Diskussion um Bremer Verkehrsprojekte Darum geht es beim Streit um die A281

Seit Jahren gibt es Diskussionen um den Ringschluss der Autobahnen, den Ausbau der A281 und den Bau der Bundesstraße 6n (B6n). Die Situation ist verfahren. Ein Überblick.
24.09.2017, 16:02
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
Darum geht es beim Streit um die A281
Von Pascal Faltermann

Der Ringschluss der Autobahnen, der Ausbau der A 281 und der Bau der Bundesstraße 6n (B6n) sorgen seit Jahren für reichlich Diskussionen und Streit. Bürgerinitiativen, Politiker und Behörden ringen darum, wie die Verkehrsprojekte verwirklicht werden. Nach einer Einigung sieht es noch lange nicht aus. Das erklärte Ziel ist es, eine Verkehrsentlastung, eine bessere Anbindung zum Güterverkehrszentrum und den Fernverkehr weniger durch die Innenstadt und Wohngebiete an der Neuenlander Straße und der Kattenturmer Heerstraße vorbeifahren zu lassen. Der WESER-KURIER bietet einen Überblick.

Wolfskuhle: Müssen Häuser abgerissen werden?

Seit 1959 wohnen Günter und Rita Hallwas im Bürgermeister-Mohr-Weg 58 in der Wolfskuhlen-Siedlung. Sie haben ihren Garten gepflegt, einen kleinen Pool und einen Wintergarten. Wenn es tatsächlich beim Bau der B 6n zu der Umfahrung des Flughafengeländes in östlicher Richtung kommen würde, könnte ihr Grundstück betroffen sein. Es liegt direkt am Flughafengelände, nur etwa drei Meter trennen die beiden Flächen. Dazwischen verläuft ein Wassergraben, die Neuenlander Wasserlöse. Sie haben sich die Pläne der Behörden und Planungsbüros angeschaut. Ihre Schlussfolgerung: Das Haus kann nur stehen bleiben, wenn die Bundesstraße auf dem Flughafengelände verläuft und nicht um den Flughafen herum. Günter Hallwas müsste eigentlich an der Heizung in seinem Haus etwas machen. Aber bei der ungewissen Zukunft ist seine persönliche Lebensplanung äußerst schwierig. „Ich weiß nicht, ob ich noch etwas investieren soll“, sagt Hallwas. Weg will er hier nicht. „Hier stimmt die Nachbarschaft, es ist ein bisschen dörflich und wir kämpfen gemeinsam“, sagt er. Mitleid hat er mit denen, die erst vor kurzem hierher gezogen sind.

Lesen Sie auch

Besonders ärgerlich findet Norbert Breeger, Sprecher der Vereinigung der Bürgerinitiativen für eine menschengerechte A281, dass von Behördenvertretern immer wieder gesagt werde, dass die im Bundesverkehrswegeplan vorgesehene Umfahrungsvariante nur an der Wohnsiedlung Wolfskuhle entlang führe. Im Bundesverkehrswegeplan werde sogar behauptet, die B6n verlaufe nur über Grasland und Ackerflächen und niemand werde zusätzlich belastet. „Stattdessen müssten mindestens fünf Wohnhäuser und etwa 30 Kleingärten abgerissen werden“, sagt Breeger. Das hätten Gutachter 2009 für einen Runden Tisch im Auftrag des Bremer Verkehrsressorts festgestellt.

Nach derzeitigem Stand lehnt die Bremische Bürgerschaft die Umfahrungsvariante der B6n ab, wie sie der Bund aus Kostengründen in Betracht zieht. Die B 6n ist im aktuellen Bedarfsplan bis 2030 im vordringlichen Bedarf eingestuft, erklärt Gunnar Polzin, Abteilungsleiter Verkehr in der zuständigen Behörde. Die Flughafenumfahrungsvariante ist dabei mit Kosten für den bremischen Bereich von rund 150 Millionen Euro berücksichtigt. In Bremen politisch beschlossen ist bisher die Flughafentunnelvariante (mit Untertunnelung der Start- und Landebahn des Bremer Flughafens) mit Kosten für den bremischen Bereich von circa 305 Millionen Euro. „Eine Linienbestimmung für die B6n ist noch nicht erfolgt, daher können derzeit auch keine konkreten Aussagen zur genauen Lage der Umfahrungsvariante und der Flughafentunnelvariante gemacht werden“, sagt Polzin. Die Verfeinerung der Planung mit weiteren Untervarianten sowohl hinsichtlich der genauen Lage als auch hinsichtlich des höhenmäßigen Verlaufs erfolge im weiteren Planungsprozess. „Eine Führung der B 6n entlang der Wolfskuhle auf dem Gelände des Flughafens ohne Inanspruchnahme von Grundstücken ist vorgesehen“, sagt Polzin. Eine rechtssichere und planfeststellbare Planung liege allerdings noch nicht vor.

Neuenlander Ring: "Wie eine Sprungschanze"

„Es sieht aus wie eine „Sprungschanze“, sagt Breeger. Er meint das unvollendete Stück der Autobahn 281, die von der Neustadt kommend am Neuenlander Ring endet. Hier gibt es derzeit nur eine zweispurige Abfahrt mit Ampeln auf die Neuenlander Straße, wodurch ein Teilstück der vierspurigen Autobahn in die Luft ragt. Der Verkehr stadteinwärts muss weiter auf der Neuenlander Straße bleiben und kann erst einige hundert Meter und zwei Ampeln später auf die Autobahn. „Das macht den Wahnsinn deutlich“, sagt Breeger. Ursprünglich beschlossen, so Breeger, sei hier eine vierspurige Auf- und Abfahrt gewesen und die Fahrzeuge hätten kreuzungs- und ampelfrei von der A281 zur A1 fahren können. Damit wären schon 2008 alle Verkehrsprobleme gelöst gewesen. Stattdessen soll erst jetzt der Ringschluss der Autobahn geschaffen werden mit dem Bauabschnitt 2.2 der A281 zwischen Neuenlander Ring und Zubringer Arsten. Bislang gibt es aber noch keinen Planfeststellungsbeschluss.

„Der Planfeststellungsbeschluss für den Bauabschnitt 2.2. der A281 wird voraussichtlich im Frühjahr 2018 vorliegen", sagt Polzin. Dann sei ein sofortiger Baubeginn vorgesehen. Falls der Beschluss kommen sollte, informiert Breeger, werd es erneute Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht geben. Das Gericht hatte schon 2010 den ersten Planfeststellungsbeschluss für „rechtswidrig und nicht umsetzbar“ erklärt. Laut Breeger wäre die wesentlich bessere Lösung, den Bauabschnitt der A281 nur bis zum Hornbachgelände zu bauen.

Hornbach-Gelände: Wo die B6n auf die A281 treffen soll

Um das ehemalige Gelände der Firma Hornbach steht ein Zaun. Auf der Fläche stehen noch ein paar Bäume, Sträucher und hohes Gras. Die Gebäude sind schon für den geplanten Bauabschnitt 2.2 abgerissen worden. Hier an der Neuenlander Straße soll nach den Beschlüssen der Bremischen Bürgerschaft die vierspurige B6n mit dem noch zu bauenden Teil der A281 verbunden werden. Die Bundesstraße soll dann in der Tunnelvariante unter der Start- und Landebahn des Flughafens hindurch nach Brinkum zur A1 führen. Allerdings steht im Bundesverkehrswegeplan die Umfahrungsvariante im vordringlichen Bedarf. „Mit einer Anschlussstelle vor dem Wohngebiet Huckelriede“, erklärt Breeger. Das bedeutet: Derzeit gibt es nur Gelder vom Bund für die billigere Umfahrung. „Wenn erst 150 Millionen Euro für den Bauabschnitt 2.2 der A281 zum Zubringer Arsten verbraten worden sind, wird es nicht mehr genug Geld geben, um den B6n-Flughafentunnel zu bauen“, sagt Norbert Breeger. Die Lösung, die allen nütze und niemandem schade, sei deshalb, auf den Weiterbau der Autobahn nach Arsten zu verzichten, am Hornbachgelände eine vierspurige Auf- und Abfahrt von der A281 auf die Neuenlander Straße zu bauen und das dadurch eingesparte Geld stattdessen zusätzlich für die B6n auszugeben. „So lässt sich der Tunnel kostenneutral finanzieren“, so Breeger. Die Behörde verweist darauf, dass die Planungen zur genauen Lage noch nicht gemacht werden können. Bei den Planungen für den Bauabschnitt 2.2. der A281 sei geprüft und nachgewiesen worden, dass die Tunnel- wie auch die Umfahrungsvariante der B6n technisch und richtlinienkonform angeschlossen werden könne, sagt Polzin.

Kreuzung Neuenlander Straße/ Kattenturmer Heerstraße: Ein wichtiger Knotenpunkt

Es ist einer der am stärksten befahrenen Knotenpunkte in Bremen. Über die Kreuzung vor Huckelriede fahren täglich rund 60.000 bis 70.000 Fahrzeuge, davon die Hälfte durch den vierspurigen Tunnel zwischen der Neuenlander Straße und dem Autobahnzubringer Arsten. Er müsste für mehrere Jahre während des Baus des geplanten Bauabschnitts 2.2 für die A281 gesperrt und der Verkehr oberirdisch und mit Ampeln an der Kreuzung vorbei geführt werden. Vertreter der Bürgerinitiativen befürchten ein Verkehrschaos und auch Vertreter aus Behörden sprechen von einem immensen Eingriff. Die Umwege und Zeitverzögerungen, die für die Verkehrsteilnehmer durch die Baumaßnahme entstehen würden, „würden sie nie wieder herausfahren“, meint Breeger. Gutachter hätten ermittelt, dass es mit dem geplanten Bauabschnitt 2.2 nur einen Zeitgewinn von einer Minute gäbe.

Alter Kuhweidenweg/Einflugschneise Flughafen: Zwei Höfe müssten Flächen abgeben

Hier stehen meist die Fotografen, die anfliegende oder landende Flugzeuge fotografieren. Von hinten sind zwei alte Höfe zu sehen, die an der Neuenlander Straße stehen. Sie müssten für den Bauabschnitt 2.2 große Teile ihrer Grundstücke abgeben. Deshalb hatten die beiden Familien schon gegen den ersten Planfeststellungsbeschluss geklagt.

Kleingartengebiet Wolfskuhle: Kleingärten müssten weichen

Insgesamt drei Kleingartenvereine gibt es in dem Gebiet an der Wolfskuhle. Gärten des Vereins der Kleingärtner und Gartenheime an der Wolfskuhle und des Kleingärtnervereins Neuenland müssten bei einer B6n am Flughafen vorbei abgerissen werden. Direkt neben den verbleibenden Gärten würde die vierspurige Bundesstraße mit prognostizierten 38.000 Fahrzeugen täglich verlaufen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+