einer repräsentativen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung haben 43 Prozent der Befragten angegeben, sie haben schon mal einen Coronatest machen lassen, um sich oder ihre Familie vor dem Virus zu schützen. Dem offenbar verbreiteten Bedürfnis, sich Gewissheit über eine bislang unentdeckte Infektion zu verschaffen, kommt die neue Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums entgegen. Erstmals ist darin der Anspruch auf mindestens einen von den Krankenkassen finanzierten Schnelltest pro Woche für jeden Einwohner Deutschlands verbrieft. Parallel dazu hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) inzwischen für sieben verschiedene Selbsttests eine Sonderzulassung erteilt. Beide Entwicklungen werfen in der Praxis zahlreiche Fragen auf.

Ab wann sind Schnelltests für alle Bremerinnen und Bremer möglich?

Die Testambulanzen der Kassenärztlichen Vereinigung in der Vahr und in Bremen-Nord, das Medizinische Versorgungszentrum Bremen-Mitte und das Testcenter am Flughafen bieten ab diesem Mittwoch Schnelltests an. Noch in dieser Woche soll ein gemeinsames Schnelltestzentrum von Gesundheitsamt und dem Deutschen Roten Kreuz in der Messe eröffnen. Weitere werden folgen. Laut Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linker) liegen dem Ressort mehr als 20 feste Zusagen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Apotheken vor. Nach Angaben von Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) sind derzeit 250.000 Tests bestellt worden, 850.000 weitere Tests sollen in Kürze folgen. Eine fortlaufend aktualisierte Liste der Teststellen gibt es unter der Internetadresse www.gesundheit.bremen.de.

Wie läuft die Anmeldung für die Schnelltests?

Eine vorherige Terminvereinbarung wird grundsätzlich empfohlen, am Flughafen ist das derzeit nicht nötig. Mehr Informationen gibt es unter www.testcenter-airport.de. Anmeldungen sind über die Internetseiten der jeweiligen Anbieter möglich.

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Wird kontrolliert, wer sich wie oft testen lässt?

In der Testverordnung des Bundes ist von „mindestens einem Test pro Woche“ die Rede. Entsprechend sind auch mehrfache Tests möglich. Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, verweist in diesem Zusammenhang auf die zunächst begrenzten Kapazitäten. „Die Tests werden nach Verfügbarkeit angeboten werden können.“

Wie wird das Schnelltestergebnis dokumentiert?

Die Testzentren stellen schriftliche Befunde aus. Bei einem positiven Ergebnis folgt ein PCR-Test, bei einem negativen sollen sämtliche Abstands- und Hygienevorschriften weiterhin eingehalten werden. In der aktuellen Corona-Verordnung ist die Inanspruchnahme von Dienstleistungen oder weiteren Angeboten außerdem nicht mit einer Testpflicht verknüpft.

Was ist der Unterschied zwischen Schnell- und Selbsttest?

Schnelltests dürfen ausschließlich durch geschultes Personal durchgeführt werden. Genau wie beim Labortest wird dafür ein Abstrich aus dem tieferen Nasen-Rachenraum benötigt, bei dem ein Tupferstäbchen bis zu zwölf Zentimeter weit in die Nasenhöhle eingeführt wird. Bei den Selbsttests wird der Tupfer für die Probenahme nur ein bis zwei Zentimeter tief nacheinander in beide Nasenlöcher eingeführt und je nach Testprodukt unterschiedlich lange kreisförmig entlang der Naseninnenseite bewegt. Das gilt für alle sieben bislang zugelassenen Selbsttests. Die Probe wird schließlich auf einen Testträger aufgebracht, der innerhalb von 15 bis 20 Minuten das Ergebnis anzeigt.

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Wo gibt es Selbsttests zu kaufen?

Die Sonderzulassung des (BfArM) hat die Selbsttests zum allgemeinen Verkauf freigegeben. Es gilt darum keine Apothekenpflicht. Die großen Drogerieketten und Lebensmittelhändler haben entsprechende Angebote bereits angekündigt, aber nur bei Aldi hat es ein Test bis jetzt zumindest kurzzeitig bis in die Regale geschafft. Ein für diesen Dienstag geplanter Verkaufsstart bei dm ist wegen Lieferschwierigkeiten auf Freitag, 12. März, verschoben. Rossman hat das gleiche Produkt ebenfalls für diese Woche angekündigt. Lidl hat einen Verkauf am Montag zunächst nur im Onlineshop gestartet, will den Test aber auch in seine Filialen bringen. Rewe, Edeka sowie die Discounter Penny und Netto wollen in der kommenden Woche starten. Wegen der vermuteten hohen Nachfrage wollen alle Anbieter die Abgabe auf eine Packung mit vier bis fünf Tests je Käufer begrenzen. Die Kosten liegen zwischen vier und acht Euro pro Test.

Wie zuverlässig sind Selbsttests?

Studien haben gezeigt, dass existierende oder fehlende Symptome einer Erkrankung beträchtlichen Einfluss auf die sogenannte Sensitivität von Selbsttests haben: Bei Personen, die bereits wegen Covid-19 in Kliniken lagen, wurden 93 Prozent der Erkrankungen erkannt, bei Massentest-Teilnehmern mit leichten Symptomen knapp 76 Prozent, bei – zum Zeitpunkt der Probengewinnung – Personen ganz ohne Krankheitszeichen wurden etwa 41 Prozent der tatsächlich Infektionen nachgewiesen. Anders gesagt: Wenn ein Selbsttest positiv ausfällt, stimmt das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit. Ein negatives Ergebnis ist dagegen unsicherer, vor allem, wenn keine Symptome vorliegen.

Was folgt aus einem negativen Ergebnis?

Weil Selbsttests eine Infektion nicht sicher ausschließen können, empfiehlt das Gesundheitsamt, die Hygiene- und Abstandsgebote weiter zu beachten. Zertifikate mit negativem Testergebnis, die einige Hersteller versprechen, haben keine amtliche Bedeutung. Wenn Anbieter von Dienstleistungen einen negativen Selbsttest verlangen, bleibt ihnen die Anerkennung überlassen.

Was folgt aus einem positiven Ergebnis?​

Weil niemand sonst die Ergebnisse eines Selbsttests erfahren kann, appelliert das Gesundheitsamt an die Verantwortung des Einzelnen, sich im Falle eines positiven Befundes amtlich testen zu lassen und sich zudem unmittelbar zu isolieren. Im Testzentrum am Flughafen sollen auf Kosten des öffentlichen Gesundheitsdienstes positive Selbsttestergebnisse durch einen PCR-Labortest abgesichert werden. Wer Krankheitssymptome aufweist, kann sich auch an seinen Hausarzt wenden.

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