Reaktionen von Bahnreisenden auf Sturm "Xavier" "Das ist halt Natur"

Ein Sturmtief legt den Zugverkehr in ganz Norddeutschland lahm. Doch wie reagieren die Reisenden in Bremen? Erstaunlich gelassen.
05.10.2017, 22:33
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Stöckel

Von Sturm "Xavier" waren vor allem viele Reisende betroffen. Weil keine Züge mehr fuhren, kamen die Fahrgäste nicht aus Bremen weg. Viele warteten in langen Reihen vor dem Informationsschalter der Deutschen Bahn. „Ich bin hier gestrandet“, sagt Michael Schäfer, der eigentlich nach Neunkirchen im Saarland will. „Ich muss jetzt weiter warten, bis ich Infos bekomme. Ansonsten muss ich noch die Nacht hier in Bremen verbringen. Mal schauen, was hier noch passiert.“

Sein Lächeln hat Schäfer allerdings nicht verloren: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, sagt er. Mit einem „Direktflug aus London“ nach Bremen gekommen ist eine Frau, die ebenfalls in der Warteschlange vor dem Informationsschalter steht: „Ich will nur nach Twistringen, aber hier ist ja das reinste Chaos. Das habe ich in ganz Großbritannien noch nicht erlebt“, sagt sie.

Zug blieb kurz vor Bremen stecken

Jürgen Reich und seine Begleitung sind auf dem Weg von Hamburg nach Leichlingen in Nordrhein-Westfalen, als der Zug kurz vor Bremen stecken bleibt. „Und dann dauerte das Ewigkeiten, bis eine Diesellok kam und den Zug wieder in den Bahnhof geschleppt hat“, sagt Reich und ergänzt: „Und seitdem steht der Zug dort zum Aufenthalt, wo man sich reinsetzen kann und keiner weiß so richtig, wie es weiter geht.“ Mit folgenden Alternativen hatte sich Reich schon beschäftigt: „Entweder, wir bleiben über Nacht oder wir müssen schauen, wie wir heimkommen.“

„Wir kommen aus Fischerhude und wollen nach Frankfurt“, sagt Robert Decker, der ebenfalls in Begleitung unterwegs ist. Dort wollen die beiden bei der Feier eines 50. Geburtstages dabei sein. „Die Feier ist aber erst morgen, und wir können auch erst morgen fahren, insofern ist das nicht so schlimm.“ Eine Frage bleibt aber trotzdem: „Wir hatten eine Fahrkarte mit Zugbindung und jetzt geht es darum, ob die morgen noch gültig ist.“ Trotz des Wartens sei der Ärger „nicht besonders“ groß, „weil das ja letztendlich höhere Gewalt ist. Wenn die Bäume umkippen, kippen sie um, da kann man nichts machen.“

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Am fast leeren Bahnsteig sitzt am Donnerstagnachmittag Nibras El Hassani, die eigentlich mit dem Zug nach Verden fahren wollte: „Ich warte jetzt auf meinen Vater, er ist gleich da.“ Und was wurde in der Zwischenzeit gemacht, um sich die Zeit zu vertreiben? „Nichts, ich warte nur“, sagt El Hassani. Darauf, abgeholt zu werden, wartet auch Elena Schnars: „Ich hoffe, dass mich mein Freund hier gleich mit dem Auto abholen kann.“ Eigentlich wollte sie nach Bremen-Blumenthal, „aber die Nordwestbahn fährt ja im Moment nicht.“

Insgesamt gibt sich Schnars gelassen: „Sonst schimpfe ich auch immer auf die Bahn, dass die schuld ist, aber dafür kann sie ja jetzt nichts. Ich habe jetzt keinen Termin mehr. Von daher ist das ärgerlich, aber man kann nichts ändern. Das ist halt Natur.“ Um den Gästen das Warten angenehmer zu gestalten, wurden auf mehreren Gleisen Züge bereitgestellt, in denen sich die Gestrandeten aufhalten konnten.

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