Steigende Kaufpreise

Das Ringen um bezahlbaren Wohnraum in Bremen

Die Immobilienpreise steigen in Bremen ungebremst weiter. Weil der Wohnraum in Bremen aber bezahlbar bleiben soll, beantragt die SPD-Fraktion eine Aktuelle Stunde für die Bürgerschaft.
23.01.2020, 20:33
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Das Ringen um bezahlbaren Wohnraum in Bremen
Von Pascal Faltermann

Familien finden kein Häuschen, Senioren keine barrierefreien Wohnungen und junge Menschen können sich ein Eigenheim nicht leisten. Die Schlagzeilen sind in Bremen nichts Neues. Denn die Miet- und Kaufpreise in der Hansestadt steigen immer weiter an. Dabei ist das mehrfach ausgerufene politische Ziel, dass Wohnraum bezahlbar bleibt. Grund genug für SPD-Baupolitiker Falk Wagner eine Aktuelle Stunde für die Sitzung der Bremischen Bürgerschaft in der kommenden Woche zu beantragen. Dass die Kaufpreise von Eigentumswohnungen in Bremen schneller als erwartet steigen, zeigt eine aktuelle Prognose des Immobilienportals Immowelt.

„Jüngste Zahlen sprechen eine deutliche Sprache“, sagt Wagner. „Wir müssen bauen, bauen, bauen“. Ein Satz, den der ehemalige Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) mehrfach gesagt hatte. Auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) wiederholte die Aussage mit Nachdruck, nachdem er im vergangenen im Amt bestätigt worden war.

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Die Kaufpreisentwicklung von Bestandsimmobilien zeigt, dass der Preis von 1215 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2012 auf 1793 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2018 gestiegen ist – ein Plus von 578 Euro, was einer Steigerung von 46 Prozent entspricht. Besonders stark ist dabei der Anstieg in den zentrumsnahen Stadtteilen wie Schwachhausen, Östliche Vorstadt oder Findorff. Das geht aus dem aktuellen Monitoring „Wohnen und Bauen 2019“ des Bauressorts hervor. Das Datenmaterial bezieht sich überwiegend auf das Jahr 2018. „Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer kann da gar nicht mehr hinterher sparen“, sagt Wagner.

Das Angebot mache eine soziale Spaltung der Stadtteile deutlich. Die höchsten Preise liegen im Durchschnitt bei mehr als 2400 Euro pro Quadratmeter in Mitte, Oberneuland und Schwachhausen. Gefolgt von der Östlichen Vorstadt, Findorff, Horn-Lehe und der Neustadt. Alle anderen Stadtteile liegen deutlich darunter. In der mittleren Preiskategorie von 1700 bis 1900 Euro pro Quadratmeter findet sich nichts. Das zeigt ein deutliches Preisgefälle in der Stadt, ist dem Monitoring zu entnehmen. „Gerade dieses mittlere Segment wollen wir stärken, damit Familien nicht ins Umland ziehen“, sagt Wagner.

Die höchsten Steigerungen in Osterholz und Walle

Ähnlich sieht es bei den Angebotsmieten aus. Auch sie stiegen stärker als die Löhne und Gehälter. Von 2012 bis 2018 zeigt sich eine Steigerung von 30 Prozent in der Gesamtstadt. Die höchsten Steigerungen sind in Osterholz (plus 38 Prozent) und Walle (39) zu verzeichnen, wobei in Walle die Überseestadt gesondert betrachtet werden muss. „Dank vieler guter, alter Mietverträge steht Bremen verglichen mit Hamburg oder Berlin gut da", so Wagner. Aber wenn ein Umzug anstehe, werde es teuer.

„Wer etwa in Findorff mit der jungen Familie mehr Platz oder im Alter die Wohnung gegen eine kleinere, aber barrierefreie eintauschen will, hat schnell ein Problem.“ In der Aktuellen Stunde müsse die Politik über das Thema sprechen, so Wagner. Als Lösungen sieht der Baupolitiker einerseits eine Preis-Dämpfung durch eine weitere Stärkung des sozialen Mietrechts im Bund. Wichtig sei aber auch, das Angebot auszuweiten. Dafür soll die Sozialbauquote wie vorgeschlagen auf 30 Prozent erhöht werden und Gewoba und Brebau ihr Angebot weiter erhöhen.

Im Kampf gegen den knappen Wohnraum und die steigende Mieten sollte die Stadt zudem vermehrt auf Genossenschaften und Mietshäuser Syndikate setzen, so Wagner. Insgesamt habe sich die Koalition das Ziel von 10.000 Wohneinheiten in der Wahlperiode gesetzt. „Das wird von allen Seiten immer wieder begrüßt. Entscheidend ist aber, dass alle politischen Kräfte auch den Rücken gerade machen, wenn es konkret wird.“

Eine am Donnerstag veröffentlichte Prognose des Immobilienportals Immowelt zu Kaufpreisen von Eigentumswohnungen in den 14 größten deutschen Städten kommt auf ähnliche Ergebnisse. Die Preise steigen schneller als vor einem Jahr erwartet. In Bremen sind laut der Prognose die vorausberechneten Preise für Ende 2020 noch nicht wie in vier anderen Städten übertroffen worden. Aufgrund der positiven wirtschaftliche Entwicklung seien die Preissprünge dennoch stärker ausgefallen als erwartet. Durch ein Plus von 13 Prozent werden die Quadratmeterpreise in der Hansestadt demnach Ende dieses Jahres bei 2540 Euro liegen.

München ist Spitzenreiter

Ähnlich sieht es in Hannover oder Nürnberg aus. Für die niedersächsische Landeshauptstadt wird ein Plus von 14 Prozent prognostiziert – neben München ist das der größte Anstieg. Auch in Nürnberg (plus 12 Prozent) legen die Preise für Eigentumswohnungen bis Ende dieses Jahres weiter zu. Das Preisniveau bleibt sowohl in Nürnberg (3640 Euro) als auch in Hannover (2870 Euro) aber noch deutlich unter dem in den Top-Standorten. Spitzenreiter ist durch ein Plus von 14 Prozent München, dort liegen die Quadratmeterpreise Ende dieses Jahres bei 8640 Euro. In Berlin (plus 13 Prozent) steigen die Immobilienpreise auf 4810 Euro pro Quadratmeter. Hamburg und Frankfurt knacken 5000-Euro-Marke.

In Bremen soll auch in Baulücken Wohnraum entstehen. In einem Kataster der Stadt sind derzeit 2757 Baulücken verzeichnet. Nicht alle davon sind aktuell. Die Leerstandsquote von Wohnungen im Bundesland ist laut Statista in den Jahren von 2001 bis 2018 fast durchgehend gesunken auf nun 2,7 Prozent.

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