Restaurantbesprechung: "Aioli" in Bremen

Das Lamm in Schokoladensoße ist die Schau

Das Team des Aioli entführt den Gast einen Abend lang in südländische Gefilde. Genauso wie im Urlaub sollte der Gast nicht alles so eng sehen und bei der einen oder anderen Kleinigkeit ein Auge zudrücken.
19.09.2018, 21:04
Lesedauer: 3 Min
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Das Lamm in Schokoladensoße ist die Schau
Von Marcel Auermann
Das Lamm in Schokoladensoße ist die Schau

Michelle Heinemann zeigt die Leckereien des Tapas-Buffets.

Christina Kuhaupt

Das rote Häuschen mit blauer Eingangstür fällt im Schnoor sofort auf. Hier sind aber keine Künstler zu Hause, wie der Passant vielleicht schnell glauben mag – obwohl sich recht farbenprächtige Werke an den Wänden im Innern befinden. Im Aioli wird eine spanisch-mediterrane Lebensart zelebriert wie sie der Gast aus Urlauben kennt. Alles geht locker zu.

Die rustikalen Holztische sind mit weiß-blauen Papierservietten gedeckt und das Wasserglas befindet sich auf dem weißen Platzteller. Und dann liegt noch dieser typische Duft des Südens in der Luft: würzig, salzig und nach (Meer-)Wasser. Wer beim Eintreten ins Aioli die Augen schließt, träumt sich weg. Wir fühlten uns ein bisschen wie im Urlaub. Die Taverne tat also das, was sie vermutlich tun sollte. Auftrag gelungen!

Das Team des Aioli spezialisierte sich auf die kleinen Leckereien namens Tapas. Und selten bekommt man so ein üppiges Tapas-Buffet serviert. Wer aber dennoch gediegen am Tisch Platz nehmen möchte, kann aus einer Karte wählen, die Speisen mit interessanten Geschmäckern bietet. Typisch spanisch und passend zum Namen des Restaurants geriet der Gruß aus der Küche.

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Was sonst als eine Aioli mit einer knackigen Knoblauchnote sollte auf den Tisch kommen. Meine Begleitung und ich kamen überein, dass wir beide davon essen. Sie wissen schon – wegen des Knoblauchgeruchs tags darauf. Den müssen entweder beide aushalten oder keiner. So dippten wir das Brot immer wieder in die Mayonnaise, die gerne noch eine Prise Salz mehr hätte intus haben dürfen.

Die Tomaten-Orangensuppe (5,50 Euro) meiner Begleitung ließ keine Wünsche offen. Sie war schön würzig und fruchtig zugleich, dazu wundervoll cremig. Kein Wunder, dass mein Löffel ein ums andere Mal hinüber wanderte. Meine klare Fischsuppe (7,50 Euro) enthielt reichlich Fisch und noch knackiges Gemüse, das zu einem schmackhaften Fond verhalf. Das war schon einmal ein guter Start.

Als die Kellnerin den Rotwein (Luis Canas, 0,2 Liter für 6,50 Euro) servierte, parfümierte er die Luft um uns herum. Die roten Beeren mit ihrem satten, vollmundigen Geschmack spürten wir richtiggehend auf unseren Zungen. Der Tropfen war wie gemacht für den katalanischen Lammtopf (19,50 Euro) meiner Begleitung. Der Hauptgang war einfach nur grandios.

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Das Fleisch butterweich, von toller Qualität und einem enormen Eigengeschmack. Hinzu kam, dass der Koch alles in einer dunklen, fast schwarzen Soße garte, die eine kräftige Note Schokolade enthielt. Was für eine Aromenvielfalt. Die kanarischen Kartoffeln mit ihrer Salzkruste brachten eine weitere Note ins Spiel. Das Hauptgericht meiner Begleitung vereinte also würzig, salzig und süß.

Grandios. Mein Hauptgericht enttäuschte mich hingegen. Vielleicht löffelte ich auch deswegen so eifrig die Schokoladensoße meines Gegenübers aus. Jedenfalls war mein Hähnchenbrustfilet (17,50 Euro) viel zu trocken gebraten und lag dementsprechend schlaff auf dem Teller vor mir. Leider gab es als Beilage ein Kichererbsenpüree, das an sich ja auch eher Soße vertragen kann.

Ja, eine Dattelsenfsauce bildete den Spiegel auf meinem Teller, aber die ging schon für das trockene Fleisch drauf, sodass ich das Püree so aß. Der Blattspinat war okay, hätte aber mehr Würze vertragen. Deshalb zog ich für mich die Konsequenz: Beim nächsten Mal will ich unbedingt den katalanischen Lammtopf, den die Kellnerin im Kupfertöpfchen auf den Tisch stellte. Doch, ja, der ist schon ’ne Schau und an diesem Abend unübertroffen.

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Die Crema Catalana (5,50 Euro) stimmte mich wieder milde. So eine knackige Zuckerkruste sucht der Gast in vielen Restaurants bei der eher verbreiteten Crème brulée vergebens. Dazu besaß die Vanillecreme eine erfrischende Zitrusnote. Meine Begleitung entschied sich für den gehaltvollen, kompakt gebackenen Mandelkuchen (6,50 Euro), der auf einem großen Glasteller mit Früchten und Quark lag.


Fazit:
Das Team des Aioli entführt den Gast einen Abend lang in südländische Gefilde. Genauso wie im Urlaub sollte der Gast nicht alles so eng sehen und bei der einen oder anderen Kleinigkeit ein Auge zudrücken, dann fühlt er sich wie in Spanien. Und das mitten im Schnoor. Das ist doch eine Leistung.


Aioli, Schnoor 3-4, 28195 Bremen, Telefon: 04 21/32 38 39, Öffnungszeiten: montags ab 18 Uhr, Dienstag bis Sonntag von 12 bis 0.30 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.aioli-bremen.de

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